Der perfekte Mann: Von Bodybuildern, Botox und Brustbehaarung

Mann mit Spiegel

Eine Studie aus dem Jahre 2011 gibt an, dass jede fünfte Schönheitsoperation an einem Mann durchgeführt wird. Heute, 10 Jahre später, hat sich einiges verändert. Egal ob auf Instagram, Tiktok oder in einschlägigen Magazinen, irgendwo scheint immer ein Kerl sein durchtrainiertes Sixpack in die Kamera zu halten. Was macht das mit der Psyche? Und können Frauen mittlerweile vielleicht sogar besser mit dem Schönheitsdruck umgehen als Männer?

Ich sitze neben meinem Freund Tobi auf der Couch und wir tun das, was ich gerne liebevoll unsere asozialen 10 Minuten nenne. Jeder scrollt durch sein Smartphone, geredet wird wenig, ab und zu liest man sich einen lustigen Tweet vor oder wir schicken uns ein gut gemachtes Meme.

Besonders viel Zeit verbringen wir auf Instagram. Und während mein Homescreen mit Accounts von Künstler*innen, Autor*innen und Journalist*innen gefüllt ist, laufen über seinen Bildschirm Fotos von männlichen Fitnessinfluencern, Bodybuildern und Spitzensportlern. Hin und wieder zoomt er ein Bild heran, legt den Kopf schief und schnaubt verächtlich. „Na, wenn ich den ganzen Tag nichts anderes machen und jemand für mich kochen würde, dann sähe ich locker auch so aus!“ „Wie denn?“ Frage ich und schiebe meinen Kopf über sein Handy. „Na so muskelbepackt eben. Die essen doch alle nur Thunfisch und Quark.“

Auf seltsame Weise erinnert mich unser Gespräch an die Abende mit meinen Mädels. Nur eben ein paar Jahre zu spät, denn während Tobi sich hier noch in Selbstzweifel verstrickt, enden unsere Debatten zum Thema Köperkult heute meist in Kritik gegenüber Photoshop, Diätshakes und dem Kapitalismus im Allgemeinen. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt!

Doch es scheint, als erlebten Männer aktuell das, womit sich Frauen seit geraumer Zeit herumschlagen: Einem unerreichbaren Schönheitsideal, Selbstzweifeln und dem Gefühl, irgendwie nie genug zu sein.

Dorfkind und Wunschgroßstädterin. Veganerin mit Vollmilchschokoladen-Problem. Indie-Fan mit Schlager-Playlist. Frühaufsteherin mit Nachtschwärmersyndrom. Pragmatikerin mit dem Kopf in den Wolken. Unterm Strich: Genauso verloren in meinem Lebensentwurf, wie es meiner Generation immer nachgesagt wird.