Coronavirus: „Ich musste meine Asienreise abbrechen“

„Ich hätte doch mehr als eine Flasche Desinfektions-Gel kaufen sollen“, erzählt Roman am Telefon. Er war zuvor schon ein Jahr lang mit seinem Rucksack auf Weltreise. Indien, Thailand, Laos, Kambodscha. Bis er nach Vietnam flog.

Der 37-jährige Freelancer wollte längere Zeit in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi verbringen. Doch dann kamen die Nachrichten vom Nachbarland China über den Ausbruch des Coronavirus. Jetzt musste er sich entscheiden: Bleiben oder gehen?

Die Straßen sind leergefegt.

Zwei Stunden nachdem der erste Coronavirus-Fall in Vietnam bekannt wurde, klingelte Romans Handy. Eine Nachricht von seinem Vater, der ihn bat, das Land sofort zu verlassen. „Und ich so: Ja, mach mal ruhig hier. Das ist doch nicht so schlimm, das ist keine Todesseuche!“, erinnert sich der Backpacker. Ende Januar erreichte ihn aber die Nachricht von der Quarantäne in Wuhan und er fing an, sich Sorgen zu machen.

„Ich wusste auch nicht, ob ich der vietnamesischen Regierung im Umgang mit der Situation vertrauen könnte. Irgendwann dachte ich, vielleicht gibt es hier auch einen Lockdown?“, erklärt Roman und schildert, wie die Anspannung in Hanoi mit der Zeit wuchs. „Die Medien wirkten wie Panikmacher, Verschwörungstheorien breiteten sich aus. Masken und Desinfektions-Gel waren irgendwann ausverkauft.“

Auf Heimreise: Die Menschen tragen Masken.

Die Unberechenbarkeit des Virus, die Angst vor einer Verschlechterung der Lage – es waren viele Variablen, die Roman dazu brachten, seine Asienreise vorerst abzubrechen. „Am Flughafen trugen dann auch wirklich alle Masken, aber die Stimmung schien ruhig zu sein. Flughafen-Stimmung halt. Kinder haben herumgespielt und die Menschen waren gut drauf“, erzählt der Backpacker. Über seine Weltreise sagt er: „Ich habe sie nicht abgebrochen, nur umgeleitet.“

Wer wie viele Einheimische nicht einfach in den nächsten Flieger steigen kann und sich aus Angst vor einer Ansteckung zuhause verkriecht, muss sich irgendwie die Zeit vertreiben – vor allem, wenn ganze Städte wie Wuhan unter Quarantäne stehen. Wie kreativ junge Menschen dort gegen den Quarantäne-Blues vorgehen, liest du hier.

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Bildquelle: Reise-Fotos von Roman M.

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