9 Fragen, 9 Antworten: Welche Entscheidung ist besser: Kopf oder Herz?

In einer Welt voller Möglichkeiten sind viele von uns zu Entscheidungslethargikern geworden. In Zeiten von Achtsamkeit und Self-Love wollen wir auf unser Herz hören, gleichzeitig fordern Effizienz- und Gewinnorientierung unseren Kopf. „Es wirken unterschiedliche Kräfte in uns: Der Verstand will eine sinnvolle, rationale Entscheidung. Die Gefühle sind einerseits gesteuert von Angst, andererseits sehen sie unser größtes Potenzial und möchten uns auch gerne mal ins kalte Wasser schmeißen.“ sagt Nathalie Marcinkowski, Psychologin und Autorin des Happiness-Guides „Was glückliche Menschen anders machen“. Wie wir den perfekten Mittelweg und zu mehr Authentizität in unseren Entscheidungen finden, erklärt sie in 9 Antworten.

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Ist die Entscheidungsfindung gerade bei uns jungen Menschen ein Problem?

Ja. Je mehr Möglichkeiten wir haben, desto mehr müssen wir in uns reinhören, was wir wirklich wollen. Wir müssten eigentlich ein sehr gutes Gespür für uns selber haben, um uns in dem riesigen Pool an Möglichkeiten zurechtzufinden. Aber das haben leider die wenigsten. Für unsere Eltern damals, war das insofern einfacher, als dass ihr Leben mehr oder weniger in klaren Bahnen verlief und man sich einfach arrangierte.

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Wieso unterscheiden wir überhaupt zwischen Kopf- und Herzentscheide?

Bei Kopfentscheiden, meinen wir, dass sie auf rationalen Gründen basieren. Die sind häufig von alten, meist negativen Erfahrungen geprägt, also eine rationalisierte Version von vergangenen Risiken. Das Herz, oder die Herzentscheidung, ist eher zukunftsorientiert, es ist der Kompass zum Potenzial. Es will uns aus der Reserve locken, aus der Komfortzone. Darauf folgen die Mutzone und die Panikzone. Und hinter der Panikzone, da liegt das Potenzial, das unser Herz von weitem sieht. Um die Zonen gut zu bewältigen und zum Potenzial zu gelangen, müssen Kopf und Herz unbedingt zusammenarbeiten: Das Herz gibt die Richtung und das Ziel vor. Der Kopf schaut sich um, und entscheidet, was in dem Moment der nächste, kleine und logische Schritt zu diesem Ziel ist. Beide, Kopf und Herz, müssen immer wieder innehalten, die Ängste anschauen und möglicherweise die Ziele adjustieren.

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Was passiert, wenn ich immer nur auf meinen Kopf höre?

Wenn wir dem Kopf die Führung überlassen, entfernen wir uns von uns selbst oder treten auf der Stelle. Wir kommen innerlich nicht vorwärts, weil wir nur an alte Erfahrungen denken. Wir klettern zwar die Karriereleiter nach oben, aber es fühlt sich meist nicht erfüllend an, wenn die Herzebene fehlt. Der Vorteil ist: Wir bewegen uns in der größtmöglichen Sicherheit. Wir haben Verlässlichkeit, Kontrolle und Vorhersehbarkeit.

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Was passiert, wenn ich immer nur auf mein Herz höre?

Hier wiederum kann es sein, dass wir in Umstände geraten, die uns erst einmal emotional überfordern, oder Ängste und Unsicherheiten auslösen. Aber mit Herzentscheiden sind auch viel Freude und Lebendigkeit verbunden, wir entwickeln uns weiter, wir verändern uns positiv und werden zu dem, der wir eigentlich sind und sein möchten. Wir werden authentischer.

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Machen Herzentscheide langfristig glücklicher?

Ja. Wenn wir mit dem Herzen entscheiden, dann sind wir in unserem Flow und es öffnen sich ganz automatisch Türen. Das wusste schon Goethe als er sagte: „Ein ganzer Strom von Ereignissen ergibt sich aus der Entscheidung. Alle möglichen Dinge ereignen sich, um diesem zu helfen, Dinge, die sich sonst nie ereignet hätten.“

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Schützen uns Herzentscheide vor z.B. Burn-Outs jeglicher Art?

Ich glaube, da kommt eine dritte, physische Ebene dazu, die erkennt, wenn wir uns übernehmen. Und das können wir auch, wenn es in Richtung Herzentscheid geht. Richtig gesund halten wir uns dann, wenn wir auf beide – Kopf und Herz – hören und eben dieses zuvor genannte Zusammenspiel anwenden können. Sind wir ignorant, meldet sich der Körper und bremst uns notwendigerweise aus.

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Wieso empfinden wir Kopfentscheide in ihrer Ausführung und Aufrechterhaltung oft als so anstrengend?

Wenn wir nur auf den Kopf hören, sind wir nicht im Flow. Wir haben einen natürlichen Drang voranzugehen, uns weiterzuentwickeln. Und da ist es nur logisch, dass wir, wenn wir gegen unseren inneren Strom schwimmen, das als anstrengend empfinden. Es kann auch sein, dass wir Herzentscheide anstrengend finden. Da ist es immer wichtig, nochmal zu spüren, was wir wirklich wollen.

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Sind Herzentscheide verpönt?

Für viele Menschen ist es wichtig, erst einmal Stabilität und Kontrolle zu schaffen, da rücken die Herzentscheidungen oftmals aus dem Fokus. Verpönt sind sie wahrscheinlich auch bei den Menschen, die in schlechtem Kontakt mit sich selber stehen, und sich selber nicht so gut spüren, wie das z.B. bei psychischen Krankheiten der Fall sein kann.

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In welchen Bereichen des Lebens macht es Sinn, mit dem Herz bzw. mit dem Kopf zu entscheiden?

Ich finde, in allen Lebensbereichen sollte man mit dem Herz entscheiden, um langfristig glücklich zu sein. Das bedeutet ja, wie schon besprochen, dass das den Kopf nicht direkt ausschließt: Wir laufen so nicht blindlings in den Herzenswunsch Kunststudium rein, wo wahrscheinlich nicht das große Geld wartet, unser Kopf hilft uns eher dabei, gleichzeitig offen für weiterführende Möglichkeiten zu bleiben. Und das Schöne heutzutage ist ja, dass wir eh dauernd neue Wege einschlagen können.

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