Fütterer is(s)t anders: Darum sind Daunen problematisch

Drei weiße Gänse spazieren über eine Wiese

Elina Fütterer ist Ökotrophologin, Yoga-Lehrerin und Surfer Girl. In ihrer Kolumne schreibt sie über die wichtigste Hauptsache der Welt: Essen. Genuss ist ein Muss – ohne dabei Gesundheit, Nachhaltigkeit und Ethik außer Acht zu lassen. Elina nimmt euch mit auf ihre kulinarische Reise. 

Sie sind kuschelig, muckelig und flauschig-warm: Daunen. Im Unterschied zu Federn ist das Untergefieder von Wasservögeln wie Gänsen oder Enten deutlich weicher und elastischer. Als Füllmaterial stecken Daunen darum in warmen Winterjacken, weichen Bettdecken, gemütlichen Sofas und flauschigen Kissen. Doch es gibt ein Problem: Für diesen Luxus müssen Tiere auf qualvolle Weise ihre Federn – oder ihr Leben – lassen. Es lohnt sich, auf tierfreundliche Alternativen umzusteigen.

Schlacht- vs. Lebendrupf

Es gibt zwei verschiedene Arten, an das begehrte Gefieder zu kommen. Normalerweise werden den Tieren nach der Schlachtung und vor der Weiterverarbeitung zu Fleischprodukten die Daunen maschinell gerupft. Eine andere Methode zur Daunengewinnung ist der Lebendrupf. Dabei werden die Tiere lebendig gerupft – und das gleich mehrmals pro Jahr. Dieser Prozess ist für die Tiere extrem qualvoll und schmerzhaft, oft entstehen offene Wunden oder Flügelbrüche. Um die Daunenproduktion anzukurbeln, werden die Tiere gemästet und mit Wachstumshormonen vollgepumpt. In der Industrie nennt man das Effizienz.

In der EU ist ist der Lebendrupf verboten. Eine Ausnahme gibt es jedoch: Wenn sich die Tiere im Federwechsel (Mauser) befinden, dürfen sie lebendig gerupft werden. In Betrieben wird das allerdings auch häufig als Vorwand genommen, um ganze Gänse- und Entenherden zum selben Zeitpunkt zu rupfen. Es ist extrem unwahrscheinlich, dass sich alle Tiere zur selben Zeit in der Mauser befinden, oder? Über zwei Drittel der Daunen für die Produkte hierzulande stammen allerdings gar nicht aus Deutschland oder der EU, sondern aus Asien. Weltweit größter Daunenproduzent ist China. Dort ist Lebendrupf erlaubt und eine gängige Praxis.

Sind Daunen nur ein Abfallprodukt?

“Die Tiere werden zur Fleischproduktion ja sowieso getötet, dann kann man doch wenigstens noch die Daunen sinnvoll verwenden” lautet ein oft gehörtes Argument, warum es okay ist, Daunen zu kaufen. Aber: Die Gewinnung des weichen Gefieders hängt nur bedingt mit der Fleischindustrie zusammen. Zwar werden Enten und Gänsen die Daunen häufig nach der Schlachtung entrissen, ein Teil der Daunen stammt jedoch aus der Lebendproduktion. Um allerdings zur Frage zurückzukommen: Daunen sind ein rentables Nebenprodukt der Fleischindustrie – die zwei Produkte sind finanziell voneinander abhängig. Sinkt die Nachfrage für Daunen, muss der Preis für Fleisch teurer werden und umgekehrt. Es ist also auf jeden Fall sinnvoll, auf Daunen zu verzichten. Wenn du Tierleid vermeiden möchtest, ist der Verzicht auf Daunen und Fleisch natürlich am besten. Aber es hilft auch schon, beim Kauf der nächsten Winterjacke das Material-Label zu checken. Denn: Jede bewusste Entscheidung hilft dabei, Tierleid zu verringern.

Neben meinem Ökotrophologie-Studium und der Ausbildung zur Journalistin habe ich auch als Flugbegleiterin die Welt unsicher gemacht. Neugierig, abenteuerlustig und immer hungrig: Auf der Suche nach der perfekten Welle und der besten Açai-Bowl futterte ich mich schon durch mehr als 80 Länder.