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Der Bachelor und unser ambivalentes Frauenbild

Auf RTL verteilt der Bachelor wieder Rosen und testet sich durch seinen Harem, während die Frauen sich alle Mühe geben, jedes Klischee mitzunehmen.

Die Fernsehsaison ist offiziell wieder eröffnet. Der Dschungel ist vorbei, Heidi Klum ist schon in Hörweite und der Bachelor ist mittendrin im Rosen Verteilen und Bizeps Anspannen. Nachdem der Kreischalarm der ersten Folge überstanden ist – in der angeblich erwachsene Frauen beim Anblick eines Mannes ausrasteten, wie Teenies früher beim Backstreet Boys-Konzert – will der neue Bachelor in Folge zwei die Frauen besser kennen lernen. Ist aber auch ein toller Mann, dieser Bachelor. Er ist durchtrainiert, hat ein Kind und lispeln und schielen tut er auch noch – Süüüüß!

 

Nachdem Leonard, Nachname Freier, sich beim ausgiebigen Duschen hat filmen lassen, geht’s mit ein paar Auserwählten auf eine Jacht, wo der „Traumprinz, der da auf seinem Schimmel dahergeritten kommt“, die Korken knallen lässt. Da hat RTL wohl mal einen springen lassen.
Nach einigen ungelenken Gesprächsversuchen begibt sich der Bachelor dann wieder auf sicheres Terrain, legt erstmal einen kleinen Striptease hin und dann packt er ihn aus – den Selfiestick. Eine nach der anderen darf sich neben dem Adonis positionieren, um ein Foto mit ihm zu ergattern. Fehlt nur noch, dass er darauf unterschreibt.

Es geht weiter mit Einzeldates, die wie gemacht sind für den neuen TUI-Katalog und gespickt sind mit ästhetischen Nahaufnahmen des Sahnelikörs, der den ganzen Spaß sponsort. Dann Gruppendates, mit denen jeder Frau fünf Minuten allein mit ihrem Angebeteten gewährt werden. Saskia versucht, dem Herrn Freier mit einem Bild von sich und ihrer Nichte zu beweisen, wie sehr sie Kinder liebt und Leonie Rosella will, dass der Bachelor endlich versteht, wie extrem weit sie mit ihren 21 Jahren schon ist und was sie in ihrem Alter schon alles erlebt hat.

Währenddessen braut sich in der „Ladys-Villa“ eine Fotolovestory zusammen. Drama um Marisa: Sie vermisst ihren Hund! Lästerattacken in der Villa: Sandra spielt ein falsches Spiel! Dann ist sie endlich gekommen, die Nacht der Rosen. In allerschönster Schulmädchen-Manier wird beim Bachelor gepetzt, wer was gesagt hat und ein Song der Pussycat Dolls performt. Am Ende müssen drei Frauen auf das romantische Gewächs verzichten und wir dürfen uns anhand der dramatisch gestalteten Trailer schon auf die nächste Woche voller Intrigen, Zickereien und Antatschen freuen.

 

Jeder schaut es, es gibt nur keiner zu

 

Eigentlich alles wie immer. Wir sind das Prozedere gewohnt, warum also noch darüber berichten?

Weil der Bachelor zeigt, wie ambivalent unsere Einstellung ist.

Auch wenn es nur wenige zugeben, landet ein Großteil von uns dann doch immer mittwochs bei RTL. Man schaut sich den Bachelor zusammen mit seinen Freunden an und auch, wenn man sich nur über die wenig intelligent erscheinenden Teilnehmerinnen lustig macht oder sich über die Klischeehaftigkeit des Rosenkavaliers echauffiert, schaltet man trotzdem jede Woche wieder ein, was der ersten Folge eine Einschaltquote von über 10 Prozent beschert hat, was mehr als 3 Millionen Zuschauern entspricht.

Gut oder wichtig finden die Show wahrscheinlich die wenigsten, aber unterhaltsam ist sie dann doch für viele. Weil unser voyeuristisches Ich befriedigt wird, wenn wir sehen wie sich aufgedrehte Frauen selbst erniedrigen und die Mutter des Traummannes erzählt, dass ihr Sohnemann weder kochen kann, noch jemals in seinem Leben eine Waschmaschine angestellt hat. Irgendeine Aufgabe muss der Auserwählten ja dann auch zuteil werden. Die Rollenverteilung ist also klar aufgestellt beim Bachelor.

 

Wie kann man andere Religionen für etwas verurteilen, das man abends vor dem Fernseher amüsant findet?

 

Wenn nicht gerade Primetime bei RTL ist, diskutiert man dann gerne und viel über die Flüchtlingssituation, über Migranten und Fremde im Allgemeinen. Leute, die nicht aus Deutschland kommen, könnten sich nicht integrieren, heißt es. Die hätten einfach eine ganz andere Lebensweise und könnten sich nicht an unsere Regeln und Werte anpassen. Vor allem müsste aber eigentlich jede Frau Angst haben, weil gerade Muslime ein komplett anderes Frauenbild hätten und Frauen im Islam nicht respektiert würden. Dass Asylbewerber Frauen vergewaltigen und Muslime sie unterdrücken, liest und hört man täglich. Ausländische Männer, allen voran Muslime, sind vieler Meinungen nach allesamt aggressiv, ungebildet und frauenfeindlich und haben ein Frauenbild wie aus dem Mittelalter.

Dass es mit unserem eigenen Frauenbild anscheinend nicht sehr viel weiter her ist, zeigt dann wiederum der Bachelor.
Wie kann man andere Religionen für etwas verurteilen, das man abends vor dem Fernseher amüsant findet? Wie kann man Muslimen ein mittelalterliches Frauenbild unterstellen und sich gleichzeitig abends den Bachelor reinziehen?

 

Ein bisschen Sinnfreiheit zum Feierabend sei jedem vergönnt

 

Mit Sicherheit gibt es unzählige muslimische Frauen, die nichts zu melden haben, die von Männern unterdrückt und nicht als vollwertige Menschen wahrgenommen werden. Generalisieren kann und sollte man hier aber nicht. Nicht alle Muslime unterdrücken ihre Frauen, genauso wenig wie alle Christen kleine Jungen vergewaltigen.

Dass die Frauen, die „Der Bachelor“ eine tolle Sendung finden, höchstwahrscheinlich auch die sind, die sich über „das Frauenbild dieser Asylanten“ aufregen, lässt einen bei genauerer Betrachtung dann doch stutzig werden. Das heißt nicht, dass sich niemand mehr den Bachelor anschauen sollte. Ein bisschen Sinnfreiheit zum Feierabend sei jedem vergönnt, aber vielleicht sollte man sich dafür öfter mit den Verurteilungen anderer zurückhalten.

 

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Bildquelle: Titelbild: Ismael Nieto unter CC0 Lizenz; 1.) Instagram

Kommentare

  1. Nicht „Der Bachelor“ (also die Sendung) vermittelt ein „negatives“ Frauenbild (wenn hier überhaupt von einem negativen Frauenbild gesprochen werden kann), sondern die Frauen selbst, die dort freiwillig teilnehmen. Niemand anders veranstaltet die Zickenkriege, Intrigen usw. Es sind die Frauen selbst, also vermitteln sie auch selbst ihr Bild nach außen… Auch ist der Bachelor nicht sexistisch, denn alles passiert ja freiwillig und wenn sich eine Frau vor der Kamera einem fremden Typen an den Hals werfen will oder wenn sie eben mit kaum etwas Stoff auf der Haut rumläuft, wer ist dann eigentlich sexistisch? Das gilt übrigens auch für alle Werbeplakate und ähnliches. Fände die Frau es sexistisch, die darauf abgebildet ist, würde sie es vermutlich nicht tun. Es sei denn sie ist einfach nur gierig nach Geld und Aufmerksamkeit, aber dann vermittelt sie uns wieder nur ihr eigenes Bild von sich…

    Felix in the Sky / Antworten
  2. Die Relativierung kotzt mich mal wieder ganz gewaltig an… ja, man kann eine Kultur und eine Religion dafür verurteilen, dass sie Frauen als Menschen zweiter Klasse betrachtet und ihnen Rechte vorenthält und man kann trotzdem eine Show angucken bei der Frauen FREIWILLIG teilnehmen… niemand wird gezwungen zum bachelor zu gehen oder es anzugucken!!!
    Der Bachelor ist sexistisch und vermittelt ein negatives Frauenbild. Das stimmt. Man kann sich dem Bachelor jedoch entziehen. Dem Frauenbild der muslimischen Welt in einem muslimischen Land kann man sich eben nicht entziehen.

    ahena / Antworten

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