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Verschleierte Mode: Dieser Designer stellt sich klar gegen das dänische Burka-Verbot

Seit 1. August gilt das Burka-Verbot in Dänemark. Auf der Copenhagen Fashion Week ließ ein Designer seine Mode jetzt von verschleierten Models präsentieren.

Manche würden Mode als oberflächlich beschimpfen. Aber sie haben recht: Mode ist Oberfläche. Oberfläche für Stimmungen und Statements. Wir können jeden Tag neu entscheiden, welche Botschaft wir mit unserer Kleidung nach außen tragen wollen. Uns steht alles offen: Im mit Brüsten bedruckten T-Shirt können wir offensive Feministen sein, im Hosenanzug auf seriös und busy machen, um uns dann mit Adiletten jede Seriosität wieder zu nehmen. Mode kann alles, muss aber nichts. Und manchmal kann sie auch politische Statements setzen.

Das zeigte jetzt auch der im Iran geborene und in Dänemark aufgewachsene Designer Reza Etamadi, der seine Models auf der Copenhagen Fashion Week mit Kopftüchern und Schleiern über den Laufsteg laufen ließ. Seine Aktion wäre allerdings nur halb so originell und aussagekräftig, hätte Dänemark nicht am 1. August ein Gesetz verabschiedet, das muslimischen Frauen das Tragen von Niquabs und Burkas verbietet.

 

„Kein Mann sollte entscheiden, was eine Frau tragen sollte“

 

In der Show präsentierte der Designer die neuen Streetwear-Trends seiner Marke MUF10 mit traditionell muslimisch gekleideten Models. „Ich habe die Pflicht, Meinungsfreiheit und Gedankenfreiheit aller Frauen zu unterstützen„, sagte Etamadi der Nachrichtenagentur AP. Sein Prinzip: „Kein Mann sollte entscheiden, was eine Frau tragen sollte.“ Der Laufsteg wurde zur Bühne, auf der als Polizisten verkleidete Models einer verschleierten Frau Blumen zuwarfen, um ihre Unterstützung zu zeigen.

Mit dem Gesetz werden nun Strafen für alle verhängt, die sich verschleiern. Die dänische Regierung betont, dass dies kein Gesetz gegen eine Religion an sich sei, denn Kopftücher wie die Hijab oder Turbane seien weiterhin erlaubt. Das Gesicht verdecken dürfen man ab jetzt allerdings nur, insofern ein Grund wie Kälte oder der Schutz des Kopfes durch einen Helm vorliege. Auch Österreich, Frankreich und Belgien haben inzwischen solche Gesetze.

Damit greifen Autoritäten die Rechte der Frauen an, für die wir kämpfen. Nicht nur mit auf T-Shirts gedruckten Brüsten. Wir in der westlichen Welt seien doch für die freie Wahl bekannt, meint Etamadi, der beide Welten kennt. „Im Iran, wo ich geboren wurde, kämpfen Frauen dafür, frei entscheiden zu können, was sie tragen. In Dänemark, wo ich aufgewachsen bin, […] konnten Frauen frei wählen, wie aufgetakelt oder bedeckt sie sich anziehen wollten.“ Und so zerstören die Regierungen das, was unser Privileg ist und worauf wir stolz sein sollten. Wir haben die Möglichkeit, unsere Meinung frei zu äußern und gerade Mode ist da eine geeignete Oberfläche. Auch deshalb sollte sich niemand einmischen dürfen, was wir wann und wo tragen – seien es Adiletten, Hosenanzüge oder Burkas.

 

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Bildquelle: Unsplash unter CC0 Lizenz

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