Detox für Mutter Erde – was wir daraus lernen können

Urlaube und Reisen sind erstmal gecancelled. Die Natur hingegen erholt sich ohne uns. Das sagt viel über unsere Lebensweise.

Ein Beitrag von Anna Rothärmel

Das Coronavirus hängt wie ein Schatten über der Welt. Durch Ausgangssperren sind Straßen verwaist. Flüge sind gestrichen, der Tourismus eingeschlafen. Positive Nachrichten sind nun ein Lichtblick. Immerhin: Nicht einmal die größten Klimaleugner können jetzt noch bestreiten, dass diese Krise einen positiven Einfluss auf unsere Umwelt hat.

Die Satellitenbilder der NASA sagen mehr als 1000 Worte

Selten war die Luft über China so sauber wie jetzt. Das gilt auch für Metropolen wie Rom. Wo Anfang 2020 noch Smog die Stadt einnahm, regiert jetzt klare, reine Luft. Es riecht nach Frühling und nicht nach Vespas. Das Wasser in Venedigs Kanälen ist so sauber, dass der Boden sichtbar wird, Fischschwärme zurückkommen und man sogar wieder darin schwimmen kann. Auch unsere Meere atmen auf, denn endlich werden sie durch Kreuzfahrtschiffe nicht mehr verdreckt. Der ausbleibende Tourismus bringt weniger Plastik mit sich, das oft an Stränden und in Städten seine letzte Ruhestätte findet.

Einzige Enttäuschung: Die Delfine Venedigs waren Fake News – und sind eigentlich die Delfine Cagliaris in Sardinien. Doch auch das ist der fehlenden Kreuzfahrtschiffe zu verdanken, denn Delfine hat man am Hafen Cagliaris schon lange nicht mehr gesehen.


Bleiben wir in der Tierwelt

Die Sika-Hirsche des japanischen Nara-Parks erobern die Stadt. Normalerweise füttern Touristen die gesetzlich geschützten Tiere mit speziellem Futter und nach öffentlichen Angaben gibt es für sie im Park eigentlich auch genug Nahrung. Nichtsdestotrotz spazieren sie jetzt zwischen Supermärkten und Restaurants fröhlich umher.

Im thailändischen Lopburi geht es wilder zu, denn hier sind die Affen los. Obwohl die kleptomanisch veranlagten Äffchen eine Plage darstellen, werden sie von Touristen rund um den Khmer-Tempel immer wieder gern gefüttert. Insta-Bilder und so. Jetzt haben sie Hunger, stürmen die Stadt und streiten sich um Bananen.

Man hat ein wenig das Gefühl, als eroberten sich Natur und Tierwelt ihr Gebiet zurück, das wir ihnen weggenommen haben. Endlich können sie einmal durchatmen und sich von den ständigen CO2-Emissionen, der Verschmutzung und den Gebietsansprüchen, die wir Menschen an uns gerissen haben, erholen.

Bleibt das jetzt so?

Experten schätzen das Ganze als „Einmaleffekt“ ein. Sowohl Affen als auch Rehe werden sich automatisch wieder zurückziehen, nachdem die Ausgangssperren aufgehoben wurden. Und sobald man wieder reisen kann, gibt es für viele kein Halten mehr. Außerdem werden wir alle wieder wie gewohnt zur Arbeit fahren. Abgerechnet wird zum Jahresende – dann sehen wir wirklich, was der Corona-Effekt für die Umwelt brachte.

2 Dinge zeigt uns diese Krise aber schon jetzt

Erstens braucht uns die Welt nicht so sehr, wie wir immer dachten. Und zweitens sind wir durchaus in der Lage, auf Experten zu hören und dementsprechend zu handeln. Seit Jahrzehnten warnen Fachleute vor den Folgen des Klimawandels. Luft, Wasser und Umwelt sauber zu halten, liegt ganz allein an uns, die Politik mit eingeschlossen. Lasst uns daher in Zukunft auf die Natur so viel Rücksicht nehmen, wie wir es jetzt mit unseren Mitmenschen tun. Dann können wir in Sardinien auch Delfine beobachten.

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Bildquelle: Unsplash; CCO-Lizenz

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