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Dich kann ich gut riechen

Ein Experte erklärt, wie stark Gerüche unsere Partner- und Freundeswahl beeinflussen.

Wir schließen unsere Augen, riechen an einem vertrauten Gegenstand, und zack – da ist sie wieder, die schöne Erinnerung. Sie entflammt in uns, als hätten wir uns auf eine Zeitreise in die Vergangenheit begeben.

Gerüche beeinflussen uns, ob bewusst oder unbewusst. And yesss, auch bei der Partner- und Freundeswahl. Wir lernen eine Person kennen und sofort ist sie uns sympathisch. Aber warum? Schließlich kennen wir sie nicht und trotzdem wissen wir: Dich kann ich gut riechen! Über das Phänomen sprachen wir mit Prof. Dr. Hanns Hatt, Geruchsforscher an der Ruhr-Universität Bochum und Autor des Bestsellers „Niemand riecht so gut wie du“.

Wir speichern Gerüche ab und verbinden sie mit Erfahrungen

„Jeder hat seinen persönlichen Körpergeruch, der einer Bewertung unter seinen Mitmenschen unterliegt. Jeder hat bestimmte Erfahrungen mit Gerüchen gemacht und im Gehirn abgespeichert. Wenn jemand so riecht, wie eine schon bekannte Person, die beispielsweise besonders nett war, dann ist einem der Geruch positiv vertraut und man mag diesen Menschen“, erklärt Hatt.

Genau umgekehrt verhält es sich mit negativ gespeicherten Gerüchen. Fun Fact: Wir können unbewusst das Immunsystem unseres Gegenübers erschnuppern! Je unterschiedlicher es zu unserem eigenen ist, desto besser ist dieser als Partner für die Fortpflanzung geeignet. Laut Hatt liegt die magische Zahl für die optimale Gendurchmischung bei 76 Prozent Unterschied.

Wenn also unsere Düfte solch starke Wirkung auf unser Gegenüber haben, können wir es dann beeinflussen, ob uns jemand mag?

„Ja, wir können dieses System manipulieren. Nur können wir es nicht vorhersagen. Jeder menschliche Geruch beeinflusst das Gegenüber in irgendeiner Form. Aber ob positiv oder negativ, ist nicht abschätzbar“, weiß der Geruchsforscher. Deo, Parfum, Shampoo – diese Produkte haben vor allem einen Zweck: das Beeinflussen unserer Mitmenschen. Man vermarktet sich sozusagen selbst – mit dem Ziel, dass uns andere gut riechen können, erklärt Hatt.

Aber nicht nur Hygiene-Produkte beeinflussen unseren Körpergeruch, sondern auch die Ernährung. Nicht ohne Grund hält uns Knoblauch die Vampire vom Leib. Und in „real-life“ vielleicht auch den potenziellen Partner.

Das perfekte Parfum gibt es nicht

Ein klarer Fall: Der Körpergeruch beeinflusst unsere zwischenmenschlichen Beziehungen massiv. Ebenso klar: Wir können vor einem Date wohl kaum das perfekte Parfum auftragen, denn „guter“ Geruch ist relativ – und auch nicht das Einzige, was einen Menschen auszeichnet. Deswegen ist es einmal mehr wichtig, dass wir mit uns selbst happy sind und uns selbst gut riechen können. Also lasst uns nach unserem Befinden wohlriechend auf neue Menschen zugehen und schnuppern – vielleicht finden wir ja unseren Seelenverwandten oder einen neuen Freund.

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Bildquelle: Pixabay.com, CCO-Lizenz

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