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Liebeserklärung an: Adam Sandler

Für die einen Trash, für unseren Autor komödiantische Hochkultur. Eine Ode an den Meister des Pipi-Kaka-Humors.

Eine Liebeserklärung von Max Fischer

Es sind die kleinen Dinge, die uns unseren tristen Alltag versüßen und das Leben ein bisschen besser machen. Ob es hübsche Gänseblümchen sind, die am Straßenrand wachsen oder eine Kugel deiner liebsten Eissorte – wir alle haben kleine Muntermacher in unserem Alltag, über die wir nur selten ein Wort verlieren. Das soll sich jetzt ändern! Wir bieten euch eine Liebeserklärung an die kleinen Dinge, die uns in stressigen Situationen retten, an schleppenden Tagen motivieren oder uns die guten Tage versüßen!

Lieber Adam,

fast wäre ich dir nie begegnet. Wäre nie in den Genuss deiner Filme „Leg dich nicht mit Zohan an“ oder „Der Chaos-Dad“ gekommen, die für mich heute absolute Klassiker im Comedy-Genre sind. Und hätte nie rausgefunden, was wirklich mein Zwerchfell berührt. Gut, dass für dich, den Jungen aus Brooklyn mit den zu groß geratenen Hawaii-Hemden und mich, den Jungen aus Deutschland mit den knittrigen Jeans, alles anders kam. Dem Schicksal sei Dank.

Mit 17 interessierst du dich bereits für Stand-Up-Comedy, aber erst dein Bruder Scott drängt dich auf die Bühne: Der Open-Mic-Abend im Bostoner Comedy-Club „Stitches“ ist die erste glückliche Fügung, die zweite folgt 1988. Frisch in Hollywood ist der später sehr erfolgreiche Regisseur Judd Apatow („Beim ersten Mal“) dein Mitbewohner und du freundest dich mit einer gewissen Jennifer Aniston an. Richtig Fahrt nimmt deine Karriere 1990 auf, als du als Schreiberling beim amerikanischen TV-Gag-Olymp „Saturday Night Live“ anheuerst und auch selbst vor der Kamera stehst. Mit 28 dann dein erster Film „Billy Madison“. Die Geschichte eines erwachsenen Querulanten, der wieder die Schulbank drücken muss, wird für ausgewachsene Klassen-Clowns wie mich zum Spiegelbild.

Der Spätzünder

Bis ich dich kennenlerne, dauert es aber noch. Als du in den späten 2000er-Jahren erstmals bewusst auf meiner Mattscheibe erscheinst, hast du schon den Ruf des Blödelbarden mit Dauer-Abo auf den Anti-Oscar „Goldene Himbeere“ weg. Viele deiner Werke hauen mich zunächst nicht um. Aber dann kommt eines Tages „Waterboy“ in unserer Wohnzimmerglotze. Den Kult-Streifen schaue ich zufällig zwischen Mittagessen und Jogging-Session. Bis heute bleibt mir die Szene im Kopf, in der du als stotternder Wasserträger Kids erklärst, was ein Quarterback im Football zu tun hat. Es ist so absurd, ich muss laut lachen. Warum, weiß ich nicht genau. Es gibt keinen Built-Up zu einer Pointe und keinen doppelten Boden. Die New York-Times wird später einmal sagen: „If you don’t think a Sandler comedy is funny, no amount of thinking on the page is ever going to convince you otherwise. It either tickles your funny bone or it doesn’t.“

Du & ich gegen den Rest der Welt

Bei mir tickelt es. Ein zweiter Zohan-Anlauf wird für mein Zwerchfell zur Achterbahnfahrt, den 2012 veröffentlichte „Der Chaos Dad“ zähle ich zu meinen persönlichen Lieblingsfilmen der vergangenen Dekade. Ironischerweise musste ich wohl erst reifen, um dich ewig Unreifen zu schätzen. Während viele meiner Freunde sich bei deinen zahllosen Fäkalwitzen nur kopfschüttelnd abwenden, gibt es für mich keine Gürtellinie mehr. Selbst der wahnwitzigen Zwillings-Komödie „Jack & Jill“, die auf der amerikanischen Bewertungs-Plattform „Rotten Tomatoes“ von 112 Kritiken gerade einmal drei positive zählt, kann ich etwas abgewinnen. Aber was interessieren mich die Kritiker? Dich kümmern sie ja auch nicht.

Mit diesem Typen möchte man Bier trinken

Ich beginne mich auch für die Privatperson Adam zu interessieren. Nicht als Stalker, aber schon nah dran. Ich muss wissen, ob der Typ in kurzen Shorts und Hemd nur in seinen Filmen so lässig rüberkommt. Und tatsächlich! In amerikanischen Talk Shows, die du eigentlich nur selten besuchst, trägst du sie auch – die Shorts und das Spitzbuben-Lächeln. Fast schüchtern sprichst du über deine Filme, blickst abwechselnd auf den Boden und ins Publikum. „Humble“, bescheiden, nennt man das in Amerika. Es ist die perfekte Ergänzung zu deinem Brachial-Lachen, das ab und an aus dir herausbricht, wenn du über Dreh-Eskapaden mit deinen Freunden referierst. Mit diesem Typen möchte man Bier trinken. Auch auf Internetportalen wie „MeanStars“, auf dem Menschen über ihre Begegnungen mit Stars sprechen, findet man fast nur positive Anekdoten. Ob Kind oder Kellner, für jeden hast du einen witzigen Spruch übrig.

Ab jetzt trage ich nur noch Shorts

Dein neuer Film „Der Schwarze Diamant“ ist, wie alles, eine glückliche Fügung, obwohl keine Comedy. 2009 bieten dir die Safdie-Brothers, ein amerikanisches Regie-Duo, die Rolle des spielsüchtigen Juwelenhändlers Howard erstmals an. Du lehnst ab. Zehn Jahre später überredet dich deine Frau Jacky, die Rolle anzunehmen. Der Film wird zum Kritiker-Liebling. Sogar von Oscar ohne Anti ist die Rede. Und Anzüge trägst du jetzt. Die Verkaufszahlen für Shorts müssen im Keller sein. Dabei ist es gar nicht der Charakterdarsteller mit den polierten Schuhen, den ich liebe. Wenn sich der Glitzer der Award-Shows gelegt hat, wirst du wieder deine Komödien machen. Die Kritiker werden wieder Verrisse schreiben und Leute bei deinem Namen mit dem Kopf schütteln. Egal. Das hier ist unser Ding, das der drei Rotten Tomatoes-Kritiker und vieler Millionen Menschen, die auch im reifen Alter über Furzgeräusche lachen, ohne sich zu schämen. Danke dafür, Sandman!

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Bildquelle: via Unsplash unter CC0 Lizenz

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