Es ist Fluch und Segen zugleich: Dank Smartphones sind wir immer erreichbar, immer up to date, immer online. Und wenn wir ehrlich sind, dann können wir es uns auch nicht mehr anders vorstellen. Diese Apps und Funktionen sind eben zu praktisch. Ein Klick und schon sind die Emails gecheckt. Mal eben schauen, wann die nächste U-Bahn kommt. Und die Überweisung macht man fix in der Warteschlange an der Supermarktkasse. Wir kennen das Gefühl von Langeweile gar nicht mehr. Zu einfach ist der Griff zum Smartphone, um sich in einsamen Momenten unterhalten zu lassen. Inzwischen vibriert, klingelt und blinkt es ständig. Das wird manchen zu viel und sie machen einen radikalen Schnitt: Zeit für Digital Detox. Auf unseren hoch dosierten Umgang mit den digitalen Medien macht nun sogar o2 mit seiner Aktion #EntscheideDu aufmerksam. Mit einem Bulli und einem Beamer bewaffnet projiziert man aktuell Sätze auf Fassaden in deutschen Großstädten, um hier eine Diskussion anzustoßen.

 

o2-Bulli-Tour in Hamburg: „Kann ich noch abschalten, wenn ich ständig online bin?“

Und einmal im Detox-Ferienlager…

 

Der Trend zum Digital Detox schwappte ironischerweise direkt aus dem Silicon Valley zu uns nach Deutschland herüber. In Kalifornien werden ganze Feriencamps für Erwachsene veranstaltet, die eine Pause von der digitalen Welt brauchen. Im Camp ist einfach alles verboten: Emails, Whatsapp, Facebook, Twitter. Kein Smartphone, kein Laptop, kein Fernseher. Diese Vorstellung mag so manchem Serienjunkie die Tränen ins Gesicht treiben, aber die Camps sind gut besucht – Tendenz Teilnehmerzahl steigend.

 

Digitales Heilfasten für alle

 

Eine nicht ganz so knallharte Variante des Digital Detox macht derzeit auch bei uns die Runde. Manche verzichten eine Woche lang auf ihr Handy, andere meiden die Sozialen Netzwerke und der Nächste sagt „Nein“ zur permanenten Nachrichtenflut. Meistens wird der Verzicht mit großem Trara unter den Freunden angekündigt. Was den Druck, nicht scheitern zu dürfen, erhöht, aber eben auch ein bisschen geil ist, weil bewundernde Blicke bei diesem Selbstversuch gewiss sind. Und dann beginnt die Abstinenz: Tag 1 verläuft gut, zwar benutzt man sein Smartphone weiterhin als Wecker – aber das zählt ja nicht. Tag 2, nunja, läuft mittelmäßig. Man wollte wirklich nur ganz kurz eine E-mail beantworten und hat dann – echt aus Versehen – auch noch die Facebook-Nachrichten gecheckt. Wette verloren. OleOle, Digital Detox!

 

Verdammte Abhängigkeit

 

Wer nicht scheitert, der hat plötzlich ganz andere Probleme. Nach einer Woche Internet-Zölibat merkt man, dass man den Geburtstag der Cousine vergessen hat, weil Facebook einen nicht erinnerte. Dass die Whatsapp-Gruppe „Theater-Fans“ die Karten ohne einen gebucht hat. Und die wichtige Email vom Professor? Leider nicht gelesen. Absolut ungeil. Und deshalb ist konsequenter Verzicht auch keine Alternative. Nicht zuletzt, weil man nicht aus jeder Entscheidung zur Veränderung auch immer gleich ein Dogma machen sollte. Wieso nicht einfach die Entscheidung zu einem bewussteren Umgang mit den digitalen Medien? Eine Entscheidung, diese nur zu nutzen, wenn man sie benötigt und nicht zur Bekämpfung von Langeweile. Und genau für diese Philosophie im Umgang mit der digitalen Welt wirbt nun eben sogar o2 mit dem Kampagnen-Slogan #YouCanDo.

 

Die goldene Mitte, bitte

 

Keine Frage, wer sich blind auf das Handy verlässt und das Denken vernachlässigt, wird beim nächsten leeren Akku dämlich aus der Wäsche gucken. Wer aber auf all das verzichtet, wird Schwierigkeiten im Job haben, im Freundeskreis und – sorry, aber die Funktion ist echt wichtig – jeden einzelnen Geburtstag gnadenlos vergessen. Ja, wir brauchen unsere kleinen elektronischen Helfer mittlerweile sehr, aber sicher nicht die ganze Zeit. Der Griff zum Smartphone oder das Öffnen des Browsers sollte einfach bedachter und mit wirklicher Intention getätigt werden. Nur so wird es gelingen, unsere Philosophie im Umgang mit der digitalen Welt zu entdogmatisieren. Es gibt eben doch mehr als ganz oder gar nicht.

Berechtigte Frage auf der o2-Bulli-Tour: „Wer gratuliert mir zum Geburtstag, wenn ich offline bin?“

 

In Zusammenarbeit mit o2.

 

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Bildquelle: Eric Bailey über CC 0 Lizenz