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Digital Natives: Die Kleinen, die die Welt nicht ohne Technik kennen

Die Kleinen von heute kennen keine Welt ohne Technik. Warum wir unseren Kindern das Spielen ohne Strom zeigen müssen.

Am Nebentisch im Café sitzen zwei Frauen. Eine mit Kleinkind auf dem Schoß. Der Windelträger ist ziemlich abenteuerlustig, alles muss angefasst, in den Mund gesteckt und runtergeschmissen werden – so wie das in dem Alter üblich ist. Haben wir nicht alle auf diese Art die Welt entdeckt? Die Mutter des Kindes ist sichtlich gestresst durch den kleinen Zappler. Verständlich, sie würde sich sichtlich gerne entspannt mit ihrer Freundin unterhalten. Schnelle Lösung: Sie zückt das iPhone. Der Kleine ist plötzlich wie hypnotisiert, die großen Kulleraugen sind gebannt auf den Bildschirm gerichtet. Mit den klebrigen Fingern schiebt er Bilder hin und her – und das für eine ganze geschlagene Stunde.

Szenen wie diese kennen wir wahrscheinlich alle: Eltern, die ihre Kinder mit elektronischen Geräten ruhig stellen. Wir schwanken dabei zwischen Empörung über die Verblendung der Kleinen und Mitgefühl für die Eltern. Doch der Zweifel an der Erziehungsmethode bleibt: Muss das sein? Unsere Eltern haben es doch auch geschafft, uns ohne digitale Medien zu beschäftigen.

 

Digital migrants: Generation-Y

 

Wir, die Generation-Y, wachsen mit immer ausgefeilteren Techniken auf. Wir arbeiten selbstverständlich mit Computern, benutzen mehrere Stunden am Tag unser Smartphone und gestalten auch unsere Freizeit mithilfe von Medien. Menschen, die in Bildschirme starren, soweit das Auge reicht. Unsere Großeltern verstehen das nicht. Und es wundert uns nicht, denn lösen wir in der U-Bahn selbst mal den Blick von dem flimmernden kleinen Bildschirm, ist es, als wären die Menschen um uns herum gar nicht da. Jeder Kopf ist gesenkt gen Screen gerichtet. Die neue Religion: Das Internet. Denn daran glauben wir.

Und dennoch: Wir kennen noch eine Welt ohne Smartphones und Computer. Als Kinder schmökerten wir in Bilderbüchern. Musik wurde gemacht, mit allem was zu greifen war und je öfter uns unsere Eltern auf den Bolzplatz gescheucht haben, desto glücklicher waren wir. Durch das Aufwachsen ohne die digitalen Medien wissen wir es zu schätzen, uns mal eine Auszeit von der Technik zu gönnen.

„Ich hatte den ganzen Urlaub mein Handy aus, das war sooo entspannend.“ Ist uns das nicht allen schon einmal über die Lippen gekommen? Die Schnelligkeit des Internets strengt uns an. Durch Computer ist es uns möglich, mehrere Dinge gleichzeitig zu machen und sogar an mehreren Orten gleichzeitig präsent zu sein. Die Vielfältigkeit des Netzes ist verlockend – und ebenso überfordernd.

 

Wenn die Puppe und das Buch aussterben

 

Wir haben die Möglichkeit, uns zurückzuziehen. Einen Abend alles, was flimmert auszustellen und mal wieder ganz oldschool ein Buch in der Badewanne zu lesen. Doch was ist mit den Generationen, die nach uns kommen? Wenn Eltern auf Bücher und Brettspiele verzichten, weil es praktisch ist, alles in einem Tablet zu komprimieren? Wenn Haustiere zu zeit- und kostspielig sind und durch Nintendogs ersetzt werden? Wenn Schulen anfangen, ausschließlich mit Computern zu lehren? Wenn wirklich alles in kleinen, technischen Geräten abrufbar ist? Dann verlernen Kinder, dass es noch andere Dinge als Technik gibt. „For my 1 year old daughter, a magazin is an iPad that does not work.“ schreiben Eltern unter einem mehrere Millionen mal geklickten Video auf YouTube. Darin tappt ein Kleinkind unbeholfen auf einer Zeitschrift herum und wundert sich sehr, weshalb diese nicht reagiert.

 

 

Kinder lernen unglaublich viel in ihren ersten Lebensjahren. Sie fühlen, hören, riechen, schmecken – und entdecken. Fernseher, Gameboy und Tablet können das nicht alles abdecken. Rein der Entwicklung halber bräuchte es gar keine technischen Geräte. Und wenn sie doch in die Erziehung mit einbezogen werden, rät die Seite kindergesundheit-info.de, dies nur in Begleitung von anderen Menschen zu erlauben. Denn Kleinkinder lernen, indem sie sich Dinge abgucken und sie nachahmen, von sozialen Lebewesen, die wahrhaftig in ihrer Umgebung sind und nicht nur auf dem Bildschirm zu sehen.

Es lässt sich nicht verhindern, dass die Kleinen sowieso in die digitale Welt hineinwachsen. Das ist eben der Zeitgeist ihrer Generation. Wichtig ist nur, dass wir nicht aufhören, unseren Kindern aus Büchern aus Papier vorzulesen. Wenn sie hibbelig sind, sollten wir sie rausscheuchen und um den Block jagen. Wir sollten sie Instrumente spielen lassen, Türme bauen, im Matsch wälzen, Tauben füttern und die echte Welt da draußen entdecken lassen.

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