Durchgesuchtet: Animal Crossing

Hier ein paar Kokosnüsse von der Palme purzeln lassen, dort einen Regenbogenkäfer einfangen. Die Blumen gießen, ein paar neue Pfirsichbäume pflanzen. Am Strand nach wertvollen Muscheln Ausschau halten, anschließend einen prachtvollen Mondfisch angeln. Klingt nach „Robinson Crusoe“? Könnte man meinen, die Rede ist aber von „Animal Crossing“, einer der vermutlich ebenso niedlichsten wie (zumindest auf den ersten Blick) bizarrsten Lebenssimulationen, die die Videospielwelt zu bieten hat. Nun, kommt halt aus Japan.

Kurz und knapp: „Animal Crossing“ wirft dich als neu Hinzugezogenen in ein Dorf, in dem ausschließlich anthropomorphisierte Tiere (also Tiere mit menschlichen Eigenschaften) leben. Das Geld für dein Eigenheim streckt dir gütigerweise der lokale Kaufmann Tom Nook vor, ein Waschbär, und lässt dich gleich auch ein paar kleine Arbeiten erledigen. Dann bist du auf dich allein gestellt.

„Und das isses jetzt?“

Genau an diesem Punkt dachte ich mir bei meinem ersten „Animal Crossing“-Spiel: „Und das isses jetzt?“ Ich war ob dermaßen großen Freiraumes und ob dermaßen wenig „Druck“, wie ihn Videospiele ansonsten gern ausüben, so perplex, dass ich mich mit der Gemächlichkeit eines „Animal Crossing“ erst einmal arrangieren musste. Wenn man das schafft, bekommt man eine kunterbunte Welt serviert, in der man selbst bestimmt, was man macht, wie schnell man es macht und ob man es überhaupt macht. Ihr könnt selbst bestimmen, wie schnell ihr euren aktuellen Kredit bei Tom Nook abbezahlt, damit er euer Haus erneut ausbaut. Ihr könnt selbst bestimmen, ob ihr mit dem neuen Nachbarn redet oder ihn getrost ignoriert. Alles kann, nix muss.

Dieser Tage erscheint mit „Animal Crossing: New Horizons“ für die Nintendo Switch der neueste Teil der Reihe, und zwar der erste „Richtige“ seit „Animal Crossing: New Leaf“ im Jahre 2013. Auch er wird ein paar neue Features bieten, wird aufgrund des Materials, das man bereits begutachten durfte, einen „karibischen Touch“ besitzen und die Camping-Komponente, die der „Animal Crossing“-Ableger für Smartphones ins Zentrum rückte, stärker betonen. Somit wird es auch für langjährige Fans Neues zu entdecken geben.

Das Beste am Spiel

Mein persönliches Highlight: In den späten Abendstunden, wenn das Spiel eine herrlich entspannende Hintergrundmusik bietet, am Strand gemütlich entlanglaufen und darauf spekulieren, dass seltene Fischarten und Käfer auftauchen. Ich habe es „Animal Crossing“ zu verdanken, dass ich heute, obgleich ich es gar nicht darauf anlegte, unheimlich viele dieser Spezies aufzählen kann. Was haben mir Atlaskäfer, Mammutkäfer, Skarabäus, Arowana, Kochenhecht und Arapaima doch schon für ertragreiche Nächte beschert.

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Bildquelle: Nintendo

Als seine Mutter während der Schwangerschaft versehentlich Goethes "Die Leiden des jungen Werther" verschluckte, war klar: Dieser Junge wird später schreiben. Hat geklappt! Angetan hat es ihm dabei der Spagat zwischen high culture und low culture - nichts ist zu nieder, nichts ist zu himmelhoch! Will heißen: In seinem Regal steht der Nietzsche neben dem Bruce-Springsteen-Songbook, an seiner Wand hängt Hokusais "The Great Wave" neben dem Adventure-Time-Artwork. Wenn er mal nicht in die Tasten haut, um sich (populär-)kulturellen Welten zu widmen, dann findet ihr ihn mit seinen Joggingschuhen im Grünen oder aber mit seiner Gitarre im stillen Kämmerlein.