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Neue Studie: Ehrlich währt am längsten?!

Meistens drücken wir uns davor, schonungslos ehrlich zu sein. Laut einer Studie sollte wir aber viel öfter offen sprechen.

Ein Freund gibt dir nie dein geliehenes Geld zurück, obwohl du ihn darum bittest? Aber du traust dich nicht, ihm ins Gesicht zu sagen, dass dir diese Nachlässigkeit total auf die Nerven geht? Dann bist du nicht allein, denn vielen Leuten fällt es schwer, ehrlich zu sein, da sie sich vor den Konsequenzen fürchten. Eine Studie der University of Chicago Booth School of Business hat jetzt ergeben, dass diese Angst unbegründet ist. Schließlich kommt Ehrlichkeit weit besser an als bisher gedacht.

 

Der theoretische Shizzle

 

Die Untersuchung, die in dem Journal of Experimental Psychology General veröffentlicht wurde, hat sich mit den angenommenen und wirklichen Konsequenzen von Ehrlichkeit im Alltag auseinandergesetzt. Dabei wurden drei Experimente durchgeführt, bei denen die Teilnehmer gebeten wurden, über einen Zeitraum von drei Tagen ehrlicher zu sein oder eine bestimmte Konversation zu führen, die sie bisher vermieden hatten. Auch sollte mit einer nahestehenden Person negatives Feedback geteilt werden. Nach dem Experiment wurden die Teilnehmer und die Leute, mit denen sie ehrlich sein sollten, über die Auswirkungen dieser Ehrlichkeit befragt.

 

Unerwartete Ergebnisse

 

Alle drei Experimente hatten ergeben, dass die Leute die besagten Konsequenzen bedeutend falsch eingeschätzt hatten. „Das Fokussieren auf Ehrlichkeit (aber nicht Freundlichkeit oder Kommunikations-Bewusstsein) ist angenehmer, mehr sozial verbindend und vergleichsweise weniger schadenanrichtend als die Leute glauben“, stellten die Forscher fest. Die Ergebnisse legten nahe, dass Menschen automatisch missverstehen, wie andere auf ihre Ehrlichkeit reagieren, weil sie falsche Vorstellungen davon haben, wie Leute generell auf Ehrlichkeit reagieren. „Menschen nehmen pauschal an, dass Andere auf die erhöhte Ehrlichkeit negativ reagieren“, sagt Emma Levine, die als Co-Autorin an der Studie mitgearbeitet hat, im Interview mit Quartz. „Folglich denken die Leute, dass ehrliche Konversationen erschöpfend sind und ihrer Beziehung schaden. Dabei ist Ehrlichkeit in der Realität viel angenehmer und weniger schadend, als Leute erwarten.“

 

Warum denken Menschen, dass Ehrlichkeit schlecht sein könnte?

 

Für die Annahme, dass Menschen schlecht auf komplette Ehrlichkeit reagieren, gibt es verschiedene Erklärungen. Erstens würden Leute schlussfolgern, dass andere nicht wollen, dass sie ehrlich sind, weil sie bei anderen auch nicht beobachten können, dass sie zu 100% die Wahrheit sagen. Zweitens hätten viele Menschen vor der Reaktion ihrer Gesprächspartner Angst. Dabei würden sie aber meistens nicht den oft positiven Kontext beachten, in welchem die Informationen geteilt würden. Dazu zählten zum Beispiel die Intention des Sprechers und die Beziehung zwischen den Personen. Letztlich vermeiden Menschen oft, vollkommen ehrlich zu sein, weil sie selten akkurates Feedback zu den möglichen Folgen bekommen, was das Korrigieren von falschen Vermutungen erschwert. Der einzige Weg, um ehrlicher zu werden, wäre Übung. „Je mehr Leute sich in Ehrlichkeit üben, desto mehr werden sie realisieren, dass ihre Annahmen über die negativen Auswirkungen falsch sind“, so Levine.

 

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Bildquelle: Unsplash unter CC0 Lizenz

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