Emotionale Intelligenz: Die magische Essenz des Miteinanders

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Von Cara Westerkamp

„Boah, dieser Numerus Clausus ist einfach so sinnlos, der sagt echt null was über die Social Skills aus“, sagte meine Freundin damals ständig. Sie war gerade dabei, sich mit ihrem 3,0er Abitur für ein Psychologie-Studium zu bewerben. Deutschlandweit, an allen Unis, vergeblich. Was genau sie mit „Social Skills“ gemeint hat, wusste ich lange Zeit nicht. Bis ich von der Emotionalen Intelligenz hörte.

 

Der Neurologe Viktor Frankl sagte einmal, dass die Freiheit des Menschen in dem Zwischenraum von Reiz und Reaktion läge. Die Freiheit, wahrzunehmen, abzuwägen, zu fühlen und sich letztendlich für eine Reaktion zu entscheiden. Diese Freiheit ist die Emotionale Intelligenz, auch EQ genannt. Wer sie nutzt, ist lebensklug. „Ein Reiz löst eine Reaktion aus. Wenn man keinen Zwischenraum hat, wird man überholt von seinen Gefühlen. Man tut oder sagt vielleicht Dinge, die man später bereut.“ sagt Martin Horack, Berater und Coach für Emotionale Intelligenz am EICO-Institut bei Augsburg, gegenüber ZEITjUNGPersonen mit einer schwächeren Emotionalen Intelligenz werden entweder überschwemmt von ihren Emotionen, oder sie lassen diese erst gar nicht zu. Wutausbruch oder Pokerface. Und wieder: In dem Raum dazwischen liegt die Emotionale Intelligenz. Denn wer emotional intelligent ist, weiß nicht nur mit den eigenen Gefühlen umzugehen, sondern auch mit denen anderer. Es fällt leicht, Beziehungen zu knüpfen. Empathie, Selbstwahrnehmung- und regulierung, Motivation und soziale Kompetenz zählen zu den Stärken lebenskluger Menschen.

 

Kann man das lernen?

 

Und da haben wir sie: Soziale Kompetenzen oder im Fachjargon der Studienbewerber Social Skills. Diese werden im Berufsleben immer wichtiger. Nicht nur im Start-Up-Bereich, auch in großen Unternehmen löst man sich inzwischen von den hierarchischen Strukturen. Das Management und die Führungsebene sind nicht mehr dazu da, alleine zu bestimmen, sondern um ihre Mitarbeiter zu verstehen und dementsprechend zu handeln. Das Arbeitsklima und die interne Begeisterung für das Unternehmen tragen maßgebend zum Erfolg bei. Die gute Nachricht ist, dass die dafür benötigte Emotionale Intelligenz erlernbar ist. Die schlechte, dass immer noch zu wenige davon Gebrauch machen. Das sieht man nicht nur daran, dass es gerade auf der Chefetage oft Psychopathen gibt, sondern auch an der steigenden Zahl von Burnouts. Die einen achten und reagieren nicht auf die Gefühle anderer, die anderen nicht auf die eigenen. Beides ein Zeichen von mangelnder Emotionaler Intelligenz.

 

Fast jeder Mensch ist intelligent – zumindest emotional intelligent

 

Ein Großteil des EQ ist angeboren. Fast jeder Mensch hat eine emotionale Grundintelligenz. Diese wird im Laufe des Lebens durch Erfahrungen wie Freundschaften oder Verletzungen fort- oder rückentwickelt. Doch es ist nie zu spät, den EQ zu trainieren. „Besonders schwer ist es allerdings für Personentypen, die die Schuld der eigenen Emotionen immer bei anderen suchen und sich darüber aufregen.“ sagt Martin Horack gegenüber ZEITjUNG. „Der erste Schritt dabei ist einzusehen, dass nur ich selbst dafür verantwortlich bin, was ich emotional erlebe. Wenn man das mal kapiert hat, dann wird’s einfacher. Erst dann kann man was ändern.“

Und die Änderung lohnt sich: Bei Bewerbungsgesprächen werden inzwischen EQ-Tests gemacht, die man auch zahlreich im Internet findet. Doch nicht nur im Berufsleben hilft die Emotionale Intelligenz weiter, sondern auch in der Liebe. Dem Bereich, in dem wir die heftigsten Emotionen haben und diese auch zeigen dürfen. Gegensätze ziehen sich hier nicht an, denn wer als emotional intelligenter Mensch mit einem weniger Intelligenten zusammen ist, der wird unter den Beschuldigungen und Ausbrüchen des Partners leiden und sich diese zu sehr zu Herzen nehmen. Haben beide Partner einen hohen EQ, ist das eine gute Voraussetzung für eine glückliche und lange Beziehung.

 

In der Gen-Y tut sich was

 

Obwohl die Gesellschaft uns, der Generation-Y, jede Menge Möglichkeiten gibt, emotional zu verblöden, sind wir auf einem guten Weg. Es gibt zwar viele Scheidungen, viele Burn-Outs und viele Social-Media-Profile, aber auch das Bewusstsein, dass etwas geändert werden muss. Wir fangen an, wieder rauszugehen. Uns aus dem fünften sozialen Netzwerk zu löschen. Urban Gardening zu betreiben, uns sozial zu engagieren. Und auch, wenn es noch nicht in die Tat umgesetzt wurde, wissen wir, dass der Acht Stunden-Arbeitstag zu viel ist. Wir ernähren uns wieder gesünder und versuchen das zu tun, was uns glücklich macht. Wir sind auf einem guten Weg in eine bessere Welt. Jetzt müssen nur noch alle mitmachen.

Meine Freundin ist eine der cleversten, empathischsten und lösungsorientiertesten Menschen, die ich kenne. Trotzdem studiert sie heute nicht Psychologie, wie sie es sich immer gewünscht hat. Obwohl es in diesem Beruf doch so wichtig ist, emotional intelligent zu sein. Der EQ verdient noch mehr Wertschätzung. Und was das Psychologie-Studium betrifft, sollte es in einer besseren Welt nicht zum Ausschlusskriterium werden, wenn man im schulischen Bulimie-Lernen eine komplette Niete war. Denn das sagt einfach echt nichts über die Social Skills aus.

 

Bildquelle: Nancy Zambrano unter CC0-Lizenz

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Autorin: Ich hab's nicht so mit Selbstbeschreibungen. Aber ich hab gehört, dass kostenlose Psychotests in semi-seriösen Frauenmagazinen da ganz aufschlussreich sein können: Wäre ich ein Mann, dann Typ Emotionaler Softie. Der sprechende Hut schickt mich nach Slytherin. Mein seelenverwandtes Pokémon ist Glutexo und mein Nerd-Faktor beträgt 73%. Oh, und der Test „Wie sieht dein Leben in 20 Jahren aus?“ hatte das verblüffende Ergebnis: „Wer weiß schon, was in 20 Jahren ist!“