Synchronisation vs. Originalton

Mouth

In den letzten Jahren kam unter Serienfans immer öfter eine Debatte auf, ob die synchronisierte oder die originale Version die bessere ist. Im deutschsprachigen Fernsehen existiert der Originalton bei den englischsprachigen Serien so gut wie überhaupt nicht. Lediglich ein Sender in der Bundesrepublik hat sich in den letzten Jahren an der Ausstrahlung von Originalfassungen versucht. Doch woran genau liegt es, dass viele eingefleischte Fans lieber den Originalton sehen?

 

Von Lippenbewegung bis Dialekte

 

Einer der Gründe ist sicher, dass das Gesprochene in den synchronisierten Fassungen nicht mit der Lippenbewegung übereinstimmt. Allein in diesem Momenten wird allen Zuschauern bewusst, eine abgeänderte Version und keine Originalform zu sehen. Dieses Gefühl kommt allerdings bei so manchen anderen Gelegenheiten noch wesentlich deutlicher zum Vorschein. Beispielsweise wenn Briten und Amerikaner in einer Serie aufeinandertreffen und der Zuschauer mit synchronisierten Dialekten konfrontiert wird. Das Ergebnis ist oftmals ärgerlich, da gebrochenes oder übertrieben hochgestochenes Deutsch verwendet wird, um einen anderen Dialekt darzustellen. Oder aber es bleibt ganz außen vor und der deutsche Zuschauer realisiert überhaupt nicht, das hier gerade zwei Kulturen aufeinander treffen.

Ein weiterer Punkt, der für das Original spricht, ist zudem, dass oftmals der Inhalt unter der Synchronisation leidet. Das kann bei Kleinigkeiten wie besseren Witzen im Original sein, sich aber auch bis zu schweren inhaltlichen Unterschieden strecken. Wenn in der englischsprachigen Serie ein deutschsprachiger Akteur auftritt, werden bei der Synchronisation oft Veränderungen vorgenommen. So tanzen dann auch mal improvisierte Dänen zu ihrem Hit „99 Luftballons“ (Scrubs, Staffel 2 Folge 20) und fügen damit dem Witz noch eine weitere Ebene des Absurden hinzu. Das mag bei vielen Serien und Filmen unauffällig passieren und nur Kennern des Originals auffallen, aber gerade bei Comedyformaten wird es meist nur allzu deutlich. Kopfkratzen, warum denn gerade an diesem unlustigen Moment ein Laughtrack eingespielt wurde, inklusive.

Trotz alledem muss klar festgehalten werden, dass Deutschland führend im Bereich der Synchronisation ist. Jedem der sich einmal im Urlaub das TV-Programm der verschiedensten Länder zu Gemüte geführt hat, wird das bestätigen können. Nicht selten wird die Originaltonspur in Doku-Manier nicht ausgeblendet, sondern einfach übersprochen. Spätestens wenn Frauen und Männer von ein und demselben Sprecher vertont werden, ist die Illusion perfekt. Zugegeben ist das ein Extrem, nennenswert ist es allemal um deutlich zu machen wie hochwertig die Qualität der Synchronisation in Deutschland doch ist.

 

Von Verständlichkeit bis Rechtsverletzungen

 

Stellt sich die Frage warum eigentlich nach wie vor der Großteil der importierten Serien und Filme synchronisiert wird. Dafür gibt es mehrere Faktoren – der offensichtlichste ist natürlich, dass die Landessprache Deutsch von der großen Mehrheit der Bevölkerung verstanden wird. Vielen Leuten fehlen ganz einfach die Englischkenntnisse, um dem Geschehen folgen zu können.

Ein weiterer Aspekt sind, wie sollte es anders sein, die rechtlichen Rahmenbedingungen. Viele Einkäufe der Sendeanstalten geschehen in Form von Paketen, dh es werden mehrere verschiedene Formate einer Produktionsfirma im Verbund eingekauft. Oftmals beinhalten die erworbenen Rechte keine Ausstrahlung im Originalton. Ein Nachkauf wäre schlicht zu teuer. Vor allem in Hinblick auf die bislang eher bescheidenen Quoten, wie auch ProSieben Maxx feststellen musste.

Problematisch ist zudem, dass eine innerhalb Deutschlands übertragene Version im O-Ton, auch in Teilen des umliegenden Auslands zu empfangen wäre. Mit Englisch als Weltsprache stünde sie dann auch unseren Nachbarländern zur Verfügung, ohne dass die notwendigen Rechte im jeweiligen Land erworben wurden. Logisch, dass Produktionsfirmen dem nicht ganz so offen gegenüber stehen.

Alternative Lösungswege sind aber längst auf dem Vormarsch. Geregelter Zugang zu Medienangeboten per Streamingdienste findet immer mehr Anklang. Anbieter wie Maxdome nutzen zudem diese Chance und erweitern ihr Serienangebot mit vielen Originalfassungen.

Alternativ bleibt den Freunden der unsynchronisierten Unterhaltung wohl nur die Möglichkeit auf DVD und Blu-ray die Tonspur zu wechseln, denn im TV wird dies bis auf weiteres nur bedingt möglich sein.

Bild: David Goehring unter cc-by-sa 2.0