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Frag Joanna! „Warum wollen meine Kumpels nicht mit auf queere Partys gehen?“

Sexualpädagogin Joanna Stein beantwortet eure Fragen zum Thema Sex. Heute: Was für ein Problem haben Hetero-Männer mit den Partys ihrer schwulen Kumpels?

Birds do it, bees do it, even educated fleas do it… Wir Menschen machen es auch, denn mal ehrlich, wir sind alle sexuelle Wesen. Wir können gar nicht anders. Blöderweise kommt uns aber manchmal die von Cole Porter beschriebene Leichtigkeit abhanden, wenn wir mit nackten Tatsachen konfrontiert sind. Plötzlich sind da Unsicherheiten, Untiefen, Situationen; Dinge sind nicht mehr taghell oder nachtschwarz. Oft bewegen wir uns in den grauen, schattigen Zwischenräumen. Und dann? Für Dr. Sommer sind wir zu alt, unsere Freunde wissen auch nicht alles und manches wollen wir sie lieber nicht fragen. Pornos beantworten einige Fragen, können aber auch neue aufwerfen. 

Geht’s dir auch so, ab und an? Wir haben uns Sexualpädagogin Joanna Stein ins Team geholt. Von nun an wird sie in ihrer Serie eure Fragen rund um die schönste Sache der Welt beantworten.

 

Frage: Ich (w) hab da mal eine ganz allgemeine Frage: Warum haben Jungs so ein großes Problem damit, auf Gay&Lesbian-Partys zu gehen? Die Mädels aus unserem Freundeskreis und ich gehen regelmäßig mit unserem schwulen Freund auch auf Szene-Partys feiern, die Jungs haben da aber nie wirklich Lust drauf und kommen deswegen meistens nicht mit. Irgendwie versteh ich das Problem nicht und ich find’s voll schade!

Antwort: Ha, tatsächlich ’ne gute Frage. Eine, die ich mir selber auch schon gestellt hab. Ich mag Gay&Lesbian-Parties auch und wär da auch gern mit der ganzen Clique hingegangen. Wie bei dir war der Widerstand bei den Heterojungs aber immer ganz schön groß, so dass es schlussendlich immer bei den Mädels geblieben ist… Weil wir uns da, glaube ich, ganz ähnliche Fragen stellen, lass ich dich einfach ein bisschen an meinen Gedanken Teil haben.

Ich fang vielleicht mal mit meiner ersten Erfahrung von lesbischwulem Clubben an. Ich denk nämlich immer noch gerne an die Gay&Lesbian-Party zurück, auf der ich vor fast 15 Jahren war, und daran, wie befreiend ich die Atmosphäre dort fand. Irgendwie hatte ich den Eindruck, dass die Möglichkeit der dort Anwesenden, sich nicht darum scheren zu müssen, wie die Umwelt auf ihre sexuelle Orientierung reagiert und nach Herzenslust zu feiern, eine Stimmung geschaffen hat, die sich auch auf mich positiv übertragen hat. Dinge oder Erfahrungen, die man selber gut findet, will man dann ja gerne teilen, so wie du und ich mit den Männern aus unseren jeweiligen Freundeskreisen.

Wenn ich die Jungs gefragt hab, wo das Problem ist, dann kam außer Rumgedruckse meist nicht wirklich viel. Nicht so Bock auf die Mucke, das war oft Thema. Und zugegebener Maßen, darüber kann man streiten, zumindest bei den Parties, die in meiner näheren Umgebung stattfinden… Trotzdem, manchmal ist so ein Abend, der musikalisch hart am Trashigen langschrappt, zum Tanzen ganz witzig, das geben die Jungs auch zu.

Kommentare

  1. Ich hab mit meiner clique schon die eine oder andere Homobartour hinter mir. Die erste war mehr Zufall, wir hatten geplant einfach mal durchs Glockenbachviertel in München zu ziehen und in jeder Kneipe ein Bier, ein Shot und dann weiter. Am nächsten Tag (zum Teil schon am abend) haben wir dann festgestellt, dass wir mit einer Ausnahme nur in Schwulen und Lesbenkneipen gelandet sind. Eine war wirklich Hardcore, da stand n Typ mit offener Lederweste (ohne T-Shirt o.ä. drunter) an der Bar und es hingen da mehrere Bildschirme auf denen richtig Hardcore Schwulen Pornos liefen… naja, wir sind da nicht so verklemmt, haben also auch n Bier getrunken. Nachdem wir also festgestellt hatten, dass wir nur in Homo-Bars waren, wurde daraus eine Tradition und wir haben da etwa einmal im Jahr so ne Tour gemacht. Das waren auch immer extrem lustige Abende.

    Das Problem bei einer „Gay&Lesbian-Party“ gegenüber einer einfach „90s-Party“ o.ä. ist glaube ich für viele nichtmal dass da Schwule/Lesben sind. Das Problem ist, dass es auf dem Etikett schon nur um die sexuelle Orientierung geht. Da ist es durchaus naheliegend, Angst vor dem „promiskuitiven, sexhungrigen, schwulen Mann“ zu haben. Warum sonst sollte man auf ne Party gehen, die schon direkt mit der Sexualität wirbt, wenn man mit der beworbenen Sexualität selbst nichts anfangen kann? Wenn ich höre „Gay&Lesbian-Party“, dann gehe ich davon aus, dass 90% da hin gehen um jemanden aufzureißen und das diese Leute dann eben auch Schwul/Lesbisch sind und damit nicht meine Zielgruppe. Gut, vielleicht sind paar Bisexuelle dabei, aber dann geh ich doch auf ne „normale“ Party und hab vermutlich 90% Mädels, die Penisse mögen.
    Wenns ne 90s Party in nem Club gibt, in dem in der Regel viele Homos sind, dann wäre ich wesentlich motivierter hinzugehen. Aber wenn eine Party in der Beschreibung schon sexuell wirbt, warum sollte ich dann als jemand der davon nicht angesprochen wird, hingehen?

    Dan / Antworten

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