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Schluss mit lieb und süß – Frauen, spielt auch mal Arschloch!

Gleichberechtigung hin oder her – es trauen sich immer noch zu wenig Frauen, mal richtig auf den Tisch zu hauen. Schluss damit!

Von Anna Fiedler

Gibt man die Begriffe „Arschloch“ und „Frau“ bei Google ein, präsentiert einem das Internet in Endlos-Schleife Artikel, die sich damit beschäftigen, wieso Frauen nur auf Arschlöcher stehen. Wieso Arschlöcher mehr Erfolg haben bei Frauen. Wieso immer nur die Arschlöcher alle Frauen abbekommen. Was ich mich frage ist viel mehr, wieso das Thema runtergebrochen wird auf Frauen und den durchgekauten Mythos der Wirkung des Arschlochmannes auf eben jene. Mehr gibt‘s nicht zu erzählen zum Thema Arschloch und Frau? Mehr hat das Internet nicht drauf als schrecklich pathetische Texte über uncoole Typen, die mit ihrem unreifen Verhalten angeblich alle Frauen der Welt abschleppen? Was ist mit der Arschlochfrau? Wo ist die abgeblieben? Wer schreibt über sie? Anscheinend nicht allzu viele Menschen, ist doch der Artikel „Wie binde ich meinen Arschlochfreund für immer an mich?“ neben den Tips zur Bekämpfung unserer fetten Oberschenkel und den Ratschlägen, wie man sich bei den Kollegen beliebt macht, um einiges interessanter als Worte über Frauen, die auch mal was anderes sind als süß und „beziehungskompatibel“.

Ja, es gibt Frauen, die auch einiges mehr können als ihre Pickel ausdrücken und auf den netten Traumboy aus der Wendy warten. Frauen, die nicht immer nur lächeln und ganz gut anzusehen sind. Frauen, die ihren Mund aufmachen. Frauen, die auch mal scheiße sein können. Richtig scheiße! Arschlöcher gibt es nicht nur in der Männerwelt.

 

Böse, aber bitte mit Stil

 

Erst kürzlich schrieb die Zeit über Frauen, die mit eben diesem Klischee brechen. Sie geben nicht mehr die moderne Cinderella, sondern sind machthungrig und stark. Wenn man den weiblichen Figuren in einigen Serien Glauben schenken mag. Der Artikel beschreibt die Arschlochfrau als solche als recht negative Erscheinung. Nicht zuletzt endet er damit, dass eine Claire Underwood zwar unsympathisch nach Macht strebt, sie dies aber immerhin mit Stil tut. Und wieder wären wir beim Thema. Eine Frau ist mächtig und böse, schön und gut. Aber wenigstens sieht sie dabei gut aus.

Tatsächlich würde es uns in allen Lebenslagen einfach mal richtig gut tun, uns so zu benehmen. Wie ein Arschloch. Im Allgemeinen sind Frauen viel zu nett. So schreibt Laura Elisa Nunziante auf Edition F darüber, was für bescheidene Tagessätze Freelancerinnen verlangen und dass um diese Honorare auch noch verhandelt werden muss, während ihre männlichen Kollegen locker große Beträge einfordern können, ohne dass deren Arbeit auch nur in Frage gestellt wird. Dass wir nicht mehr die genügsamen, lieben Mäuschen mimen sollen, sondern laut werden und das einfordern sollten, was uns zusteht. Das Gehalt, das wir verlangen. Ohne Wenn und Aber. Und eben das Gehalt, das Kollege Christian aus dem anderen Team auch bekommt.

 

„Bloß nicht charmant lächeln“

 

Auch im Umgang mit männlichen Kollegen oder Chefs müssen Frauen teilweise ordentlich einstecken. Denn wer den Entwurf nochmal überarbeiten will, gilt als stressig. Wer grade präsentiert, kann auch ruhig mal unterbrochen werden. Wer nicht einverstanden ist, der soll einfach still sein und nett lächeln. Im Interview mit der Süddeutschen erzählt Karrierecoach Peter Modler, was Frauen sich teilweise gefallen lassen müssen und wieso sie es sind, die ein Arroganztraining bitter nötig hätten. Er kritisiert, wie Chefs das Harmoniebedürfnis vieler Mitarbeiterinnen ausnutzen, inwiefern sich damit viele Frauen selbst im Weg stehen und was man dagegen tun kann: „Klare Statements, kurze Sätze, keine Erklärungen – und bloß nicht charmant lächeln, um den eigenen Worten die Schärfe zu nehmen.“

Natürlich heißt das nicht, dass Frauen sich jetzt im Antiemotional-Panzer durch das (Arbeits-)Leben kämpfen sollen und auf alles, das sich ihnen auf drei Meter nähern will, schießen sollen. Das heißt auch nicht, dass Arroganz und Scheiße sein als Lebenshaltung adaptiert werden soll. Nein, es heißt schlicht und einfach, dass Frauen sich in bestimmten Situationen auf das Arschloch in sich berufen müssen und sich erlauben dürfen, dies auch heraushängen zu lassen. Und wenn du dann das nächste  Mal gefragt wirst, ob du deine Tage hast oder was der Grund für dein Benehmen ist, dann darf dein Arschloch-Ich auch ruhig mal die Axt in die Hand nehmen. Nur weil du eine Frau bist, heißt das nicht, dass du nicht genauso scheiße werden kannst wie dein Kollege. Du musst nicht dauerlächeln. Du bist weder Wendy noch Barbie noch Cinderella. Du bist zwar auch keine Alice Schwarzer, aber immerhin bist du jemand, der den Mund aufmachen kann!

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Bildquelle: Pexels unter CC0

Kommentare

  1. Die Fragestellung wundert mich etwas, natürlich sind auch Frauen mal scheiße, wenn ich an manche Frauen in Beziehung denke, wo Liebe ganz gerne mal mit Machthunger verwechselt wird, kann sich das nur bestätigen. Oder Unehrlichkeit, Schauspielerein, Untreue. Ist das jetzt wirklich so ein Artikel Wert? Etwas zu Selbstverliebt das man nochmal drauf hinweisen muss.

    Respo / Antworten
    • Das ist auch nicht das, was die Autorin damit meint. Es geht nicht darum, andere Menschen zu verletzen oder sich unfair zu verhalten. Es geht darum, dass Frauen auch mal den Mund aufmachen sollen und das einfordern sollen, was ihnen zusteht. Auch mal mehr an sich denken und nicht immer den Konflikt zugunsten der Harmonie meiden sollen.

      Liselotte / Antworten

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