Fütterer is(s)t anders: Darum ist es okay, kein*e Hardcore-Veganer*in zu sein

Eine Frau kauft im Supermarkt Obst. Bild: Pexels

Elina Fütterer ist Ökotrophologin, Yoga-Lehrerin und Surfer Girl. In ihrer Kolumne schreibt sie über die wichtigste Hauptsache der Welt: Essen. Genuss ist ein Muss – ohne dabei Gesundheit, Nachhaltigkeit und Ethik außer Acht zu lassen. Elina nimmt euch mit auf ihre kulinarische Reise.

Ein prüfender Blick auf mein Konto verrät: „Hurra, mein Gehalt ist da“. Beschwingt schlendere ich zum Bioladen, um meinen Vorrat an Nussmus, pflanzlichen Milchdrinks und veganen Essentials für die nächsten Wochen wieder aufzufüllen. Vor knapp einem halben Jahr habe ich meine Ernährung umgestellt – und immer noch ist mein Wocheneinkauf ein absolutes Highlight. Nachdem ich mich durch sämtliche Regale geschoben habe, bahne ich mir den Weg zur Kasse und lege meine Einkäufe auf das Kassenband. Veganer Käseschmelz, Bionella, Lupinensteak: Huch, ist ja doch etwas mehr eskaliert, als ich erwartet hatte. Wie soll ich das nun alles in meinen Rucksack bekommen? Als ich den Reißverschluss öffne, fällt mir eine leere Plastiktüte entgegen, in die ich morgens meine undichte Tupper-Meal-Prep-Dose verpackt habe. Wie praktisch.

Als ich beginne, meine veganen Errungenschaften in die Tüte zu packen, kann ich allerdings den bohrenden Blick der Verkäuferin fühlen. Ich schaue auf und sehe sie an. Sie zuckt mit den Schultern und sagt: „Plastik? Wir haben hier auch Jutebeutel.“ Die Kundin hinter mir scheint sich aus irgendeinem Grund angesprochen zu fühlen. Sie rümpft die Nase und schüttelt den Kopf. „Also wirklich. Und sowas will Veganerin sein?“. Beschämt fülle ich die Tüte und sehe zu, dass ich mich aus dem Staub mache.

Kein Witz. Die Situation ist genauso passiert. Eine Weile habe ich gebraucht, um zu verstehen, was da im Supermarkt passiert ist: Ich wurde einfach eiskalt gebasht, weil ich vegane Lebensmittel gekauft, aber eine Plastiktüte gezückt habe. Das scheint für viele nicht zusammenzupassen. Genauso wenig, wenn Veganer*innen Junk Food essen, Lederschuhe- oder jacken tragen oder in einer Decke aus Daunen schlafen.

Es gibt mehr als nur schwarz und weiß

Vegan scheint in vielen Köpfen mit „hardcore“ verknüpft zu sein – in sämtlichen Lebensbereichen. Wer vegan isst, der benutzt auch Shampoo-Bars, verzichtet auf Wolle und demonstriert für strengere Klimaziele. Ist doch logisch, oder?

Nicht wirklich. Menschen, die sich vegan ernähren, tun eben genau das: Sie verzichten auf tierische Lebensmittel. Nicht mehr, nicht weniger.

Wenn man es nicht schon vorher getan hat, kommt man irgendwann automatisch mit anderen Themen wie Nachhaltigkeit oder Tierschutz in Kontakt, wenn man sich pflanzlich ernährt. Irgendwann. Niemand hat von heute auf morgen Tierprodukte von seinem Speiseplan gestrichen und war ab dann nur noch im Unverpackt-Laden einkaufen, hat sämtliche Lederprodukte aus dem Kleiderschrank verbannt, Woll- und Daunendecken auf den Sperrmüll gehauen und nur noch Urlaub in Deutschland gemacht.

Neben meinem Ökotrophologie-Studium und der Ausbildung zur Journalistin habe ich auch als Flugbegleiterin die Welt unsicher gemacht. Neugierig, abenteuerlustig und immer hungrig: Auf der Suche nach der perfekten Welle und der besten Açai-Bowl futterte ich mich schon durch mehr als 80 Länder.