Hard RockKolumneMusikRock

Genre Guide: Was ist eigentlich Hard Rock?

Lange Haare fliegen durch die Luft, geballte Fäuste preschen empor und es baut sich eine Gitarrenwand nach der anderen auf.

Wenn der Beat in unseren Ohren dröhnt, sich Gänsehaut ankündigt und unsere Füße anfangen zu zappeln, dann möchten wir sie am liebsten auf ewig hören – diese Musik. Aber was hören wir da eigentlich? Unser Genre Guide hilft dir weiter. Alle zwei Wochen erklären wir dir einen anderen Musikstil. Dieses Mal gibt es Hard Rock auf die Ohren.

Der eine setzt zum Headbanging an und schon fliegen die Haare wild durch die Luft. Der andere…hält sich die Ohren zu. Der eine wackelt wie verrückt mit dem ganzen Körper, springt auf und ab. Der andere…hält sich die Ohren zu. Der eine verzerrt sein Gesicht zu einer teuflischen Grimasse, ballt die Fäuste in der Luft. Der andere…hält sich die Ohren zu. Hier prallen Welten aufeinander, und zwar in der Welt des Hard Rock.

Hard Rock: die Definition

Hard Rock ist, keine große Überraschung, eine „härter“ interepretierte Form der Rockmusik. Die grundlegende Besetzung unterscheidet sich von klassischen Rockbands nicht, wohl aber die Art und Weise, wie die Instrumente gespielt bzw. eingesetzt werden. E-Gitarren-Spieler treiben ihr Instrument im Hard Rock bis zum Äußersten. Mit anderen Worten, die Gitarre kann besonders schrill und hoch aufheulen (vor allen Dingen bei längeren Soli), kann aber auch sehr kühl und tief klingen, sodass ein Riff fast schon einem „Schlag“ gleichkommt. Oft spricht man im Hard Rock davon, dass „Gitarrenwände“ aufgebaut werden, also bestimmte Klangmuster, die von der E-Gitarre an bestimmten Stellen des Songs (meist im Refrain) immer wieder aufgebaut werden und die „Grundaggressivität“ eines Songs sicherstellen.

Eine wichtige Komponente des Hard Rock ist zudem Geschwindigkeit. Wie auch im Mainstream Rock bauen Hard-Rock-Stücke meist auf einem 4/4-Takt auf, werden aber schneller und „brachialer“ vorgetragen. Das untermauert man zum Beispiel durch ein besonders mitreißendes Schlagzeugspiel. Auch ist es nicht unüblich, dass die schnellen Passagen mit langsamen Passagen, beispielsweise in Form einer Bridge, durchsetzt sind, um dem Hörer sozusagen das Gefühl zu geben, erneut in diese Mischung aus schnellem und aggressivem Musikspiel einzutauchen.

Nicht zuletzt speist sich diese Aggressivität auch aus dem Einsatz der Gesangsstimme. Es ist häufig so, dass die Stimme zwischen besonders hoch und tief changiert; dass Passagen mehr „geschrien“ als gesungen werden. Eine besondere Form ist das sogenannte Growling (gutturaler Gesang), der im Hard-Rock-Subgenre des Heavy Metal häufig zum Einsatz kommt. Hierbei verengt der Sänger seinen Kehlkopf vollführt dadurch besondere Screams und Growls, die sich vom „normalen“ Gesang unterscheiden.

Verwandt und verschwägert

Die Tochter von: Bluesrock

Beste Freundin: Glam Rock

Hassliebe: Classic Rock

Die kleine Cousine von: Psychedelic Rock

Können sich nicht ausstehen: Dance-Pop

Verwechslungsgefahr mit: Garage Rock

Hard Rock: der Ursprung

Hard Rock entstand etwa Mitte der 1960er und baute dabei vor allem auf dem Psychedelic Rock und Bluesrock auf. „Normaler“ Rock war zu dieser Zeit bereits durchaus etwas, das schneller und „härter“ anmutete, als die übliche Popmusik. Doch erst psychedelisch und vom Blues beeinflusste Stücke impften dem Rock eine Rauheit und Aggressivität ein, die man bis dahin so nicht kannte. Es waren Songs wie My Generation (1965) von The Who und Helter Skelter (1968) von den Beatles, die retrospektiv als erste Stücke aus dem Bereich des Hard Rock gelten.

Hard Rock differenzierte sich daraufhin enorm aus. So gab es Hard-Rock-Bands, deren Stil eindeutig vom Blues geprägt war (Led Zeppelin, Deep Purple, ZZ Top), während andere Bands wie Black Sabbath ihren Sound besonders „düster“ gestalteten und damit quasi den Weg für die Genres des Gothic und Heavy Metal ebneten.

Nicht immer, aber häufig, spielt beim Hard Rock die Optik eine entscheidende Rolle. Es entwickelten sich mit der Zeit gewisse Stilmittel, die von einigen Bands als fast schon verpflichtend angesehen wurden: Lange Haare, Lederkleidung und optische Elemente, die klassischerweise als düster und aggressiv eingestuft werden (Totenköpfe, Teufel, Blut, Raubkatzen etc.). Daher ist es nicht verwunderlich, dass diese Elemente entweder in die Shows von Hard-Rock-Bands eingebunden werden und/oder auf Plattencovern zu sehen sind. Auf die Spitze trieben es hierbei Glam-Rock-Bands wie KISS (Sänger Gene Simmons spuckt bei Auftritten nicht selten Kunstblut – was tatsächlich darin mündete, dass es heute eine Actionfigur von ihm gibt, die dies kann), Gitarristen wie Wes Borland und Metal-Bands wie Slipknot, für die spezielle Maskierungen und Make-ups obligatorisch sind.

Hard Rock: heute

Im Gegensatz zu anderen vergleichsweise „jungen“ Formen des Rock, wie zum Beispiel dem Alternative Rock, ist Hard Rock keine Art der Musik, die heute von Mainstream-Radiostationen gespielt wird. Wenn, dann ist dies in der Regel nur der Fall, sofern der Song einer Hard-Rock-Band überraschend „soft“ klingt oder den Mainstream-Zeitgeist aufnimmt. Gute Beispiele hierfür sind etwa I Was Made for Loving You (1979) von KISS und „Behind Blue Eyes“ (2003) von Limp Bizkit.

Dennoch ist Hard Rock heute etwas, das die Massen begeistert und auch kommerziell überaus erfolgreich ist. Festivals wie das Wacken Open Air oder Rock am Ring ziehen jedes Jahr zehntausende Besucher an und werden mit Berichterstattung selbst in den Leitmedien bedacht. Populärkulturelle Dinge wie die Hard Rock Cafes oder Onlineshops wie EMP tragen ihr übriges dazu bei, dass Hard-Rock – sowohl die Musik selbst als auch die mit ihm assoziierten Symbole – mittlerweile ein musikalisches Phänomen darstellt, das im Mainstream angekommen ist.

Hard Rock: auf die Ohren, fertig, los

Schreibt uns doch gerne hier in die Kommentare oder auf Instagram eine Nachricht, welche Titel wir noch mit in unsere Playlist aufnehmen sollen!

Rupert ist ein Illustrator und Designer aus München. Er arbeitet seit seinem Designstudium als freischaffender Illustrator und Designer, national und international hauptsächlich in der Musikbranche und im Editorial Bereich. Mehr findet ihr unter: www.rupertgruber.com.

Folge ZEITjUNG auf Facebook, Twitter und Instagram!

Bildquelle: Rupert Gruber

Das könnte Dich auch interessieren