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Gloria im ZEITjUNG-Interview: „Die hatten noch nie erlebt, dass sich jemand für einen Disstrack bedankt.“

Gloria über volle Terminkalender, die Entstehung der Band und WG-Erfahrungen.

Es ist kurz nach 14 Uhr an einem sonnigen Spätsommertag, als es bei uns in der Schreinerei klingelt. Die Band Gloria, also Klaas Heufer-Umlauf und Mark Tavassol, scheinen pünktlich zu sein. Trotz Promotag wirken die Beiden entspannt, gut gelaunt. Die Begrüßung fällt zumindest schon mal herzlich aus. Beide stellen sich namentlich vor, obwohl natürlich klar ist, wer da vor uns steht. „Mein Sohn hat mir erklärt, dass wir zu Frauen besonders höflich sein müssen“, sagt Klaas und setzt sein typisches Grinsen auf. Der Sänger der Band ist natürlich hauptsächlich durch seine Arbeit als Moderator bekannt. Er moderierte mit Joko Winterscheidt Shows, wie „Das Duell um die Welt“ und „Circus Halli Galli“. Doch das ist Arbeit, Gloria allerdings begann für ihn als Freizeitprojekt und laut eigener Aussage die einzige Möglichkeit seinen guten Freund und Bandkameraden Mark Tavassol zu sehen. Mark selbst spielte früher bei „Wir sind Helden“. Bei Gloria kümmert er sich, neben dem alltäglichen Bandgeschäft, hauptsächlich um die Organisation der Band.

Nachdem die Beiden die Schreinerei gesehen und alle begrüßt haben, machen wir es uns im Nebenraum auf unseren grünen Couches bequem. „Darf ich euch Strom klauen“, fragt Klaas grinsend und zieht ein Handyladekabel aus seiner Jackentasche. Mit angestecktem Handy und offenem Spezi beginnen wir in dieser Runde unser Interview.

 

ZEITjUNG: Euer Name wurde durch ein Hamburger Cafe inspiriert in dem ihr euch gerne aufhaltet.

Klaas: Was heißt gern? Wir halten uns schon gern da auf, aber es ist auch das einzige Cafe, in dem man sich aufhalten kann, wenn man im Studio ist. Es liegt zwischen Marks Wohnung und dem Studio. Und in Produktionszeiten sind wir da peinlich oft.

 

Wie sieht dann eine typische Bestellung im Gloria aus?

Klaas: Wir bestellen da nach und nach alles, was die haben. Zu gewissen Uhrzeiten bieten sie andere Sachen an. Morgens Kaffee, abends Bier, zwischendurch Essen in allen Formen. Und unsere Körper bestehen nach den drei Alben zu 80 oder 90% aus dem, was die da anbieten. Wir waren jetzt häufiger in dem Etablissement gegenüber, um Essen zu holen – im türkischen Aydin Market. Und da haben wir uns ernsthaft überlegt, das neue Album vielleicht so zu benennen, was ich übrigens immer noch für eine gute Idee halte. Grinsend schweift sein Blick zu Mark.

Mark: Das Problem beim Aydin Market ist, dass man da ja nur Essen holt. Und ich hab in den letzten Monaten so viele 1-Liter Cola Flaschen mitgenommen und das Pfand noch nicht zurückgegeben, dass ich diese zwei Quadratmeter in meinem Studio einfach aufgegeben habe. Wir lachen kurz und blicken in Richtung der großen Pfandsammlung in unserem Büro. 

Klaas: In meiner ersten WG ist mir ein Glas Schattenmorellen runter gefallen und das ist unter die Einbauküche gerutscht. Da hab ich einfach die Küche abgeschlossen und zwei Jahre lang nicht betreten. Und das hat funktioniert.

 

Und wie war das dann beim Auszug?

Klaas: Oh. Der Auszug war sowieso hart. Ich hatte Fieber. Irgendwann standen dann drei Möbelpacker in meinem möbliert gemietetem WG-Zimmer. Und dann kam raus, dass die Möbel gar nicht meinem Mitbewohner gehörten. Das hat er aber vergessen mir zu sagen. Bis auf die Matratze und so einen Haufen Klamotten haben sie mir alles weggenommen. Und ich lag mit Fieber zwischen Wollmäusen auf dem Boden. Ich hatte nur noch einen alten Fernseher, eine Playstation und einen großen Haufen Kleidung.

 

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Der erste Track eures neuen Albums ist raus. „Immer noch da“ beschäftigt sich mit dem Rechtsruck der Mittelschicht und Filterblasen. Können wir uns auf ein politisches Album gefasst machen, oder bleibt das der einzig politisch motivierte Song?

Mark: Nein, das bleibt nicht der Einzige. Es ist aber auch kein rein politisches Album. Es gibt drei relativ eindeutig politische Songs. Wir werden beim Songwriting einfach häufig durch Dinge, die gesellschaftlich passieren, unmittelbarer beeinflusst. Geht es um persönliche Themen, so werden diese mit einem größeren zeitlichen Abstand in Songs verarbeitet, als die gesellschaftlichen. Wir überlegen uns auch, welcher Song repräsentativ für das Album ist. Dabei ist es wichtig, dass es inhaltlich passt. Das hätte auch unser einziger politischer Song sein können und wir hätten ihn trotzdem als erstes veröffentlicht.

 

Schreibt ihr denn alle Songs zusammen oder wie sieht die Arbeitsteilung bei euch beiden aus? Entsteht das Album komplett gemeinsam, oder übernimmt einer den Lead?

Klaas: Nein, komplett gemeinsam machen wir das nicht mehr. Man muss dafür natürlich auch die Geschichte der Band kennen. Wir haben ja, bevor wir das erste Album gemacht haben, schon 5 Jahre zusammen Musik gemacht. Ohne Ziel. Mark war noch mit „Wir sind Helden“ beschäftigt. Ich hatte auch viel zu tun. Die Band gegründet haben wir eher aus einem Konservierungsgrund. Wir haben gemerkt, dass wir zu unorganisiert waren. Die Richtung hat gefehlt. Also haben wir dann angefangen alles in ein Album zu bringen. Diese Arbeitsweise hat sich über die Zeit ein bisschen verändert. Aber heute können wir gut füreinander schreiben und miteinander sein, ohne neben einander zu sitzen.

 

Ihr habt beide viele andere Projekte – Welchen Platz nimmt Gloria in eurem Leben ein? Wie anspruchsvoll ist es so ein Band-Projekt am Laufen zu halten, trotz vollem Terminkalender?

Klaas: Wenn Mark die Platte produziert, muss er natürlich viel Zeit und nochmal andere Gedanken reinstecken. Aber man kann nicht Teil einer Band sein, wenn man dem nicht eine Priorität zuordnet. Mal nimmt es einen riesigen Platz ein, aber es nimmt nie keinen Platz ein. Uns beiden liegt Gloria sehr am Herzen, sonst macht man ja auch nicht drei Alben. Und gerade jetzt ist es halt besonders schön. Es macht halt einfach Spaß, am Ende der Arbeit eine neue CD in der Hand zu halten und sich auf die Konzerte vorzubereiten. Unsere Tour beginnt Ende November und ist vielleicht unser größter Antrieb. Es hat also eine große Priorität in meinem Leben und in Marks natürlich auch.

Mark: Für mich beinhaltet die Arbeit an Gloria ganz wechselhafte Intensitäten. In der Songwriting- und vor allem Produktionsphase ertrinke ich fast in meiner Arbeit und muss mit List und Tücke dafür sorgen, dass meine Motivation bestehen bleibt. Dann gibt es wieder Phasen in denen man glaubt, dass man Zeit hätte und sich regelmäßig verschätzt, um schließlich in die wirklich aufgelockerte Zeit zu gelangen. Das ist bei mir das Touren. Da wir immer 3-4 Tage Konzerte geben und 3-4 Tage zuhause sind, kann ich auch mal Schuhe kaufen gehen. Bei Klaas ist genau das wiederum die Zerreißprobe zwischen Musik und TV.

 

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Ihr hattet ursprünglich ja gar nicht vor eine Band zu gründen. Wie kam es dann letztendlich doch dazu?

Klaas lacht laut los. Einfach rein geraten. Ja. Man vergisst als Band, die nach einer gewissen Systematik arbeitet, häufig den Grund, warum man zusammen kommt und Musik macht. Doch es macht einfach total Bock. Wir haben uns lange zum Musik machen getroffen, um die Freundschaft zu kultivieren. Wir haben beide viel zu tun. Also wenn man der Wahrheit ins Auge blickt, würden wir uns sonst wahrscheinlich nicht so häufig sehen. Und durch Gloria, verbringen wir einfach viel Zeit miteinander und das ist schön.

 

Klaas, du bist ja durch das „Duell um die Welt“ und „Circus Halli Galli“ eher als der lustige ironische Moderator bekannt.

Was? Das ist mir neu…

 

…Na, in deiner Musik gibst du dich aber eher verletzlich und gefühlvoll. Wie passt das zusammen? Was ist deinem tatsächlichen Selbst am nächsten?

Das passt gar nicht zusammen, aber das muss es ja auch nicht. Und das ist ja der Punkt. Ich verstehe schon, dass man das von Außen so sehen kann. Ich aber empfinde das nicht als wahnsinnig andersartige Seite. Und Leute, die mich kennen, wundern sich da auch nicht drüber. Man kann durchaus alles gleichzeitig sein. Für einen gesunden Geist sollte man auch die Möglichkeit haben, sowohl dies, als auch das zu sein und zwar in einer Person.

 

Bei dem Circus Halli Galli-Disstrack hat auch Gloria ein paar Schläge abbekommen. Tat das ein bisschen weh?

Nein. Wenn das weh tut, dann machen wir was falsch. Außerdem kam der Disstrack ja nicht aus dem Nirgendwo, der lief ja in unserer Sendung. Ich hab mich sehr gefreut und hab jedem einzelnen Rapper danach noch Nachrichten geschrieben. Die waren sehr erstaunt darüber, weil sie noch nie erlebt hatten, dass sich jemand für einen Disstrack bedankt. Und Gloria muss da auch was abkriegen. Ich meine, wenn du nicht verarscht wirst, dann hast du auch was falsch gemacht.

 

Das heißt wir können keine Revanche erwarten?

Von Gloria? Ne, um Gottes Willen. Das wäre ja wie Peer Steinbrück, der auf Kabarett-Tour geht.

 

Das neue Album „Da“ gibt es ab dem 13.Oktober im Handel.

 

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