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Hassobjekt: Home-Office

Arbeiten von der eigenen Couch – für viele eine Traumvorstellung. Ich, liebes Home-Office, sehe deine schlechten Seiten. Und kann dich nicht ausstehen.

Jeder kennt sie, jeder hasst sie und doch brauchen wir sie wie die Luft zum Atmen: Nervige Klientele und unnütze Gegenstände des Alltags, über die man sich so richtig schön echauffieren kann – da geht es den ZEITjUNG-Autoren nicht anders. Deshalb lassen wir unserer Wut in der Reihe „Hassobjekt“ einfach freien Lauf und geraten überspitzt in Rage. Eins ist sicher: Nichts ist uns heilig und keiner wird verschont. Dieses Mal auf der Abschussliste: Das Home-Office.

 

Für viele liegt in dem Begriff eine Wunschvorstellung, das Non-Plus-Ultra der Erfüllung in 10 Buchstaben. Gehalt für lau, während man sich daheim im Bett räkelt und die Zeit totschlägt. Home-Office. Für mich liegt in diesem Begriff die Symbiose zweier Dinge, die ich eigentlich lieber getrennt hätte: Die Arbeit und das Zuhause. Home-Office, du gehst mir auf den Keks!

 

Zwischen YouTube und Staubsaugen kommt mal die Arbeit

 

Ich arbeite nicht gern Zuhause. Das mag jetzt nach wehleidigem Mimimi klingen, nach Jammern auf hohem Niveau, während ich mir bei meiner Lieblings-Playlist und Kuschelsocken meinen zehnten Kaffee aufsetze, bevor es zurück an den Schreibtisch geht. Zugegeben, diese Sache mit dem Home-Office klingt ja auch ganz gut, romantisch fast. Aber genau wie mit allem Romantischen gilt auch hier: Die Vorstellung ist deutlich schöner als die Realität. Denn während der Kaffee durch meine heimische Maschine läuft, läuft meine Konzentration Amok. Nicht nur, dass ich es nicht mag – Ich kann Zuhause nicht arbeiten. Ständig nämlich fällt mir was Besseres ein: Noch ein kurzes YouTube-Video anschauen oder das nächste Urlaubsziel googlen. Der Boden könnte auch mal wieder gesaugt werden… Und heute mach ich mal zwei Stunden Mittag, dazu eine Serie, das hab ich mir verdient. Daran, liebstes Home-Office, bist allein nur du Schuld.

 

Es fehlt der Fitnessstudio-Effekt

 

Zuhause muss ich mich mehr zum Arbeiten zwingen, als ich es im Büro oder der Uni jemals müsste. Ich nenne es den Fitnessstudio-Effekt: Bist du da, machst du was. Du bist ja schließlich extra hergekommen. Im Büro zwingt dich die Anwesenheit der Kollegen, in der Uni deine Kommilitonen und der muntere Takt ihrer Computertastaturen. Und Zuhause? Keiner. Denn du, verflixtes Home-Office, scherst dich wohl am wenigsten darum, wie hoch mein Arbeitspensum heute wieder war. Und gegen diese Gleichgültigkeit anzukämpfen, macht das Arbeiten daheim fast noch anstrengender als anderswo.

 

Arbeitest du noch oder wohnst du schon?

 

Und dann kommt irgendwann auch noch der Hüttenkoller. Home-Office ist ja ab und zu noch irgendwie okay, solange es nicht Alltag wird. Jeder Vollzeit-Student, jeder Vollzeit-Arbeitende träumt davon, mal für einen Tag im Bett liegen zu bleiben und an Ort und Stelle seinen Kram erledigen zu können. Ist das aber, wie bei mir, mehrmals die Woche Routine, fängt man an, es ganz schön zu verabscheuen. Und sich auf die Tage zu freuen, an denen man mal wieder in einen Büroraum darf. Du, verdammtes Home-Office, machst mir mein Zuhause kaputt! Und das Wohlgefühl, mit dem ich abends nach getaner Arbeit in die eigenen vier Wände komme, wo ich den Kopf abschalten und die Füße hochlegen kann. Denn wenn sich Arbeit und Freizeit einmal zu fest umarmt haben, kriegt man die beiden so schnell nicht wieder auseinander. Getreu dem Slogan eines schwedischen Möbelhauses muss man sich dann ständig fragen: Arbeitest du noch oder wohnst du schon?

 

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Bildquelle: Unsplash unter CC0 Lizenz

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