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Zum Heiland mit LCAW: „Zwei Wochen Berlin reichen mir dann auch“

Wir haben mit dem DJ LCAW bei einigen Gläschen Heiland über klassische Musik, wahre Freundschaft und den Drang nach Perfektion gesprochen.

Von Catharina Prott und Julia Niedermeier

 

Leicht verspätet kommt der 21-Jährige Münchner Leon Weber in unsere Schreinerei. Tiefenentspannt und so ganz und gar nicht abgehoben, nimmt Leon auf unserem schwarzen Ledersofa Platz und kippt ein Gläschen Heiland mit uns weg: Ein junger, bodenständiger Typ, der derzeit groß Karriere macht und das nicht nur in Deutschland. Unter dem Künstlernamen LCAW reist der Elektro-DJ mit seinen klassischen Wurzeln durch die Weltgeschichte und spielt seine Tracks und Mixtapes auf sämtlichen Festivals. Die Besonderheit an seiner Musik? Er verbindet Klassik mit Elektro und lässt dabei Klänge des Indiepops entstehen. Neben dem Mixen an den Turntables spielt der junge Mann Cello, Klavier, Gitarre und Schlagzeug – ein kleines Multitalent, dieser Herr Weber. Gerade kommt er direkt aus Chicago, wo er den Amis gezeigt hat, was ein Münchner so drauf hat. 

 

ZEITjUNG: Du kommst ja gerade aus Amerika und bist relativ frisch gelandet, richtig?

LCAW: Ja genau, ich war in Chicago. Bin schon am Donnerstag wieder gelandet und der Jetlag ist glaube ich seit heute wieder weg.

Wie war’s? Warst Du nur in Chicago oder warst Du sozusagen auf einwöchiger Amerika-Tour?

Ich hab’ dort auf dem „UpNorth Festival“ gespielt. Eigentlich war das gar nicht direkt in Chicago, sondern in Michigan und von dort aus auch nochmal 400 Meilen entfernt. Das Ganze war also in der Mitte vom Nichts. Ich musste nach Chicago fliegen, über Nacht in Chicago bleiben und dann nach Traverse City – voll in die Pampa.

Hat sich der Aufwand gelohnt? War’s gut?

Es war super! Das Festival gab es zum ersten Mal. Ich glaube, da waren so 4.000, 5.000 Leute. Ich habe dort viel Musik gehört, die ich in meinem Leben noch nie zuvor gehört habe, wie zum Beispiel Glitch Hop. Da machen Leute einfach Headbanging zu elektronischer Musik – das war also definitiv eine Erfahrung.

Deine Kürzel sind ja LCAW – das steht ja für deinen Namen richtig? Leon … Weber – was kommt dazwischen?

Das könnt ihr ja mal versuchen zu erraten.

Constantin Anton?

Christoph Alexander

Findste nicht gut?

Doch, an sich schon, aber die meisten schlagen Carlo Amadeus oder sowas vor.

Du warst ja nicht nur in Amerika, sondern auch schon in Asien, Australien und bist ansonsten auch sehr viel um die Welt gekommen. Wo hat es dir bisher am besten gefallen?

Die Australien-Tour war ziemlich genial. Da war ich vier Wochen am Stück unterwegs und das war das erste Mal, dass ich so lange auf Tour war. Direkt danach war ich in Asien, von da aus ging es weiter nach New York und dann wieder zurück nach München. Das war bisher die krasseste Tour.

Jetset-Leben?

Ja, schon ein bisschen (lacht). Sogar mit 12 Stunden Zeitverschiebung von Shanghai nach New York, das war echt übel!

Ist München nach all den Touren immer noch deine Heimat, dein Hafen, deine Base?

Total! Ich komme hier nicht weg, selbst wenn ich es versuche. Ich wollte schon mehrfach nach Berlin ziehen, aber irgendwie ist bei mir immer nach zwei Wochen eine gewisse Grenze erreicht. Mehr geht dann einfach nicht und dann kommt man zurück nach München – das ist so entspannend!

Dein aktueller Track ‚Painted Sky’ handelt ja hauptsächlich von einer gewissen unerfüllten Perfektion, nach der jeder strebt, frei nach dem Motto: Sky is the Limit. Hattest du das auch schon, dass du dich in den Track wirklich reinleben konntest, oder hattest Du hinter dem Track eine andere ganz spezielle Message?

Ich habe das halt auf die Situation damals ziemlich gut beziehen können. Ich produziere jetzt seit drei Jahren elektronische Musik und mit der Zeit habe ich gemerkt, dass die Erwartungen an die Musik extrem schnell gestiegen sind und man dann technisch auch echt hinterherkommen muss. Ich habe mich dann auch wirklich 13, 14 Stunden am Tag ins Studio gesetzt, damit das am Ende genau so klingt, wie ich mir das vorstelle. Irgendwie gibt es dann diesen Moment, wo man erkennt, dass es gar nicht technisch perfekt klingen muss, solange es richtig wirkt und solange die richtigen Elemente stimmen. Genau das haben Martin (Der Sänger von ‚Painted Sky‘, Anm. d. R.) und ich versucht, musikalisch umzusetzen.

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