Toleranz am Arsch! Der Hipster als Symbol für unser Unvermögen

Egal ob Angestellter einer Werbeagentur, passionierter Fixie-Fahrer oder Kunst- und Kulturbanause: Irgendwie passen sie da alle rein, in dieses Hipstertum. So richtige Klarheit scheint es bei diesem Begriff nicht zu geben. Die „Hipster-Karte“ wird immer dann ausgespielt, wenn es um eine Gruppe junger Menschen geht, die anders ist als der Rest. Klar, der Mensch braucht seine Gruppen innerhalb der Gesellschaft. Was wären wir schon ohne Punks, Emos, Nerds, Zocker und in Zukunft vielleicht auch Pokémons. Der Hipster ist ein Phänomen unseres Schubladendenkens. Eine Schublade jedoch, in die die Wenigsten rein wollen.

Der Begriff kommt, aufgeladen mit Spott und Verachtung, von außen. Wir bezeichnen Hipster als solche, wenn sie aus dem Raster fallen. Die beiden da vorne haben ihre enge Hose hochgerollt, einen Jutebeutel am Arm und eine Brille auf? Das können doch nur Hipster sein! Und damit ist nichts Positives gemeint. Hipster ist gleich Vorurteil. Brille, Beutel und enge Jeans ergeben also tatsächlich einen Stil, den wir verspotten. Wo bleibt da diese sogenannte Toleranz und Offenheit, die wir als junge Generation so wertschätzen?

 

Der Neid in Person

 

Es stellt sich einfach die Frage: Warum haben wir so ein Problem mit ihm, diesem Hipster? Er greift uns doch in keiner Weise an. Es ist der Neid, der uns dazu bringt, andere so zu nennen. Wir sind neidisch auf den Mut dieser Menschen. Sie zeigen uns in persona unser Unvermögen. Das Unvermögen, Risiken einzugehen und in der Gesellschaft etwas Neues zu wagen. Sie entwickeln neue Trends, probieren sich aus und scheißen auf die Meinung anderer. Wer würde so nicht gerne selber sein? Ebenso wild, mutig und authentisch im großen Dschungel des 21. Jahrhunderts. Wir würden als Gesellschaft auf der Stelle treten, gäbe es sie nicht: Diejenigen, die mutig genug sind anders zu sein. „Wo der Hipster ist, ist vorn. Als Agent der Gegenwart wird er heute mehr gebraucht denn je“, schreibt Jens-Christian Rabe in seinem Essay „Gegenwärtigkeit als Phantasma. Über den Hass auf Hipster“.

 

Massentauglicher Trendsetter

 

Natürlich, überall gibt es Mitläufer, die nur auf den bereits fahrenden Zug aufspringen und wahrscheinlich sind wir selbst welche. Vor ein paar Jahren noch mit Kopfschütteln und dem Wort „Hochwasserhose“ verteufelt, rollt nun gefühlt jede/r Zweite die Hose hoch. Vorher verspottet, wurde dieser Style nun von der Masse übernommen. Hipster sein heißt also auch Trendsetter sein? Es scheint so.

Doch wenn ich mir einen Bart stehen lassen möchte, den Jutebeutel ganz praktisch finde und meine Brötchen als Werber verdiene, bitteschön. Wer könnte sich daran stören? Nur der gute alte Miesepeter, voller Angst vor Neuem und unglücklich mit der eigenen Lage. Toleranz sollte auch hier großgeschrieben werden. Denn vielleicht geht der oben beschriebene Hipster auch nur einkaufen und mag keine Plastiktüten.

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