Brent, 27, kämpft für mehr Aufklärung bei Depressionen

Auf der Website der Non-Profit Organisation „Hope for the Day“ tickt eine Uhr. 40 Sekunden lang. Dann beginnt sie von vorne. Unter der Uhr steht ein einziger Satz: Alle 40 Sekunden nimmt sich ein Mensch das Leben.

Suizidprävention und Metalmusik

„Hope for the Day“ setzt sich weltweit für eine bessere Aufklärung beim Thema Depression und Suizidalität ein. Dafür gehen Helfer der Organisation beispielsweise auf Konzerte, besonders im Metal und Core Bereich und verteilen Flyer. Wer an Konzerte denkt, denkt an Musik, an Tanzen, Spaß mit Freunden und Bier trinken. Depressionen passen da nicht ins Bild, passen sowieso eigentlich nie. Über psychische Krankheiten wird nicht gesprochen, das ist trotz zahlreicher Versuche, das zu ändern, leider immer noch so. ZEITjUNG hat mit Brent von „Hope for the Day“ über die Organisation und ihre Ziele gesprochen.

Aufmerksamkeit gegen den Suizid

Die Geschichte von „Hope for the Day“ beginnt damit, dass der damalige Chef des Gründers Jonny Boucher Selbstmord beging. Jonny begann, sich für mehr Aufklärung einzusetzen – vor allem in der Szene, in der er zuhause ist. Punk, Metal und Core Musik. Je mehr er über seine Erfahrungen und Erlebnisse sprach, umso mehr bemerkte er, wie die Menschen um ihn herum begannen, offener mit dem Thema umzugehen. Jonny gründete ein Team aus Medizinern, Anwälten und Unterstützern in Chicago, um mit mehr Aufmerksamkeit und Achtsamkeit gegen die Krankheit anzukämpfen.

Musik sagt mehr als Worte

Der 27-jährige Brent Schroeyens kam durch Zufall zu der Gruppe. Er machte zu dem Zeitpunkt selbst eine schwierige Zeit durch, mehrere seiner Freunde hatten sich das Leben genommen. Auf einem Konzert hörte er Jonny von „Hope for the Day“ sprechen und war sehr berührt. Er nahm Kontakt auf und versprach, mitzuhelfen, sollte „Hope for the Day“ jemals nach Europa kommen. Heute arbeitet er als europäischer Manager der Gruppe.

„Darüber reden hilft immer“

„Das Schwerste ist es, darüber zu sprechen“, erzählt Brent. „Wenn du jemanden verloren hast, tut es sehr weh darüber zu sprechen. Umso schwerer ist es dann, auf einer Bühne zu sagen, wie es sich anfühlt. Aber du musst es tun, um dich irgendwann besser zu fühlen. Darüber reden hilft immer.“ Warum das Projekt ausgerechnet in der Metal-Core Musikrichtung beheimatet ist, erklärt sich Brent über die Songtexte der Musik. „Du musst auf die Lyrics hören“, meint er, „die Texte in diesen Genres sprechen häufig von persönlichen Krisen, dem Aufgeben und dann letztlich doch der Bewältigung von Krisen“. Darum geht es auch in dem Projekt. Zu zeigen, dass es nach einem Tief immer wieder bergauf gehen kann. Brent schließt aber nicht aus, dass die Gruppe in Zukunft auch auf Konzerten anderer Musikrichtungen vertreten sein wird. „Je mehr Menschen wir erreichen, desto besser“, sagt er. „Wir alle haben mal harte Zeiten durchgemacht, wir alle haben uns mal irgendwie anders gefühlt als der Rest“. Er glaubt an die heilsame Kraft der Musik. „Musik spricht auf eine Art und Weise, wie nur Worte es nicht können“, meint Brent. Daher mache die Verknüpfung des Projektes mit Konzerten auch so viel Sinn. Musik und Gespräche gemeinsam können wie eine Art Bewältigungstherapie wirken, findet Brent.

„It’s okay not to be okay“

Heute organisiert „Hope for the Day“ Festivals, Konzerte, Workshops – alles, um gegen die Stigmatisierung der Krankheit anzukämpfen. Auf Konzerten sind sie mit einem Stand vertreten, im Internet bieten sie Informationen zur Suizidprävention über ihre Website an. Unter dem Slogan „it’s okay not to be okay“ verkaufen sie Shirts, Sticker und andere Marketing-Artikel, um ihre Botschaft zu verbreiten. Die Botschaft, dass es in Ordnung ist, sich mal nicht gut zu fühlen. Und dass Hilfe immer da ist, wenn man sie braucht.

Einhunderteinundzwanzig

Die Zahl, die über allem steht, ist 121. Jeden Tag bringen sich alleine in den Vereinigten Staaten 121 Menschen um. Jeder vierte erwachsene Mensch aus Amerika hat schonmal eine mentale Krise durchlebt. Diese Zahlen möchte „Hope for the Day“ senken. Dadurch, dass sie den Betroffenen die Möglichkeit geben, über ihr Leiden zu sprechen und ihnen zeigen, dass es einen Weg aus ihrer Krise gibt.

Ab Anfang November ist die Organisation im Rahmen der Tour „Never say Die“ auch in Europa unterwegs, um gegen das Stigma der Krankheit zu kämpfen.

„Hope for the Day“ möchte jedem zeigen, dass er mit seinen Problemen nicht alleine ist. Jedem Menschen die Möglichkeit geben, über seine Ängste und Sorgen zu sprechen. Wenn ihr an Depressionen oder depressiven Verstimmungen leidet, oder jemanden kennt, der gerade betroffen ist, zögert nicht, euch Hilfe zu holen. Sich jemandem anvertrauen, mit jemandem sprechen, kann oft schon eine große Last von den Schultern nehmen. Beispielsweise findet ihr über diese Telefonnummer Hilfe.

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Bildquellen: Hope for the Day

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