Der Horror des Unbewussten – Was unsere Albträume bedeuten

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Ein Dämon, hier ein Alb oder Incubus, sitzt auf der Brust einer schlafenden Frau, wie ergeben hängt sie kopfüber über der Bettkante. Nicht nur, dass er unsere Furcht von dem Unbewussten treffend in Szene gesetzt hat – er zeigt die Frau darüber hinaus auch in ihrem REM-Schlaf. Der Moment, in dem wir träumen und uns durch fast nichts aufwecken lassen können. Auf Hochtouren arbeitet während dieser Phase dagegen die Amygdala – der Teil des Gehirns, der starke, negative Emotionen wie Angst verarbeitet.
Motive, die uns im Schlaf Angst machen, gibt es zahlreiche. Der Klassiker ist das Fallen in einen Abgrund, das Verlieren von wichtigen Dingen, das Verpassen von lebenswichtigen Terminen – oder der Overkill: Nacktsein vor einer großen Menge. Das ist uns schrecklich unangenehm, aber wir verkraften es einigermaßen, wenn wir morgens panisch aufwachen und checken, dass wir im Bett liegen und unsere Klamotten anhaben. Dann gibt es aber auch die Art von horrorhaften Albträumen, in denen unser Leben bedroht wird, oder noch schlimmer – in denen ein geliebter Mensch stirbt. Das sind oft genau die Situationen, in denen unser Handy zerspringt oder wir kein Netz bekommen und somit keine Hilfe holen können.

Freud würde sagen: Ganz klar ein Fall von Penisneid

Von Traumdeutung habe ich nie viel gehalten. Viel eher muss ich immer an Sigmund Freud denken, der es in der Traumdeutung immer wieder geschafft hat, in Albträumen eine Art Zensur unserer verdrängten Wünsche zu erkennen – was im Klartext heißt: es geht hier um Sex. Und um deine Kindheit. Ab auf die Couch.

Ich will nicht behaupten, ich würde mich wesentlich besser mit der Deutung meiner Träume auskennen. Aber ich kann fast ausnahmslos einen Zusammenhang zu meiner aktuellen Lebenssituation herstellen. Vor einigen Monaten träumte ich von einer massiven Bedrohung eines geliebten Menschen – als ich in der Früh panisch nachfragte, ob bei der Person alles gut sei, erzählte sie mir von einer Krebsdiagnose am Vortag. Natürlich kann man diese Art der Verbindung auch Zufall nennen, aber meistens liegt es bei genauerem Einfühlen auf der Hand, was ein Traum bedeuten könnte.

Wilde Tiere symbolisieren unsere Gefühle und Aggressionen

Wenn mir wilde Tiere in Träumen begegnen, symbolisieren sie meist all meine unguten Gefühle, eine unterdrückte Wut oder Ängste, die mir davor vielleicht gar nicht bewusst waren. Wie wir alle, träume ich von Menschen, bei denen ich weiß, wer sie sind, obwohl sie ein komplett anderes Aussehen haben. Und oft fliehe ich vor diesen Verfolgern in ein vertrautes Umfeld – das ist manchmal mein Elternhaus, meine Schule oder ein weiträumiger Saal. Psychologen und Traumdeuter legen Flucht in ein vertrautes Umfeld als Wunsch nach Geborgenheit aus, während große Räume tendenziell eher das Bedürfnis nach Freiraum symbolisieren.

Eine Bedrohung meines Lebens stellt mich natürlich auch immer vor die Frage: Wohin kann ich rennen, wohin kann ich laufen, wo kann ich mich verstecken? Wem kann ich vertrauen? Kann ich mir selbst trauen? Und ich kann mich fragen: Warum fühle ich mich verfolgt? War jemand übergriffig? Entweder körperlich oder verbal? Suche ich Zuflucht bei jemandem, der sich letztendlich selbst als Monster herausstellt, kann ich mich fragen: Bin ich enttäuscht von jemandem? Wenn ja, warum?

Macht eurem Partner keinen Vorwurf, wenn er euch im Traum betrügt.

Oft träumen wir auch von Betrug oder Unzuverlässigkeit, zum Beispiel dass unser Boy oder unser Girl uns betrügt… in diesem Fall sollten wir jedoch auf keinen Fall die Schuld beim Anderen suchen, sondern vielmehr unser eigenes Päckchen untersuchen. Fühlen wir uns unsicher? Haben wir etwas nicht angesprochen, wünschen wir uns mehr Nähe? Leiden wir unter einer posttraumatischen Belastungsstörung, zeigt sich oft, wie stark Albtraum und Realität manchmal zusammenhängen können – und wir können uns darauf verlassen, dass uns solche Trauminhalte verfolgen, bis wir dahinter schlummernde Traumata verarbeitet haben. Menschen mit Depressionen formen ihre Konflikte und Sorgen häufig im Traum zu einem symbolischen Gebilde zusammen.

Was können wir gegen Albträume tun?

Auf keinen Fall sollten wir versuchen, unsere Albträume zu vergessen oder zu verdrängen. Holt uns ein Traum solcher Art mehr als einmal die Woche ein, kann es uns stark helfen, sie aufzuschreiben und uns aktiv mit dem nächtlichen Horrorfilm auseinander zu setzen – das kann uns zumindest etwas entlasten. Manchmal hilft auch ein Gedankenexperiment: Wie müsste unser Traum ablaufen, damit er uns weniger Angst einflößt?

Vielleicht stelle ich mich das nächste Mal meinem Verfolger solange entgegen und brülle ihm in sein bestimmt unheimlich hässliches Gesicht, bis er mich in Ruhe lässt.

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Bildquelle: Der Nachtmahr; Titelbild via Pexels unter cc0-Lizenz