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Kris, 21, arbeitet als junge Frau im Handwerk

Im Jahr 2012, also nur drei Jahre, bevor Kris ihre Ausbildung begann, waren nicht einmal 6% der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge in ihrem Beruf Verträge mit Frauen.

Sie habe sich schon immer für Handwerk interessiert, erzählt mir Kris, mit der ich über ihre Erfahrungen in ihrem Beruf quatsche. Denn auch, wenn man meinen könnte, dass das Geschlechterverhältnis in der Berufswelt im Jahre 2019 gelockert sein sollte, hat Kris es als junge Industriemechanikerin nicht immer leicht. Was sie auf der Arbeit erlebt und was sie jungen Frauen empfiehlt, die auch Lust haben, in ihrer Branche Fuß zu fassen, erzählt sie ZEITjUNG bei einem Kaffee.

 

ZEITjUNG: Du hast dieses Jahr, als eine der wenigen Frauen, deine Ausbildung zur Industriemechanikerin beendet. Dein Job gilt immer noch als ein typischer Männerberuf. Wie war das, als du dich entschieden hast, in diese Richtung zu gehen?

Kris:Ich habe nach der Schule zuerst ein freiwilliges soziales Jahr gemacht und mich dann beworben, weil ich Handwerk schon immer toll fand und darin auch ganz gut war. Ich habe mich mit zwanzig anderen in der Firma beworben – alles Männer. Dann wurde ich mit vier anderen Jungs zum Probearbeiten eingeladen. Eine Woche später wollten die in der Firma dann mit mir reden. Dann wurde mir gesagt, dass sie schon Mal zwei Mädels als Auszubildende hatten, die sich wohl nicht benommen und die Ausbildung auch nicht durchgezogen haben. Die haben mir dann erklärt, dass ich keine langen Fingernägel auf der Arbeit haben dürfe, haben gefragt, ob Sicherheitsschuhe für mich in Ordnung sind. Ich habe denen gesagt, dass ich kein Schickimicki brauche. Die wollten dann noch 10 Minuten Bedenkzeit. Danach meinten sie zu mir, sie würden es jetzt noch einmal mit einem Mädchen versuchen. Wenn es mit mir nicht klappt, würden sie nie wieder eins nehmen. Jetzt habe ich die Ausbildung in der praktischen Prüfung mit eins absolviert, als erste Azubine in der ganzen Firma und habe sozusagen bewiesen, dass es geht.

Was haben deine Freund*innen und deine Familie gesagt?

Die fanden das alle gut und viele fanden es auch erstaunlich, dass ich jetzt so einen “Männerberuf” wähle, waren aber auch irgendwie stolz, dass ich gerade als Frau sowas mache. Leute die ich dann kennengelernt habe, haben sich dann schon gewundert.

Einige Frauen im Handwerk beklagen, dass ihre Talente in der Kindheit nie gefördert wurden, weil sie in andere Schubladen gesteckt wurden. Wie war das bei dir?

Meine Mutter hat das immer schon unisex betrachtet, nach dem Motto: Mach was du möchtest, wenn du glücklich damit bist. Mein Vater hat oft hinterfragt, ob das das Richtige ist und ob ich nicht doch lieber im Büro sitzen möchte. Aber das ist nicht so. Ich brauche etwas zum Anfassen und möchte sehen, was ich getan habe.

Denkst du, dass du als Frau auf der Arbeit manchmal anders oder benachteiligt behandelt wirst?

Ja. Wenn ich Dinge trage, die etwas schwerer scheinen, kriege ich direkt Hilfe angeboten. Das ist auch total nett, aber das sind manchmal so Dinge, die kriege ich auch selbst hin. Wenn es doch anstrengender ist, dann würde ich mir auch Hilfe holen. Es sind so viele Dinge, auch Sprüche. Ich werde oft auf mein Geschlecht reduziert, zum Beispiel auf meine Brüste.

Kris

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