Kris

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Hand aufs Herz: In Zeiten von #metoo ist es kein Geheimnis mehr, dass viele Frauen auf der Arbeit sexuelle Belästigung erfahren. Hast du auch solche Erfahrungen gemacht?

Ja, da gibt es viele Dinge. Einmal stand ich zum Beispiel in der Werkstatt am Tisch, ein Kollege hat sich hinter mich gestellt, mich am Nacken gepackt und “Na, du geiles Stück” geflüstert. Das Durchschnittsalter ist 45 bis 50, ich war da gerade 19 oder 20. Nach meiner Prüfung sagte ein Kollege zu mir, dass ich die eins in der praktischen Prüfung durch einen Blowjob bekommen hätte. Ein Kollege hat mir vor ein paar Wochen zum Beispiel auf den Hintern gehauen und als ich meinte, dass er es bitte lassen soll, sagte er, er sei zu alt und wüsste nicht, was er tue.

Wie reagierst du auf sowas?

Am Anfang habe ich ernsthaft meinen Ausbilder gefragt, ob ich im Recht bin, mich in meinem eigenen Körper unwohl zu fühlen, wenn mich jemand so behandelt. Im Nachhinein wurde mir dann klar, wie krass es ist, dass ich mich selber fragen muss, ob es okay ist, dass ich mich unwohl fühle. Später hatte ich schon mehr Selbstvertrauen und habe denen dann gesagt, dass sie mich lassen sollen. Am Anfang habe ich auch darauf geachtet, dass ich keine engen Sachen anziehe, aber irgendwann wurde mir auch das egal. Ich sehe halt so aus, wie ich aussehe und das kann und will ich nicht mehr verstecken.

Denkst du, dass sexuelle Belästigung in Handwerksbetrieben öfter passiert, als in anderen Branchen?

Ich würde mal sagen, im Handwerk ist man lockerer drauf. Viele denken, dass man sich nicht an so viele Regeln halten muss, auch, wenn es Richtlinien gibt, die dann aber ignoriert werden. Zum Beispiel keine sexuelle Belästigung oder Diskriminierung wegen sexueller Orientierung, Aussehen oder Herkunft. Da werden dann schon öfter Sprüche gebracht.

Wünscht du Dir, dass das bestehende Geschlechterverhältnis in der Branche gelockert wird?

Ja, das ist auf jeden Fall wichtig. Ich habe gemerkt, dass man es als Frau schaffen kann. Man wird dann zwar mit besonderen Augen angesehen, aber es stärkt auch das Selbstbewusstsein.

Was würdest du jungen Schulabgängerinnen raten, die sich für einen ähnlichen Beruf wie du interessieren?

Wirklich darüber nachdenken und sich einfach trauen, so einen Beruf zu wählen. Nicht auf die Eltern hören, wenn die einem andere Dinge einreden wollen, die zu einer Frau angeblich besser passen würden. Am Ende macht einen doch immer das am Glücklichsten, was einem wirklich Spaß bringt und erfüllt. Wenn sich das endlich viele Frauen trauen, haben die Männer und vor allem die Gesellschaft vielleicht eines Tages eine neutrale und respektvollere Sicht dafür. Für meinen Teil bin ich durch diesen Beruf unglaublich aus mir herausgekommen und gehe darin total auf. Wenn ein Mädchen also Bock auf Handwerk hat, warum nicht? Es geht!

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Bildquelle: Joelle Westerfeld

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