Klimawandel: Keine Babys sind auch keine Lösung

Mutter auf Wiese mit Baby

Im November 2016 veröffentlichten wir einen Artikel mit der Überschrift „Du willst den Klimawandel stoppen? Dann bekomm keine Kinder!“. Seither ist viel Zeit vergangen. Die Grünen kandidieren für die Kanzlerschaft, Australien brennt, Texas erfriert und in Deutschland reißen kleine Bäche ganze Ortschaften mit sich. Gleichzeitig scheint die Pandemie bei vielen Paaren den Nestbautrieb angeregt zu haben.

Wenn draußen die Welt untergeht, dann machen wir es uns wenigstens schön. Und so sind Hebammen, Krabbelgruppen und Kinderkrippen bereits jetzt Mangelware.

Während die Geburtenzahlen in der ersten Hälfte des Winterlockdowns noch sanken, stiegen sie in den Frühlingsmonaten wieder stetig an. Verschiedene Forscher prognostizieren für den Sommer sogar einen Babyboom. Spannend ist auch, wie sehr sich die Lage in den einzelnen Ländern unterscheidet. So stiegen die Zahlen in den USA stetig an, während Europa eher ein gemischtes Bild abgibt. Krisengebeutelte Länder wie Frankreich und Spanien sinken seit 2020 in ihren Geburtenzahlen. Deutschland unterliegt starken Schwankungen und Norwegen blieb nahezu unbeeindruckt von der erzwungenen Zweisamkeit der Pandemie.

Besonders interessant wird es nun jedoch, wenn man nicht nur die Statistiken betrachtet, sondern darüber hinaus Befragungen des vergangenen Jahres mit hinzuzieht. Denn während die einen um Existenz und Zukunft bangten, beschlossen die anderen den Fokus auf die positiven Seiten des Lockdowns zu legen und nutzten das Homeoffice für die Nachwuchsplanung. Die Einkommensunterschiede sind hierbei mehr als deutlich erkennbar. Denn wer keine finanziellen oder gesundheitlichen Sorgen hat, für den ist die plötzliche Freizeit ein mehr als willkommenes Geschenk.

Selten führte uns eine Krise Klassenunterschiede mehr vor Augen als in der Covid 19-Pandemie. Kinder muss man sich leisten können. Und somit wird Kinderkriegen zur Glaubensfrage. Ist eine Schwangerschaft die radikal egoistischste oder hoffnungsvollste Entscheidung, die man 2021 treffen kann?

Meine Generation scheint verwirrt. Wo dir von Eltern, Großeltern und Freundeskreis so langsam die Frage gestellt wird, wann man denn mal anfangen wolle mit dem Erhalt des Stammbaums, lacht dir auf der anderen Seite Covid und der Klimawandel dreckig ins Gesicht. Willst du das wirklich riskieren?

Und ganz so im Unrecht scheint diese Stimme des Gewissens nicht zu sein, denn bereits 2017 verkündeten die Environmental Research Letters, dass die Menschheit gut daran täte statt zwei Kindern pro Haushalt nur eins in die Welt zu setzen. Denn jedes Kind würde die CO2-Bilanz der Eltern um genau 9.441 Tonnen steigern. Eine kleine Spende zu Gunsten der Klimakompensation, wie bei Inlandsflügen, reicht da wohl nicht mehr aus.

Dorfkind und Wunschgroßstädterin. Veganerin mit Vollmilchschokoladen-Problem. Indie-Fan mit Schlager-Playlist. Frühaufsteherin mit Nachtschwärmersyndrom. Pragmatikerin mit dem Kopf in den Wolken. Unterm Strich: Genauso verloren in meinem Lebensentwurf, wie es meiner Generation immer nachgesagt wird.