Disability Pride Month: Von Behinderten und Verbündeten

Zwei junge Frauen, eine davon mit Down-Syndrom, sitzen am Tisch und frühstücken.

Wenn im Juni jedes Jahres bunte Paraden durch die Großstädte ziehen, Großkonzerne neue Produkte im Regenbogen-Design veröffentlichen und die mediale Präsenz queerer Menschen plötzlich rasant anzusteigen scheint, weiß jede*r Bescheid: Es ist wieder Pride Month. 30 Tage lang macht die LGBTQIA+-Community auf ihre Vielfältigkeit aufmerksam und nutzt gleichzeitig die Chance, um gegen Benachteiligungen und Diskriminierungen zu protestieren – ein Projekt, welches mittlerweile im Mainstream angekommen ist. Die wenigsten wissen allerdings, dass auf den Juni gleich der nächste „stolze Monat“ folgt, und zwar der der Behinderten. Auch diese Statusgruppe hat Forderungen an Gesellschaft und Politik, die in den letzten Jahren oft nicht ernst genommen wurden.

Den Disability Pride Month gibt es offiziell noch nicht allzu lange: Anlässlich des 25-jährigen Bestehens des „Americans with Disability Act“ erklärte der New Yorker Bürgermeister Bill de Blasio den Juli 2015 erstmals zum Monat der Behinderten. Zuvor hatten sich in den USA jedoch bereits verschiedene soziale Bewegungen gebildet, die unter anderem gegen die Diskriminierung behinderter Menschen vorgingen und den Begriff „Disability Pride“ als Zeichen ihres Zusammenhalts verwendeten. Wie auch bei der Gay Pride geht es behinderten Menschen während des Disability Pride Month darum, ihre Zugehörigkeit zur Gesellschaft auszudrücken und sich gleichzeitig als Mitglied einer bestimmten Statusgruppe zu erkennen zu geben. Die Behinderung wird dabei nicht als Einschränkung angesehen, sondern repräsentiert einen Teil der eigenen Identität, der mit Stolz und Selbstbewusstsein akzeptiert werden kann. Während des Pride Month werden Möglichkeiten des Austauschs und der Vernetzung mit anderen Menschen geschaffen, zudem gibt es Aktionen, durch die das öffentliche Bewusstsein für die Situation behinderter Menschen gestärkt werden soll.

In Deutschland ist die Disability Pride-Bewegung noch lange nicht so ausgereift wie in den Vereinigten Staaten: In Berlin findet einmal jährlich eine „Pride Parade“ statt, einen offiziellen Pride Month gibt es bislang nicht. Viele Behinderte sehen in der Etablierung eines solchen Monats jedoch eine Chance, ihre Anliegen einer breiteren Masse zugänglich zu machen. „In Deutschland haben wir leider immer noch das Mindset, dass wir uns für unsere Behinderung schämen und verstecken müssen“, so die Studentin Paula Stübs im Interview mit jetzt.de. Sprache, Infrastruktur, Gesetze; die politischen und sozialen Barrieren, mit denen Behinderte beinahe täglich konfrontiert werden, lassen sich kaum an einer Hand abzählen. Durch einen Pride Month würde sich die Sichtbarkeit der Statusgruppe erhöhen, Stigmata könnten abgebaut, Vorurteile überwunden werden.

Aufgewachsen im Münsterland, zwischen Bauernschaften, Fahrrädern und Dorfpartys. Schreibt seit dem Kindergartenalter, von Kurzgeschichten bis hin zu News-Artikeln, liebt Musik, Sonne, gutes Essen und Gespräche über Gott und die Welt.