Laura Schwengber, 28, dolmetscht Musik für Gehörlose

Laura Schwengberg Gebärdensprache Dolmetschen Konzert Bühne

 

Schlechte Shows für alle!

 

Wie Gehörlose Musik wahrnehmen, weiß Laura natürlich nur aus Erzählungen. Und genau da liegt auch ein häufig genannter Kritikpunkt: Wieso dolmetscht ein Mensch ohne Behinderung? Dem kann sie nichts entgegen, doch sie versucht, ihr Team so divers wie möglich aufzustellen und taube Acts zu pushen. Worüber sich die einen beschweren, bin ich persönlich sehr froh. Denn anders könnte dieses Interview heute gar nicht stattfinden. Immerhin kann sie so diejenigen sensibilisieren, die in ihrem Alltag eben nicht damit konfrontiert sind.

 

 

Laura Schwengberg Gebärdensprache Dolmetschen Konzert Bühne

 

Wer denkt, alle Gehörlosen sind happy, weil es überhaupt jemanden gibt, der dolmetscht, liegt falsch. „Es reicht nicht mehr, einfach nur ein bisschen Barrierefreiheit anzubieten und es nett zu meinen. Deshalb ist mein Anspruch: barrierefrei und gut!“ Die Qualität ist Laura unglaublich wichtig. Um sich ständig zu verbessern, lädt sie sich Kritiker ins Publikum ein, die ihr später Feedback geben.

Im Moment bedeutet Barrierefreiheit Ermäßigungen, aber das Ziel ist, den Normalpreis verlangen zu können, dafür aber vollständige Barrierefreiheit zu bieten. „Wenn der Sänger dauernd den Text vergisst, ist das eine schlechte Show. Aber dann wird meine Übersetzung auch schlecht. Und das ist fair. Schlechte Shows für alle!“

 

Die Heldin des Festivals

 

Vor Kurzem war Laura auf dem Puls Open Air. Die Reaktionen vor Ort waren irre, meint sie. „Ich konnte mich kaum zwischen Catering und Backstage bewegen, ohne dass sofort Leute da waren, die mich gelobt haben. Eine meinte sogar: `Du bist die Heldin des Festivals!‘ Da werde ich natürlich ein Stückchen größer.“

Und das darf sie auch. Denn Laura leistet Großartiges, betont in unserem Gespräch aber auch immer wieder, wie dringend junge, engagierte Leute gebraucht werden. Obwohl sie eine unendliche Energie hat, kann auch sie nicht alles leisten. Und manches will sie auch nicht leisten. Frauenfeindliche Texte zum Beispiel kann sie ethisch nicht vertreten und lehnt sie deshalb ab. Aber auch darauf stehen sicher ein paar gehörlose Menschen. Und Kultur ist erst barrierefrei, wenn jede Art von Kunst zugänglich ist.

Mir wurde die Faszination für Worte in die Wiege gelegt. Direkt neben meine Vorliebe für alles, was mit Gefühlen und Zwischenmenschlichem zu tun hat, Mode und französische Filme. Aus der Wiege in der fränkischen Heimat ging es für mich mit dem Vorhaben, all meine Vorlieben in einen Beruf zu packen, ins Schwabenländle. Mit einem Winter in irischen Pubs, einem Sommer in der Isar und bald einem Bachelor im Gepäck lasse ich mich nun überraschen, wie brotlos meine Kunst wirklich ist.