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Liebeserklärung an: Den Nikolaus

Bei unserer Autorin hat sich der Mann mit dem weißen Bart zwanzig Jahre später wieder gemeldet.

Es sind die kleinen Dinge, die uns unseren tristen Alltag versüßen und das Leben ein bisschen besser machen. Ob es hübsche Gänseblümchen sind, die am Straßenrand wachsen oder eine Kugel deiner liebsten Eissorte – wir alle haben kleine Muntermacher in unserem Alltag, über die wir nur selten ein Wort verlieren. Das soll sich jetzt ändern! Wir bieten euch eine Liebeserklärung an die kleinen Dinge, die uns in stressigen Situationen retten, an schleppenden Tagen motivieren oder uns die guten Tage versüßen!

 

Es ist das Jahr 1998. Wir haben heute zur Feier des Tages unsere schicksten Klamotten angezogen, die ganze Familie ist zu Besuch. Obwohl niemand Geburtstag feiert, liegt die gleiche knisternde Anspannung in der Luft. „Wir wollen dem Nikolaus zu Beginn ein Lied singen“, verkündet meine Mama mir und meinen Geschwistern. Glücklicherweise besuchen zwei von uns noch den Kindergarten, unterliegen dort der weihnachtlichen Dauerbeschallung à la Rolf Zukowsky und darum versuchen wir jetzt unser Bestes, den fröhlichen Chor nachzuahmen. Lasst uns froh und munter sein und uns recht von Herzen freu’n! Lustig, lustig, traleralera! Ich hoffe inständig, mir durch diese Performance nicht die Geschenke vergeigt zu haben. Ich blicke aufgeregt gefühlte 2 Meter nach oben in das gütige, liebevolle Gesicht des Heiligen, wo sich die Mundwinkel gerade zu einem freundlichen Lächeln verbiegen. Ein Lächeln, das zu Herrn Müller aus der Nachbarschaft gehörte, aber das ist eine andere Geschichte.

 

Meine blühende Fantasie oder:  Der Nikolaus auf dem Schlitten

Lieber Nikolaus, die heutige Liebeserklärung geht raus an dich! Ich habe sie vor ein paar Tagen einem Engelchen mitgegeben und hoffe, dass dich mein Dank auf diesem wolkigen Weg erreicht. Denn ich finde: Nach all den Jahren ist es an der Zeit, dass ich dich beschenke. Du hast jahrelang an meiner Haustür geklopft, um die Zeit mit meiner Familie und mir zu verbringen und warst eine Konstante meiner Kindheit. Ich habe mich immer riesig auf deine Ankunft gefreut und in der Nacht zuvor kein Auge zugetan. In meiner Vorstellung warst du dann nämlich schon himmlisch unterwegs, auf deinem von Rudolf angeführten Schlitten und mit einem Berg voller Geschenke. Dass diese Art der Fortbewegung eher zum amerikanischen Weihnachtsmann gehört, war mir damals herzlich egal. Am nächsten Abend hast du dann an unsere Tür geklopft, nicht geklingelt und damit war sofort klar, dass sich ein besonderer Gast ankündigt. Mit großen, schweren Schritten sind deine Stiefel in unsere Küche gestapft, wo du uns mit dem angenehmen Gebrummel eines Großvaters begrüßt hast. Mein kleiner Bruder hat in dieser kurzen Zeit bereits den Rückzug angetreten und verharrte hinter einem Stuhl versteckt. Ihm warst du mit deinem Look nicht geheuer. Dein langer weißer Bart, das rote Gewand, die hohe Mütze und der Bischofsstab heben dich von der breiten Masse ab und sorgen für wahlweise kugelrunde Kinderaugen oder eben Angst und Schrecken. Ich kann bis heute nicht nachvollziehen, warum sich manche Kinder vor dir fürchten. Oder liegt es gar nicht an dir persönlich, sondern an der Abrechnung, die du aus deinem goldenen Buch vorträgst?

 

Ein Brief vom Nikolaus

Auch ich muss zugeben: Kurz bevor deine tiefe Stimme zu den ersten Zeilen angesetzt hat, zog das vergangene Jahr an meinem inneren Auge vorüber und  ich habe mich immer gefragt, wie schwer die Zankereien mit meinen Geschwistern wohl ins Gewicht fallen würden. Doch zu meiner großen Überraschung hast du dich immer auf die positiven Aspekte beschränkt und nur sehr selten gab’s von dir einen Seitenhieb. Lieber Nikolaus, wir haben dann viele Jahre nichts voneinander gehört, ich habe dich aber stets in sehr guter Erinnerung behalten. Ich wurde erwachsen und bin unendlich dankbar dafür, dass ich diese magische Spannung erleben durfte, die deine Ankunft bei mir ausgelöst hat. Das wünsche ich mir für jedes Kind. Scheinbar hast aber auch du meine Geschwister und mich in all der Zeit nicht vergessen, denn vor Kurzem hast du dich wieder bei uns gemeldet und mit diesen Zeilen für einen Moment vollkommener Nostalgie gesorgt.

 

Liebe Kinder,

die Jahre vergehen und immer besuche ich am 06. Dezember jeden Jahres die Kinder der Welt. Als mein Engelchen im Sommer mein Büro in Myra, der Stadt in der Türkei, in der ich gelebt habe, aufgeräumt hat, hat es einige Schriftstücke von Euch gefunden. Diese will ich Euch nun zurückgeben. Ihr könnt darin nachlesen, was bei Euch vor Jahren in Eurem Leben los war und überlegen, wie ihr Euch weiterentwickelt habt. 

Ich wünsche Euch und Euren Eltern viel Spaß beim Lesen und Erinnern und grüße Euch bis nächstes Jahr!

Euer Nikolaus

 

Lieber Nikolaus, mit diesem Brief hast du uns eine wunderbare Freude gemacht. Ich weiß jetzt, dass ich 1998 gerade dabei war, mich auf die Einschulung vorzubereiten. Offenbar hatte ich damals ein großes Talent zum Malen und Basteln, das mir jedoch leider auf meinem weiteren Weg verloren gegangen ist. Mein Kleiner Bruder setzte damals (endlich!) brav seine Mütze auf, wenn er nach draußen ging und spielte liebend gerne mit seinen Autos. Meine ältere Schwester lernte gerade das Klavierspielen und wollte im nächsten Jahr auf das Gymnasium. Das alles ist jetzt 20 Jahre her und ohne deinen Brief wären diese Kindheitserinnerungen langsam aber sicher verblasst. Ich danke dir von ganzem Herzen und freue mich darauf, wenn wir uns wiedersehen!

 

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Bildquelle: Pexels unter CC0 Lizenz

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