Liebeserklärung an: die Wattestäbchen

LE Wattestäbchen

Es sind die kleinen Dinge, die uns unseren tristen Alltag versüßen und das Leben ein bisschen besser machen. Ob es hübsche Gänseblümchen sind, die am Straßenrand wachsen oder eine Kugel deiner liebsten Eissorte – wir alle haben kleine Muntermacher in unserem Alltag, über die wir nur selten ein Wort verlieren. Das soll sich jetzt ändern! Wir bieten euch eine Liebeserklärung an die kleinen Dinge, die uns in stressigen Situationen retten, an schleppenden Tagen motivieren oder uns die guten Tage versüßen!

 

Liebe Wattestäbchen,
Leo Gerstenzang und ich, wir kennen uns nicht persönlich. Das liegt vor allem daran, dass er schon tot ist. Trotzdem bin ich ihm nicht weniger dankbar dafür, dass er euch in den zwanziger Jahren erfunden hat, als Helferlein und Alltagshelden. Ihr seid klein, faserig, simpel und komplex. Ihr werdet unfassbar schnell dreckig, ihr geht schnell kaputt, man kann euch nur einmal verwenden und trotzdem: Ich liebe euch. Ihr seid immer in meiner Kosmetiktasche, ihr seid in meinem Badschrank, immer sofort am Start und immer dabei.

Eyeliner…

 

Als ich vergangene Woche an einem nicht ganz so großartigen Tag auf die Damentoilette hetzte, stellte ich erschüttert fest, dass ich den halben Tag mit einem verwischten Eyeliner durch die Gegend gelaufen bin. Natürlich hatte mich niemand darauf hingewiesen, ich sah also aus wie ein Clown. Hätte ich mit eurer Hilfe, liebe Wattestäbchen, mein Gesicht nicht retten können, wäre ich wahrscheinlich auf dem Klo geblieben, hätte geheult und mich fürchterlich über alles und jeden aufgeregt. Aber nein, ihr wart da, in meinem Makeup-Täschchen, klein, hilfreich und lieb und habt mir so den Tag gerettet.

Selten ärgere ich mich über euch, zum Beispiel wenn ihr dreckig seid und ich euch nicht verwenden kann, wenn das Döschen in meiner Tasche mal wieder aufgegangen ist und ihr euch mit Kugelschreiber, Lidschatten, Handcreme oder sonstigem voll gesaut habt und ich dann da stehe mit meinem verwischten Eyeliner. Dann verfluche ich alles und jeden und vor allem euch, dass ihr, nicht einmal ihr, als Back-up funktioniert, dass ihr da herumliegt wie ein Schluck Wasser in der Kurve. Aber solche Tage sind selten und ich denke, ihr müsstet echt noch einiges tun, damit ich euch endgültig an den Nagel hänge.

…andere Katastrophen,

 

Vielmehr seid ihr nicht nur Schmink-Komplize und Make-up-Freund, ihr seid auch wunderbare Helfer zur Reinigung von Feinmechanik. Ja, richtig, Feinmechanik. Alle Menschen, die schon einmal versucht haben elektrische Zigaretten-Köpfe zu säubern oder den Staub von Smartphone-Rückseiten und aus Kopfhörer-Slots entfernen wollten, wissen genau wovon ich rede. Ihr seid da, wenn kein Werkzeug mehr gut genug zu sein scheint, dieses zu teuer, zu groß oder gerade einfach nicht zur Hand ist.

Andererseits seid ihr auch eigen, sehr eigen. Ihr lasst nicht alles mit euch machen – was man euch teilweise noch nicht einmal verübeln kann. Eine Freundin von mir probierte vor ein paar Jahren mit euch Ihre Haustür aufzusperren, nachdem sie ihren Schlüssel in der Wohnung vergessen hatte.
Darauf hattet ihr nicht wirklich Lust, also blieb einer von euch im Schloss stecken – unschön. Der Mensch vom Schlüsseldienst fand das sehr witzig, meine Freundin eher weniger.
Sie hat es seitdem nicht nochmal versucht.

… und, naja, Ohren

 

Oh, und natürlich kann man mit euch Ohren säubern, die eigenen, aber auch die von anderen. Viele von uns verbinden mit euch unschöne Kleinkinderinnerungen, als die eigene Mutter mit eurer Hilfe unbedingt bei uns „ganz dringend noch die Ohren sauber machen“ musste. Wenn man euch gegenüber abgeneigt sein sollte und euch partout nicht benutzen mag, dann kann das nur an sowas liegen.
Klar, es gibt natürlich auch einige böse Zungen, die behaupten, ihr seid nicht gut für uns – aus medizinischer Sicht, aber hey: Ganz ehrlich? Ihr habt mir und anderen schon so oft aus der Patsche geholfen, meine Ohren verkalken mit eurer Hilfe nicht und daher gehöre ich zu der Sorte Mensch, die diese Bedenken bedenkenlos zur Seite schieben.

Machen wir es also kurz und bündig:

 

Ihr habt mit Sicherheit schon einiges gesehen und vieles war bestimmt nicht schön.
Deswegen bleiben wir, ihr und ich, vor allem bei Schminke, bei Eyeliner, Nagellack und Makeup, oder?
Ich wäre dafür. Cool, ihr auch? Dann freue ich mich auf die nächsten siebzig Jahre.

 

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Bildquelle: Unsplash unter CC0 Lizenz

Rheinländerin mit Leib und Seele, momentan aber hauptsächlich in Mainz für 3sat unterwegs. Professionelle Quasselstrippe, Schokoladensüchtige und Kaffeeliebhaberin. Ich kann sehr gut über Dinge fallen, über Loriot fachsimpeln und lange, lange schlafen. Hier schreibe ich hauptsächlich über Gesellschaftliches, über Politik und Beziehungen.