Liebeserklärung an: Fleetwood Mac

Stevie Nicks

Es sind die kleinen Dinge, die uns unseren tristen Alltag versüßen und das Leben ein bisschen besser machen. Ob es hübsche Gänseblümchen sind, die am Straßenrand wachsen oder eine Kugel deiner liebsten Eissorte – wir alle haben kleine Muntermacher in unserem Alltag, über die wir nur selten ein Wort verlieren. Das soll sich jetzt ändern! Wir bieten euch eine Liebeserklärung an die kleinen Dinge, die uns in stressigen Situationen retten, an schleppenden Tagen motivieren oder uns die guten Tage versüßen!

 

Liebes Fleetwood Mac,

was haben Lykke Li, Florence + The Machine und London Grammar gemeinsam? Sie alle haben Songs von euch gecovert. Und damit anerkannt, was ihr auf der Spitze eurer Popularität in den 70ern und 80ern für die Popmusik geleistet habt. Nämlich Songs zu entwickeln, die sowohl von Kritikern als auch dem Publikum gefeiert wurden und noch heute gefeiert werden. Songs, denen es dennoch nicht an lyrischer Substanz mangelt. Und das ist die hohe Kunst der Popmusik, bei der selbst Kenner nicht mit der Nase rümpfen, sondern anerkennend nicken.

 

Eine Schatzkiste namens Fleetwood Mac

Der erste Song von euch, Fleetwood Mac, mit dem ich in Kontakt kam, war „Little Lies“. Da war ich vermutlich elf oder zwölf. Das war, bevor ich wusste, dass Musik nicht nur aus ein paar aneinandergereihten Tönen besteht, sondern oft auch aus einem Text mit einer Botschaft. Damals war ich noch zu grün hinter den Ohren, um tiefer in eurem Songfundus zu kramen. Wie gut, dass ich ein paar Jahre später über diese Schatzkiste namens Fleetwood Mac gestolpert bin. Als ich sie öffnete, war es mir noch nicht bewusst. Doch Fakt ist: Mir funkelten dutzende Juwelen der Popmusik entgegen, die ich heute zu schätzen weiß und nie mehr missen möchte.

 

Kiffen, Koksen, Kratzen, Beißen

Aber wie habt ihr, Fleetwood Mac, es geschafft, von 1975 bis 1988 sagenhafte 16 Songs in den Top 20 der Billboard-Charts zu platzieren? Eure Energie entstammt dem Konflikt. Zwei eurer erfolgreichsten Alben heißen „Rumours“ und „Tusk“. Also „Gerüchte“ und „Stoßzähne“. Genau das habt ihr über die Jahre hinweg gemacht. Ihr habt euch gestritten, belogen und betrogen, habt euch psychisch aufgespießt und zerfleischt. Bis heute. Dazu kamen diverse bewusstseinserweiternde Substanzen. Kiffen, Koksen, Kratzen und Beißen. Genau daraus zogt ihr eure musikalische Kraft.

 

Jeder Song ein Hit – geht das überhaupt?

Man könnte meinen, je schlimmer es unter euch privat lief, desto besser wurden eure Songs. Euer Anspruch für das Album „Rumours“ war es beispielsweise, dass jeder Song als Single hätte ausgekoppelt werden können. Nicht wenige sind der Meinung, dass ihr das geschafft habt. Das Nachfolgealbum, „Tusk“, wird dieses Jahr, wenn ihr mal wieder live in Berlin spielt, 40 Jahre alt. Und ist für mich eines der besten Alben der Popgeschichte. Denn ihr, Fleetwood Mac, konntet damals von etwas zehren, das jede Band davor schützt, dass sich ihre Musik abnutzt. Ihr hattet mehrere Mitglieder, die selbst komponieren, texten und singen können.

 

Ein Honiggeist und ein überraschend wandelbares Pflänzchen

Da ist zuvorderst Stevie Nicks. Wenn Madonna die „Queen of Pop“ ist, ist Stevie Nicks die „Duchess of Rock“. Ihre Stimme kommt ebenso in Rocksongs zum Tragen, wie in gefühlvollen Balladen. Klingt mal wie ein Reibeisen, dann wieder wie ein zartes Pflänzchen, das in seiner eigenen Welt zu leben scheint. Ganz anders Christine McVie. Sie hat eine Stimme, die ich gerne als Honiggeist beschreibe. Sie klingt wie etwas Schaurig-Schönes, das dich bis in Mark durchdringt, dich regelrecht heimsucht. Aber davonlaufen kannst und willst du nicht. Im Gegenteil, du kehrst immer wieder zum Honigtopf zurück. Der Dritte im Bunde ist Lindsey Buckingham. Mit einer eher nasalen Stimme ausgezeichnet, war er sich vor allem für eines nie zu schade: Neues zu wagen.

Denn „Rumours“ schlug 1977 ein wie eine Bombe. Unglaubliche 31 Wochen an der Spitze der US-amerikanischen Albumcharts. Ein Jahr später gab es dafür einen Grammy. Logisch, dass sich das Plattenlabel Warner nicht lumpen ließ und euch, Fleetwood Mac, für die Aufnahmen des Nachfolgers ein Budget zur Verfügung stellte, das es so zuvor noch nie gegeben hatte.

Als seine Mutter während der Schwangerschaft versehentlich Goethes "Die Leiden des jungen Werther" verschluckte, war klar: Dieser Junge wird später schreiben. Hat geklappt! Angetan hat es ihm dabei der Spagat zwischen high culture und low culture - nichts ist zu nieder, nichts ist zu himmelhoch! Will heißen: In seinem Regal steht der Nietzsche neben dem Bruce-Springsteen-Songbook, an seiner Wand hängt Hokusais "The Great Wave" neben dem Adventure-Time-Artwork. Wenn er mal nicht in die Tasten haut, um sich (populär-)kulturellen Welten zu widmen, dann findet ihr ihn mit seinen Joggingschuhen im Grünen oder aber mit seiner Gitarre im stillen Kämmerlein.