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Liebeserklärung an: Fleetwood Mac

Sehnsucht und Verlangen stecken in euren Songs. Herzblut und Hingabe spüre ich, wenn ich sie höre. Eure treibende Kraft dafür: Konflikt, Kiffen, Koksen, Kratzen und Beißen.

Es sind die kleinen Dinge, die uns unseren tristen Alltag versüßen und das Leben ein bisschen besser machen. Ob es hübsche Gänseblümchen sind, die am Straßenrand wachsen oder eine Kugel deiner liebsten Eissorte – wir alle haben kleine Muntermacher in unserem Alltag, über die wir nur selten ein Wort verlieren. Das soll sich jetzt ändern! Wir bieten euch eine Liebeserklärung an die kleinen Dinge, die uns in stressigen Situationen retten, an schleppenden Tagen motivieren oder uns die guten Tage versüßen!

 

Liebes Fleetwood Mac,

was haben Lykke Li, Florence + The Machine und London Grammar gemeinsam? Sie alle haben Songs von euch gecovert. Und damit anerkannt, was ihr auf der Spitze eurer Popularität in den 70ern und 80ern für die Popmusik geleistet habt. Nämlich Songs zu entwickeln, die sowohl von Kritikern als auch dem Publikum gefeiert wurden und noch heute gefeiert werden. Songs, denen es dennoch nicht an lyrischer Substanz mangelt. Und das ist die hohe Kunst der Popmusik, bei der selbst Kenner nicht mit der Nase rümpfen, sondern anerkennend nicken.

 

Eine Schatzkiste namens Fleetwood Mac

Der erste Song von euch, Fleetwood Mac, mit dem ich in Kontakt kam, war „Little Lies“. Da war ich vermutlich elf oder zwölf. Das war, bevor ich wusste, dass Musik nicht nur aus ein paar aneinandergereihten Tönen besteht, sondern oft auch aus einem Text mit einer Botschaft. Damals war ich noch zu grün hinter den Ohren, um tiefer in eurem Songfundus zu kramen. Wie gut, dass ich ein paar Jahre später über diese Schatzkiste namens Fleetwood Mac gestolpert bin. Als ich sie öffnete, war es mir noch nicht bewusst. Doch Fakt ist: Mir funkelten dutzende Juwelen der Popmusik entgegen, die ich heute zu schätzen weiß und nie mehr missen möchte.

 

Kiffen, Koksen, Kratzen, Beißen

Aber wie habt ihr, Fleetwood Mac, es geschafft, von 1975 bis 1988 sagenhafte 16 Songs in den Top 20 der Billboard-Charts zu platzieren? Eure Energie entstammt dem Konflikt. Zwei eurer erfolgreichsten Alben heißen „Rumours“ und „Tusk“. Also „Gerüchte“ und „Stoßzähne“. Genau das habt ihr über die Jahre hinweg gemacht. Ihr habt euch gestritten, belogen und betrogen, habt euch psychisch aufgespießt und zerfleischt. Bis heute. Dazu kamen diverse bewusstseinserweiternde Substanzen. Kiffen, Koksen, Kratzen und Beißen. Genau daraus zogt ihr eure musikalische Kraft.

 

Jeder Song ein Hit – geht das überhaupt?

Man könnte meinen, je schlimmer es unter euch privat lief, desto besser wurden eure Songs. Euer Anspruch für das Album „Rumours“ war es beispielsweise, dass jeder Song als Single hätte ausgekoppelt werden können. Nicht wenige sind der Meinung, dass ihr das geschafft habt. Das Nachfolgealbum, „Tusk“, wird dieses Jahr, wenn ihr mal wieder live in Berlin spielt, 40 Jahre alt. Und ist für mich eines der besten Alben der Popgeschichte. Denn ihr, Fleetwood Mac, konntet damals von etwas zehren, das jede Band davor schützt, dass sich ihre Musik abnutzt. Ihr hattet mehrere Mitglieder, die selbst komponieren, texten und singen können.

 

Ein Honiggeist und ein überraschend wandelbares Pflänzchen

Da ist zuvorderst Stevie Nicks. Wenn Madonna die „Queen of Pop“ ist, ist Stevie Nicks die „Duchess of Rock“. Ihre Stimme kommt ebenso in Rocksongs zum Tragen, wie in gefühlvollen Balladen. Klingt mal wie ein Reibeisen, dann wieder wie ein zartes Pflänzchen, das in seiner eigenen Welt zu leben scheint. Ganz anders Christine McVie. Sie hat eine Stimme, die ich gerne als Honiggeist beschreibe. Sie klingt wie etwas Schaurig-Schönes, das dich bis in Mark durchdringt, dich regelrecht heimsucht. Aber davonlaufen kannst und willst du nicht. Im Gegenteil, du kehrst immer wieder zum Honigtopf zurück. Der Dritte im Bunde ist Lindsey Buckingham. Mit einer eher nasalen Stimme ausgezeichnet, war er sich vor allem für eines nie zu schade: Neues zu wagen.

Denn „Rumours“ schlug 1977 ein wie eine Bombe. Unglaubliche 31 Wochen an der Spitze der US-amerikanischen Albumcharts. Ein Jahr später gab es dafür einen Grammy. Logisch, dass sich das Plattenlabel Warner nicht lumpen ließ und euch, Fleetwood Mac, für die Aufnahmen des Nachfolgers ein Budget zur Verfügung stellte, das es so zuvor noch nie gegeben hatte.

Kommentare

  1. Hallo Niklas Nowak und „Zeitjung“,

    Ich möchte mich für diesen wunderbaren Artikel bedanken. Obwohl ich nicht weiß, wann er verfasst wurde, bin ich mir fast sicher, dass es vor 2018 gewesen sein muss, denn leider ist Lindsey Buckingham heutezutage ja leider nicht mehr dabei.
    Mit 20, und somit als relativ junge Fleetwood Mac „Fanatikerin“, ist es immer schön einen Artikel zu finden und zu lesen, der wirklich mit Hingabe entstanden ist und nicht gezwungenermaßen, weil man über etwas informieren musste, was einen nur bedingt interessiert.
    Da ich auch ein ganz besonders großer Stevie Nicks Fan bin, freut es mich, dass man „Storms‘ in Ihrer Geheimtippliste findet. ;) Auch nennenswert wäre „Sister Of The Moon“, besonders als Live Version.
    Ich bin mir schon fast sicher, dass Sie die folgenden Meisterwerke ebenfalls kennen. Wenn nicht, dann freue ich mich diese empfehlen zu können.
    Da wäre z.b. „Frozen Love“ aus der Zeit vor Fleetwood Mac von Stevie und Lindsey. Das gesamte Album „Buckingham Nicks“ ist durchaus besonders und definitiv hörenswert, wenn man es denn findet.
    Dann gibt es eine Menge von ihren Solo Karrieren. Ein paar seltene Beispiele wären bspw. „Thousand Days“, „Battle Of The Dragon“ oder „Desert Angel“ von Stevie Nicks.
    Oder auch „Go Insane“ als akustik Version, „Surrender The Rain“ und „Street Of Dreams“ von Lindsey Buckingham.
    Vielleicht hören Sie oder wer diesen Kommentar auch immer lesen mag, mal rein. Es eröffnen sich manchmal völlig neue Türen, durch wirklich gute Musik. ;)

    Leonie Pietrovicci / Antworten
    • Servus Leonie,

      vielen lieben Dank für deinen netten Kommentar und deine Hörtipps. Man merkt beim Lesen, welch passionierter Fleetwood-Mac-Fan du bist.

      Tatsächlich entstand der Text erst vor wenigen Tagen, er ist also brandneu. Dennoch hast du natürlich recht – Lindsey Buckingham ist nicht mehr Teil der Band. Ich wäre auch gerne darauf eingegangen, dass er momentan mit dem Rest der Band arg im Clinch liegt. Was außerdem hervorragend dazu passt, dass sich die Bandmitglieder „psychisch aufspießen“. Aber das hätte leider den Rahmen des Artikels gesprengt.

      Es freut mich sehr, dass es andere „junge“ Menschen gibt, die die Musik von Fleetwood Mac zu schätzen wissen und nicht davor zurückschrecken, dass die Songs teilweise älter sind, als die eigenen Eltern. ;-)

      Ich danke dir nochmals ganz herzlich für deinen lesenswerten Kommentar und sende beste musikalische Grüße!

      Niklas Nowak / Antworten

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