Eine Liebeserklärung an: Kevin allein zu Haus

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„Das ist mein Haus – und ich werde es verteidigen!“ Das ist eine glatte Kriegserklärung! Und zwar die sympathischste der Filmgeschichte. Eine, die bestimmt alle kennen, die Anfang der 90er klein waren. Ein kleiner Junge spricht sie aus, als er erfährt, dass zwei finstere Gestalten sein Haus ausrauben wollen. Der Junge heißt Kevin und ist allein zu Haus, weil seine Familie ihn beim Weihnachtsurlaubsabflugstress daheim vergessen hat. Autsch. Aus dieser schrecklichen Vorstellung machte Regisseur Chris Columbus einen der witzigsten Filme aller Zeiten. Ein Weihnachten ohne diesen Film ist schlicht nicht denkbar. Kevin, wir sind alle bei dir!

Einfach sau lustig

Ich bin mir sicher, dass ich eigentlich niemandem mehr die Handlung erklären muss. Ich muss keine Szenen aufzählen, unzählige Male hat man sie schon gesehen und sich jedes Mal wieder darüber kaputtgelacht. Zum ersten Mal habe ich in der Grundschule auf dem Pausenhof die vielen Streiche nacherzählt und nachgespielt und die vielen anderen Kriegsmanöver mit meinen Kumpels durchexerziert. Wir konnten viele Pausen mit Kevins Ideen und Harrys und Marvins Dummheiten verbringen – kann ich heute noch – und wir sind genauso wie vor dem Fernseher nicht mehr aus dem Lachen rausgekommen.

Endlich länger aufbleiben dürfen!

Kevin, ich verdanke es dir, dass ich wahrscheinlich zum ersten Mal länger aufbleiben und einen Film zu Ende anschauen durfte. Denn auch moralisch bist du ja ein super Vorbild, wie du es ganz allein mit den zwei gefährlichen Gangstern aufnimmst – und sie als trottelige Kleinganoven entlarvst. Und auch dein Herz für den „Schneeschaufelmörder“ ist eine sehr wertvolle Lektion fürs Leben, denn du hast hinter die Fassade des Menschen geschaut und warst bereit, ohne Vorurteile diesen unheimlichen Mann persönlich kennenzulernen und zu merken, dass er gar nicht so böse ist, wie alle denken und behaupten. Selbst wenn man sich vor ihm noch mehr gefürchtet hat, als vor dem Großonkel, der am 6. Dezember den Krampus gegeben hat (mal ehrlich: als Kind fürchtet man sich doch sogar vor dem Nikolaus).

Nachdenkliche Filme mit Sprüchen

So hast du mich nicht nur zum Tränen-lachen gebracht, sondern auch zum Nachdenken. Und deine dich liebende Mutter hat sicher die ein oder andere echte Mutter zu Tränen gerührt, mit ihrem unbedingten Willen, dich so schnell wie möglich wiederzufinden und ihren katastrophalen Fehler wiedergutzumachen. Man spürt ihre Liebe und weiß ganz genau, worum es an Weihnachten wirklich geht. Nicht um die Geschenke, sondern um Gefühle und die Familie und dass man versucht mit ihr seinen Frieden zu finden. Auch wenn du dich erst freust, dass du sie hast „verschwinden lassen“, merkst du doch, dass du sie vermisst und du gerne bei ihr sein möchtest – trotz aller Schwierigkeiten. Selbst der große Bruder Buzz, der dich eigentlich immer nur ärgert oder „verhaut“, fehlt dir auf irgendeine Weise.

Philosophie – Grundkurs

Kevins Erfolg wurde allerdings auch für alle Jungs, die dann nach ihm benannt wurden, zu einer ziemlichen Bürde. Ziemlich legendär ist mittlerweile das Zitat einer Grundschullehrerin „Kevin ist kein Name, sondern eine Diagnose“, das sie in einer Studie zum Thema Namensdiskriminierung durch Lehrer*innen zum Besten gab. Damit meinte sie, dass Kevins im Allgemeinen schlechter und verhaltensauffälliger seien als zum Beispiel Maximilians. Sie war mit ihrer Ansicht unter ihren Kolleg*innen nicht mal allein, wie die Studie festgestellt hat. Sie hat aber auch die Lektion aus dem Film nicht mitgenommen, jeden Menschen ohne Vorurteile individuell zu beurteilen und hinter eine vordergründig schwierig erscheinende Fassade zu blicken und so jedem Kind die gleiche Chance zu geben.

Weihnachten ohne Kevin – unvorstellbar

Bei allem Klamauk, den flachen Witzen, die aber scharf, wie aus Buzz‘ Luftgewehr geschossen, daherkommen, schafft es Kevin allein zu Haus eben auch philosophisch zu sein und Fragen zu stellen und zu beantworten, die man im Umfeld einer Kinderkomödie eigentlich gar nicht vermuten würde. Deswegen ist der Film aber natürlich auch immer ein Genuss für die ganze Familie und nicht nur für Kinder gedacht und gemacht. Wie gesagt, einen besseren Film kann man sich zu Weihnachten gar nicht vorstellen. Das gilt für dieses und für jedes, das noch kommen mag.

Und jetzt könnt ihr alle aus eurem Flugzeugsitz hochschrecken und aufschreien: „Kevin!“

Autor: Da die Persönlichkeit ja ohnehin ihren Weg in jede Handlung, die man tätigt, wie etwa das Schreiben eines noch so kurzen Textes, findet, von ganz alleine also erklärt, wer man ist, beschränke ich mich an dieser Stelle darauf, in einem Satz darzulegen, wie schön ich Sprache finde, dass ich Europa liebe, noch mehr aber meine Plattensammlung von formidabler Qualität sowie die Musik im Besonderen und füge noch hinzu, dass ich als Münchner Kindl auch ein echter Grantler bin, der sich vor allem über jegliche Ungerechtigkeiten echauffiert, hoffend, sie durch Journalismus wenn schon nicht zu beseitigen, so doch sie wenigstens verbessern zu können.