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Liebeserklärung an: Den Super Nintendo

„Ganz egal wo auf der Welt: Wenn die Konsole nicht funktioniert hat, haben alle das Spiel herausgenommen und erst einmal kräftig hineingepustet.“

Es sind die kleinen Dinge, die uns unseren tristen Alltag versüßen und das Leben ein bisschen besser machen. Ob es hübsche Gänseblümchen sind, die am Straßenrand wachsen oder eine Kugel deiner liebsten Eissorte – wir alle haben kleine Muntermacher in unserem Alltag, über die wir nur selten ein Wort verlieren. Das soll sich jetzt ändern! Wir bieten euch eine Liebeserklärung an die kleinen Dinge, die uns in stressigen Situationen retten, an schleppenden Tagen motivieren oder uns die guten Tage versüßen!

 

Liebes SNES,

ich weiß es nicht mehr genau. Aber vielleicht macht es das Ganze dadurch rückblickend umso schöner. Mit acht oder neun Jahren, also 1997 oder 1998, muss es gewesen sein. Da spendierte mir mein Opa dich ganz unverhofft. Er spendierte mir dich, das Super Nintendo Entertainment System (SNES). Das war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft zwischen konsumgeilem Kind und einem…naja, eigentlich nur einem grauen Kasten.

Aber es sind bekanntlich die inneren Werte, die zählen. Und die mochte ich an dir. Einmal an den Fernseher angeschlossen, flimmerten da auf einmal kunterbunte Welten über den Bildschirm. Und ich selbst durfte bestimmen, wohin es geht. Das war toll, denn ansonsten hatte ich nicht wirklich viel zu sagen.

 

Jeder kannte einen, der eins hatte

 

Ich denke, jeder, der in den 1990ern aufwuchs, hatte ihn oder sie. Den Bruder, die Cousine, den Onkel, den besten Freund, der/die dich besaß. Und so selbst in Kontakt kam mit Pixelhelden wie Super Mario, Yoshi, Donkey Kong, Prinzessin Peach, Kirby und unzähligen weiteren. Auf dir, liebes SNES, hatten viele damals noch junge Figuren ihren großen ersten Auftritt, spielten sich ins allgemeine Bewusstsein und sind heute popkulturelle Ikonen.

Videospiele führen zu Isolation, geistiger Abwesenheit und ADHS? Bei uns damals nicht. Obwohl die meisten Spiele nur zwei Leute gleichzeitig spielen konnten, kamen wir alle zusammen. Die Samstage mit meinen Cousins und meiner Cousine, bei denen wir uns in „Bomberman“ duellierten. Die Sonntage, immer nach dem Mittagessen, wenn sich meine Eltern ihren Mittagsschlaf gönnten, an denen meine Schwester und ich mit Super Mario Gumbas auf den Kopf sprangen, Koopas den Garaus machten und uns an den von uns so verhassten Schwimmlevels die Zähne ausbissen.

 

Zahnabdrücke im harten Plastik

 

Das ist wörtlich zu nehmen. Während die meisten Spieler bei einem gescheiterten Versuch das Gamepad in die Ecke warfen, machte meine Schwester etwas anderes. Sie biss hinein. Direkt oberhalb des blauen X-Buttons. Es kam nicht allzu oft vor, aber sie tat es (siehe Titelbild). Vielleicht ist sie auch deshalb später Erzieherin geworden? Stichwort Medienkompetenz bei Kindern? Jedenfalls hat sie mir schon damals gern Befehle erteilt. Bei „Mario Kart“ durfte ich beispielsweise nie die Abkürzungen benutzen, die sie als erstes entdeckt hatte. Wie gesagt, ich hatte nicht viel zu sagen. Aber dennoch jede Menge Spaß.

Ironischerweise sorgt exakt die Simplizität der Spiele von damals dafür, dass du, liebes SNES, heute weiterlebst. Klassiker wie „Super Mario World“ brauchten und brauchen nicht viele Buttons. Ein Steuerkreuz zum Laufen, ein Button zum Springen, einen zum Werfen des Feuerballs. Das war’s. Retro-Gaming fristet heute dank der einfachen Zugänglichkeit kein Nischendasein. Nintendo veröffentlicht Spiele, die damals neu veröffentlicht meist 120 Mark kosten, heute ohne großen technischen Aufwand auf aktuellen Systemen. Und man zahlt gerade mal einen Bruchteil vom damaligen Neupreis.

 

Auch heute noch: Wie ein vertrautes Bilderbuch

 

Zudem hast du gegenüber anderen „alten“ Konsolen einen weiteren Vorteil: Deine Spiele sehen auch heute noch gut aus. Mitte der 1990er war 3-D-Grafik für Zuhause endlich möglich. Die meisten Grafiken waren kantig, verwaschen und fehlerbehaftet, ja, 3-D-Grafik der 1990er ist vergleichbar mit einer kaputten Waschmaschine. Eine Vielzahl an SNES-Spielen, ich untertreibe nicht, ist hingegen hervorragend gealtert. Natürlich, sie haben nicht die Opulenz heutiger Spiele. Aber dennoch ihren Charme. Als würde man ein Bilderbuch aufschlagen, in dem man sich gleich zuhause fühlt.

 

Danke, liebes SNES

 

Danke dafür, dass du mir und so vielen anderen in den 1990ern gezeigt hast, wie viel Spaß blödes Knopfgedrücke machen kann. Danke dafür, dass man mit dir in die Rolle von Figuren schlüpfen durfte, die wir eigentlich nur sahen. Ich spreche von Bugs Bunny, Asterix und Obelix, den Schlümpfen, Donald Duck und Micky Maus. Das hat mal mehr, mal weniger Spaß gemacht – aber es war möglich. Und das zählt.

Danke dafür, dass du mir beigebracht hast, dass sich Sparen lohnt. Mein Vater hat nie verstanden, warum mich Videospiele so faszinieren. Aber dennoch hat er es jedes Mal honoriert, nachdem ich mein Taschengeld eisern gespart habe, indem er mich ins Kaufhaus fuhr, damit ich mir ein Spiel kaufen konnte. Bis heute bin ich davon überzeugt, dass die 50 Mark für „Super Mario Allstars“ die beste Investition waren, die ich je gemacht habe.

 

Ein popkulturelles und gemeinschaftsstiftendes Gut

 

Du, lieber Super Nintendo, hast Kindern und Jugendlichen dies und jenseits des Atlantiks ein popkulturelles Gut vermittelt – du bist eine Art globale und gemeinschaftsstiftende Freizeittätigkeit. Ganz egal, ob in Japan, den USA oder Deutschland, wenn das SNES das Spielmodul nicht lesen konnte, hat man es überall auf die gleiche Art wieder herausgenommen und erst einmal kräftig hineingepustet. Läuft.

Nur das mit dem Beißen ins graue Plastik, das gab es vermutlich exklusiv in meinem Kinderzimmer. Thanks for the show, sis.

 

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Bildquelle: Niklas Nowak

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