Sind die Leiden des erkälteten Mannes wirklich so qualvoll?

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Er lässt alles fallen, kann nicht mehr arbeiten, kochen, geschweige denn auf die Kinder aufpassen. Seine komplette Aufmerksamkeit ist dem durchdringenden, allumfassenden Schmerz in seinem Inneren gewidmet, der ihn alle Konzentrationskraft kostet und wochenlang ans Bett fesselt. Die Leiden des erkälteten Mannes sind unergründlich – für die meisten Frauen aber zumindest ein hochamüsantes Schauspiel. Schließlich ist es doch das ach so starke Geschlecht, das sich bei einer bloßen Erkältung plötzlich qualvoll wehklagend unter der Bettdecke verkriecht.

 

Sind Erkältungen bei Männern schlimmer?

 

Oder tun wir den lieben Männern vielleicht tatsächlich Unrecht? Aktuelle Forschungsergebnisse wollen nämlich beweisen, dass zumindest Erkältungskrankheiten bei Männern schlimmer verlaufen als bei Frauen. Im „Proceedings“ wurden bereits einige Studien veröffentlicht, in denen sich Forscher mit dem männlichen und dem weiblichen Immunsystem auseinandersetzten.

Einmal untersuchten Wissenschaftler von der amerikanischen Akademie der Wissenschaften (PNAS) die Reaktion von 53 Frauen und 34 Männern unterschiedlichster Altersgruppen auf Grippeimpfungen. Damit war bewiesen, dass das weibliche Abwehrsystem dem männlichen tatsächlich einiges voraushat: Die Frauen produzierten nach der Impfung mehr körpereigene Zytokine und Antikörper und zeigten gegen den aggressiven Grippeerreger H3N2 eine deutlich stärkere Abwehrreaktion.

 

Live hard, die young

 

Eine weitere, im Jahr 2010 veröffentlichte Studie simulierte beide Abwehrsysteme am Computer. Hinter dem Experiment stand die geschlechtertraditionelle Annahme, dass der Mann (auf der Jagd) mehr Erregern ausgesetzt ist als die Frau, die zu Hause auf die Kinder aufpasst. Und trotzdem entwickelten die virtuellen Männer eine schwächere Immunabwehr als die Frauen.

Aber woran liegt das? Tatsächlich ist mal wieder die gute alte Evolution schuld: Getreu dem brutalen Hunger Games Prinzip (live hard, die young) macht es für Männer aus evolutionsbiologischer Sicht nicht so viel Sinn, übertrieben in die Infektabwehr zu investieren. Für Frauen allerdings schon: Ihre Hauptaufgabe bestand immer darin, den Nachwuchs optimal zu schützen, weshalb ihnen die Natur sogleich das bestmögliche Abwehrsystem bescherte – zumindest ein Vorteil, der der Frauenwelt aus jener Zeit der zweifelhaften Rollenverteilung bis heute geblieben ist.

 

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Bildquelle: LoboStudio Hamburg unter CC 0 Lizenz