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Droge und Süßigkeit zugleich: Wir haben den Magic Honey in Nepal probiert

Alkohol ist zu bitter und Gras kratzt beim Rauchen? – Dann wirst du „Magic Honey“ lieben.

Verschlägt es einen nach Nepal, geht man natürlich auch wandern, Himalaya und so. Neben atemberaubenden Landschaften und diversen Tieren trifft man auf verschlafene Dörfer, mit noch verschlafeneren Dörflern. In einem dieser Dörfer treffen wir auf Om Prasad Gurung, einen Honey Hunter. Der Honig, den er und seine Mitstreiter dort ernten, beziehungsweise jagen, ist etwas besonderes. Es handelt sich nämlich um die süßeste Droge der Welt. Die emsigen Bienchen, die für das klebrige High verantwortlich sind, besuchen, neben normalen Blumen, auch die Blüten der Rhododendron-Pflanze. Und die ist giftig, in kleinen Mengen aber ungefährlich und berauschend. Dieser Rausch wird durch den Stoff Grayanotoxin, ein Nervengift, verursacht.

Eine lebensgefährliche Ernte

Geerntet wird zweimal im Jahr, von todesmutigen Männern, des Volkes der Gurung, die sich an 100 Meter hohen Felswänden abseilen, oder an langen Bambusleitern herunter klettern, um der größten Honigbiene der Welt zu trotzen. Nur notdürftig geschützt hängen die Nepalesen am Abgrund. Große Feuer unter den Nestern sollen die Bienen beruhigen, während mit langen Stangen die Waben, von den Felswänden, herunter geschlagen werden. Harte Arbeit, die aber gutes Geld bringt. Geld auf das die Honey Hunter, aus den ländlichen Gebieten, angewiesen sind. Die Einheimischen nutzen die hart erkämpfte Süßigkeit zur Entspannung und behandeln damit Gelenkschmerzen. In Korea und China wird der Honig als Potenzmittel angepriesen. Und Europäer wollen einfach nur high werden. In den größeren Städten Nepals wird dir, vor allem als Tourist, ständig “special honey for good price“ angeboten, für 30 Euro das Glas und mit normalem Honig gestreckt. Willst du aber den echten Honig probieren, brauchst du entweder die richtigen Kontakte oder musst in die Gegenden reisen, in denen geerntet wird.

Stilecht verpackt in einer Plastikflasche

Wir machten uns also auf den Weg in die Annapurna-Region. Natürlich hatten wir schon vorher von dem sogenannten „Magic Honey“ gehört. Zur Zeit ist der ja auch in aller Munde. Also nervten wir unseren Guide von Beginn an und schlussendlich mit Erfolg. Nach einigen Tagen machte er uns mit Om Prasad Gurung, einem Imker, der etwas anderen Art, bekannt. Dieser erzählte uns voller Stolz, dass er uns den Honig gerne auch billiger verkauft, Deutsche mag er nämlich sehr gerne. Tatsächlich war nur einen Monat vor uns ein gesamtes Kamerateam aus Deutschland da, um bei der Ernte zu helfen. In Kathmandu erfahren wir dann, dass wir wahrscheinlich auf den Spuren von Deutschlands Lieblingschaoten, Joko und Klaas, gewandelt sind. Beim letzten “Duell um die Welt” waren nämlich beide Spaßmacher in Nepal unterwegs, um den Honey Huntern unter die Arme zu greifen und sich ein Honigbrot zu streichen. Im Beitrag ist auch tatsächlich ein Mann zu sehen, der unserem guten Om Prasad Gurung zum Verwechseln ähnlich sieht.

Wir einigten uns jedenfalls, nach eisenhartem Feilschen, mit unserem neuen Lieblingsimker auf umgerechnet 75 Euro für einen Liter des besonderen Honigs. Stilecht verpackt in einer Plastikflasche.

Manchmal muss man sich opfern

Om Prasad Gurung empfahl uns, nicht mehr als zwei Löffel auf einmal zu nehmen. Tatsächlich schläft man besser und hält bei den Gewaltmärschen, an irgendwelchen Berghängen, länger durch. Aber von einer Droge kann man bei zwei Löffeln wirklich noch nicht sprechen. Wo hört nun aber der Honig auf und wo fängt die Magie an? Das galt es heraus zu finden. Also habe ich mich geopfert. Wir haben uns geopfert. Für die Wissenschaft. Für Zeitjung. Für euch.

Die Probanden für das Experiment waren schnell versammelt. Sechs wackere Burschen, darunter ich selbst. Ziemlich schnell einigte man sich darauf, den “Joko” zu machen. Der gute Herr Winterscheidt hat nämlich sieben Löffel genommen. Man sollte meinen, es hätte Einwände gegeben, vielleicht ein etwas umsichtigeren Geist in der Gruppe, der erkennt, dass zwischen zwei und sieben Löffeln Welten liegen. Leider war dem nicht so, sonst wäre uns nämlich einiges erspart geblieben.

Alles in blau und gelb

Schon der Geschmack des Honigs ist etwas ganz besonderes, irgendwie rauchig. Er riecht dezent nach Alkohol und brennt beim Schlucken ein bisschen in der Kehle. Trotzdem ziemlich lecker. Die Wirkung ließ nicht lange auf sich warten. Zuerst wurde mir heiß. Meine Stirn fühlte sich fiebrig an und ich musste grundlos grinsen. Ein paar Minuten später kam dann auch noch Schwindel dazu. Treppensteigen wurde zur absoluten Herausforderung. Dann klangen die Symptome wieder ab und ich hatte etwa eine halbe Stunde Ruhe. Aber auf einmal kribbelte mein ganzer Körper und ich sah alles nur noch in gelb und blau. Laufen war dann auch nicht mehr drin. Erinnert ihr euch an die Szene in „Wolf of Wallstreet“, als Leonardo DiCaprio versucht seinen weißen Ferrari zu erreichen? Ich habe diese Stelle noch nie so gut verstanden, wie an diesem Abend.

Nur indem wir uns gegenseitig stützten, schafften wir es alle heil ins Bett. Dort angekommen wechselten sich Lachattacken und leidvolles Stöhnen miteinander ab. Es fühle sich an, als ob eine Herde Kühe auf meinem Kopf Polka tanzen. Natürlich waren die Gespräche das Beste. Es folgen meine persönlichen Highlights:

“Alter ich weiß nicht warum aber ich kann nicht aufhören zu lachen. Und die beschissene Decke ist nicht mal lustig.”

“Meine Haut kribbelt und mein Herz ist ein kleines Lagerfeuer das von innen wärmt. Jetzt wird es aber kalt und dann wieder warm und dann wieder kalt. Alles sieht aus wie ein Gemälde von Van Gogh.”

“Junge ich schwör dir, da war ein Elefant! .. Doch! Boah, warte ich glaub, ich muss kotzen.”

50 Prozent der Versuchsteilnehmer mussten sich übergeben und wurden von den anderen 50 Prozent ausgelacht. Natürlich nicht aus Schadenfreude, die Magie des Honigs war Schuld! Am Ende rollte sich jeder in seinem Bett zusammen und konzentrierte sich darauf sich so wenig wie möglich zu bewegen. Gut geschlafen haben aber alle.

Joko, du Simulant

Mit, an Sicherheit grenzender, Wahrscheinlichkeit lässt sich also sagen, dass Joko keine sieben Löffel genommen hat. Der ist nämlich nur rumgetollt und musste ein bisschen lachen. Der Halunke hatte eine gute Zeit. Wir nicht. Naja, Fernsehen-Magie eben. Aus der Erfahrung schlauer geworden, geben wir uns ein paar Tage später mit vier Löffeln pro Nase zufrieden. Und das war auch gut so. Diesmal erinnert das Gefühl eher an Gras. Das Wärmegefühl ist das selbe, aber diesmal war die gute Stimmung fast mit Händen greifbar.

Was lernen wir daraus? – Im Fernsehen wird maßlos übertrieben und Drogen sind schlecht, können aber ziemlich lecker sein.

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