Was ich als Mann noch von Feminist*innen lernen kann

Es braucht nicht viel um ein guter Verbündeter zu sein

Um ein guter Ally zu sein, muss Man(n) sich aber nicht mal all zu intensiv mit der Materie beschäftigen. Schon kleine Veränderungen im eigenen Verhalten sind einiges wert. Denn viele Dinge über die der bärtige Teil der Bevölkerung sich überhaupt keine Gedanken macht, schränken viele Frauen in ihrem täglichen Leben ein:

1. Think about the space you take

Männern ist oft nicht klar, wie selbstverständlich sie öffentliche Räume für sich beanspruchen. Das beginnt schon in der S-Bahn, wenn ihr euer Gemächt lüften wollt und deshalb so breitbeinig sitzt, dass die Frau neben euch kaum noch Platz hat. Aber auch in Gesprächen haben Frauen es oft schwer den Platz einzunehmen, der ihnen zusteht. In Diskussionen dominiert meist der Lauteste und das sind in der Regel Männer. Achtet darauf Frauen nicht zu unterbrechen und Ausreden zu lassen. Macht euch klar, welche Rolle ihr gerade einnehmt und sitzt bitte nicht wie ein Cowboy in Bus oder Bahn.

2. Akzeptiert ein Nein

Das sollte zwar eigentlich klar sein, aber: Nein heißt Nein. „Ein trauriges Beispiel ist die Tatsache wie oft Frauen gezwungen sind zu behaupten, dass sie einen Freund hätten, obwohl das gar nicht stimmt. Das liegt daran, dass viele Typen einfach nicht nachgeben“, so Melina. Erst wenn also schon ein anderer Mann sein Territorium markiert hat, scheint das Nein der Frau in den Augen dieser Männer gültig.

3. Die meisten Frauen haben nachts Angst

Als Frau wird man einfach zu oft befummelt oder dumm angemacht, um nachts völlig unvoreingenommen an einer Gruppe von Männern vorbei zu laufen. „Ich unterstelle keinem Mann etwas schlechtes, nur hat mir meine Erfahrung gezeigt, dass ich mich vor Männern in Acht nehmen muss“, sagt Rike. „Jede dritte Frau in Europa hat sexualisierte Gewalt erlebt, natürlich fühle ich mich da nachts unwohl.“ Niemand erwartet von euch die Straßenseite zu wechseln, wenn euch nachts eine Frau entgegen kommt, aber macht euch bewusst, dass in diesem Moment Gefahr von euch ausgeht. „Versucht aktiv keine Bedrohung darzustellen, indem ihr auf angaffen oder einen dummen Spruch verzichtet“, rät Melina.

4. Lieber direkt ansprechen, als Drinks spendieren

Und auch wenn ihr das nicht einsehen wollt: Nicht jede Frau wird gerne auf ein Getränk eingeladen. „Ich finde es seltsam, wenn mir jemand, den ich nicht kenne im Club einen Drink ausgibt. Mir ist nämlich klar, dass da eine Intention dahinter steckt und ich würde das wahrscheinlich ablehnen. Bei mir kommt da das Gefühl auf, dass er sich ein Gespräch erkaufen möchte. Er kann mich gerne ansprechen und sich mit mir unterhalten, aber indem er mir etwas bezahlt, schafft das schon eine Art Hierarchie“, so Rike.

5. Eure weiblichen Freunde sind auch nur Menschen

„Ich habe einen Freundeskreis, der nur aus vier oder fünf Männern und mir besteht. Wir verstehen uns alle super, aber zum trinken und Fußball schauen, treffen sie sich meistens ohne mich“, sagt Melina. „Die meinen das nicht böse, aber ich schau gern Fußball, trinke gern und bin eben zufällig eine Frau.“ Eure weiblichen Freunde wollen sicher nicht nur shoppen gehen und sich euren Liebeskummer anhören.

6. Ein Ja ist immer besser als kein Nein

Es macht einen riesen Unterschied, ob sie ausdrücklich „Ja“ sagt oder ob deine Auserwählte deine Aktionen nur still erträgt. „Mir ist es auch schon ein paar Mal passiert, dass ich das Gefühl hatte, ich schulde einem Mann jetzt Sex, weil wir gerade rumgeknutscht haben und er jetzt geil ist“, sagt Rike. „Lust hatte ich eigentlich keine.“ So geht es vielen Frauen. Einfach nein zu sagen, fällt manchmal schwer. Rikes derzeitiger Freund ist da zum Glück anders gepolt: „Bei unserem ersten Date hat er mich erst gefragt, bevor er seinen Arm um mich gelegt hat. Das hat nicht die Stimmung versaut, sondern mir nur gezeigt, dass er mich respektiert und es jederzeit okay wäre Nein zu sagen.“ Für Männer gilt also: Lieber einmal zu oft nachfragen, als einmal zu wenig. Schafft klare Verhältnisse. Denn wenn ihr wisst, dass euer Gegenüber etwas genauso gern möchte wie ihr, dann wird alles von Freundschaften bis Sex gegenseitiger und schöner.

7. Spread the word

Sprecht mit euren Freundinnen, euren Müttern, euren Omas und euren Kumpels. Schämt euch nicht für eure Fragen und redet über eure Gefühle. Der Feminismus ist auch für euch da. Zwar haben mehr Frauen Depressionen als Männer, aber mehr Männer bringen sich deshalb um, weil sie das Gefühl haben mit niemandem darüber reden zu können. Schwäche zeigen ist völlig okay, Toxische Maskulinität ist für`n Arsch. Aber vor allem: macht eure männlichen Freunde auf dumme Sprüche aufmerksam und traut euch sie darauf hin zu weisen, wenn ihr Verhalten einer Frau offensichtlich unangenehm ist.

Autor: Auf Kreta aufgewachsen – Kartoffel mit viel Knoblauch. Mindestens einmal im Jahr ans Meer. Rap, täglich. Sneaker, unbedingt in weiß. Bücher in rauen Mengen. Gin Tonic und Pfeffi. Pizza im Bett und GoT. Philosophieren, auch nüchtern. Sparwitze.