Mode im Fokus: Naturmaterialien und vegane Alternativen

Vegane Alternativen werden in der Mode immer beliebter. Aber welche Faser gewinnt im Vergleich?

Lange Zeit galt: Mode ist ausgefallen, Mode ist verrückt und Mode darf alles. Mehr und mehr liegen jedoch Nachhaltigkeit, Tierschutz und bewusstes Einkaufen im Trend und appellieren an das Gewissen der Konsumenten. Neben klassischen Naturmaterialien wie Daune, Schurwolle und Co. erobern vegane Alternativen den Markt – aber welche Materialien gewinnen im direkten Vergleich tatsächlich?

 

Ein Herz für Tiere: Was können vegane Alternativen?

Ethische Gewissensbisse zu vermeiden ist nur dann möglich, wenn auf tierische Produkte vollständig verzichtet und stattdessen der Kleiderschrank auf vegane Alternativen aufgebaut wird.

Vegane Alternativen sind auf der einen Seite alle natürlichen Stoffe, die nicht vom Tier stammen, auf der anderen Seite allerdings auch alle Fasern, die im Labor entwickelt und in der Fabrik hergestellt wurden, Kunstfasern also.

Aber Achtung: Wer auf den ersten Blick annimmt, dass nur Wolle, Leder und Co. nicht vegan wären, sollte umdenken, denn auch Beschichtungen von Regenjacken etwa greifen auf Bienenwachs zurück und selbst Seide ist eigentlich ein tierisches Produkt.

 

Kunstfasern und ihre Eigenschaften

Garantiert vegan sind Kunstfasern. Was außerdem für Materialien wie Polyester, Polyamid, PrimaLoft und andere spricht, ist ihr hoher Grad an Funktionalität. Sie leisten genau das, wofür sie entwickelt wurden, und ihre ‚Erfinder’ orientieren sich dabei häufig an den Vorteilen natürlicher Kleidermaterialien.

Polyester beispielsweise ist äußerst strapazierfähig und langlebig, PrimaLoft ist in seiner Wärmeleistung und seinem Eigengewicht Daunenfedern nachempfunden und kann mit diesen sehr gut mithalten. Darüber hinaus sind Kunstfasern in der Pflege äußerst unkompliziert und halten jedem Regenschauer stand.

Allerdings werden etwa Polyester und Fleece aus Erdöl gewonnen. Dies ist nicht nur aufgrund der Rohölgewinnung problematisch, sondern auch deshalb, weil die Weiterverarbeitung des Öls bis zum fertigen Prozess sehr viel Energie benötigt. Abgesehen davon sind die Fasern nicht biologisch abbaubar und umwelttechnisch bedenklich.

Wunderwerk Natur: Vegane Naturmaterialien

 

Der Blick in die Natur verrät: Hier gibt es nicht nur tierische Produkte, die sich als Kleider wunderbar im Schrank machen, sondern auch pflanzliche Materialien, die zu nachhaltiger Mode weiterverarbeitet werden können.

Statt Seide hüllen Modemacher ihre Kundinnen in Soja-Seide, ein Nebenprodukt bei der Gewinnung von Tofu, das in seiner Struktur sehr an das Original erinnert und ebenso glatt, glänzend und weich ist.

Wer beim Sport auf Merinowolle schwört, aber von Gewissensbissen geplagt wird, trägt Alge oder Bambus. Was seltsam klingt, ist tatsächlich sehr ähnlich zur Schurwolle und ebenso angenehm im Tragegefühl.

Ebenfalls ungewöhnlich ist die Verarbeitung von Brennnesseln, Maisfasern oder Kapok zu Kleidungsstücken. Letzteres wird auch als Pflanzendaune bezeichnet und aus genau diesem Grund auch als Füllmaterial für vegane Winterjacken verwendet.

Auch Baumwolle, der Klassiker in der Kleidungsindustrie, darf natürlich nicht vergessen werden. Baumwolle ist universal einsetzbar und kleidet von Kopf bis Fuß modisch und vielseitig.

Es ist erstaunlich, was die Natur leisten kann. In ihrer Struktur und Verarbeitung können die Naturfasern durchaus konkurrieren mit tierischen Produkten und Kunstfasern. Allerdings sind sie häufig äußerst aufwendig in der Verarbeitung und deshalb oft recht teuer und knittern schneller als andere Materialien.

Nicht überall, wo Natur drauf steht, ist auch Umweltschutz drin, wie am Beispiel von Baumwolle aufgezeigt werden kann. Für die Produkt von einem Kilogramm Wolle kommen mehrere tausend Liter Wasser zum Einsatz.

 

Tierisch gut: Eigenschaften tierischer Materialien

 

Ebenfalls aus der Natur und ebenfalls bemerkenswert sind tierische Materialien wie Daunen, Kaschmirwolle oder Leder. Viele Menschen schwören auf die herausragenden Eigenschaften – und das nicht zu Unrecht.

 

Daun to earth

 

Daunenfüllungen erfreuen sich nicht nur für Bettwaren großer Beliebtheit. Im Alpinsport und in der Stadt werden Mäntel, sowie Westen und Jacken mit Daunenfüllung gleichermaßen gerne getragen und gelten als funktionales Mode-Evergreen. Bei Damen steht vor allem der klassische Daunenmantel hoch im Kurs, da er aufgrund seiner Länge nochmal deutlich besser wärme als eine herkömmliche Jacke.

Der Grund ist mit Sicherheit die unnachahmliche Wärmeleistung aufgrund der besonderen Struktur, durch die Wärme im Inneren der Jacke isoliert werden kann, sodass selbst sibirische Temperaturen mit der richtigen Bauschkraft keine Schwierigkeit darstellen sollten.

Daunenmode besticht außerdem durch ein angenehmes Tragegefühl. Nicht zuletzt deshalb, weil die Kleidungsstücke so unglaublich leicht sind. Großer Nachteil von Daunen im Vergleich zu PrimaLoft: Daunen sind sehr empfindlich und verklumpen, wenn sie nass werden! Die Pflege ist in Summe wesentlich schwieriger und aufwendiger.

 

Kaschmir & Co.

 

Cashmere liegt samtig-weich auf der Haut und sorgt so für einen Rundumwohlfühl-Effekt. Und dieses Gefühl verfliegt bis zum Ende des Tages nicht, denn in einem Pullover aus Kaschmir schwitzt man kaum, das Material ist nämlich geruchsneutral.

Und damit enden die Vorteile der edlen Faser nicht, schließlich knittert Mode aus Kaschmirwolle nicht und muss nicht gebügelt werden. Im Gegensatz zu Baumwolle und anderen Materialien kratzt ein Kaschmirschal zum Beispiel überhaupt nicht und ist so perfekt geeignet für alle, die gerade im Winter mit Hautausschlägen zu kämpfen haben.

Ähnlich wie Kleidung aus Merinowolle, sollte auch Kaschmir-Mode nur selten gewaschen werden. Lieber einmal öfter auslüften statt waschen lautet die Devise. Denn beim Waschen droht die größte Gefahr: zu heiß gewaschen oder zu nass aufgehängt und schon ist das teure Kleidungsstück futsch!

 

Grün und gut: Das Fazit

 

In Sachen Umweltbewusstsein und Nachhaltigkeit haben Naturmaterialien tierischen und pflanzlichen Ursprungs im Vergleich zu Kunstfasern klar die Nase vorn. Daunen und Kaschmir überzeugen aufgrund ihrer hautfreundlichen, atmungsaktiven und temperaturausgleichenden Eigenschaften.

Kunstfasern und innovativ verarbeitete vegane Naturfasern ahmen diese Charakteristika allerdings beinahe ebenso geschickt nach und sind so eine gute Alternative für alle, die auf tierische Produkte verzichten möchten.

Ein Tipp zum Schluss: Langlebigkeit macht sich in der Geldbörse und für die Umwelt besonders bezahlt. Deshalb lieber in Second-Hand-Mode investieren und Kleidungsstücken so neues Leben einhauchen!

 

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Bildquelle: Unsplash unter CC0 Lizenz

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