GenderGleichberechtigungMeinungNationalhymneSpracheWeltfrauentag

Mutterland und Vatersprache: Sollten wir die Nationalhymne wirklich umdichten?

Nationalhymne verändern, um für Gleichberechtigung zu sorgen? Ob das ein Weg sein kann, fragen wir Eckhard Kuhla, der sich mit Gendersprache beschäftigt.

 

Was spricht dagegen, was dafür?

 

Ein Redakteur auf welt.de schrieb, dass die Konsequenz der Veränderung dann aber sei, auch Begriffe wie „Muttersprache“ abzuschaffen. „Ich würde nichts ändern wollen“, sagt Kuhla dazu. „Das ist eine künstliche Änderung der Sprache. Wir sind immer gegen das Gewollte und für das Gewachsene. Eine Kunstsprache, die von oben diktiert wird, ist nicht sinnvoll und kann sich nicht durchsetzen.“ Die Einstellung des Wissenschaftlers: Sprache ist Kulturgut, das weitergegeben wird und nicht mutwillig verändert werden kann.

Das wäre dann auch schon das nächste Argument dagegen. Götz Frömming von der AfD twitterte dazu:

Der Experte ist weniger drastisch, aber ähnlicher Auffassung: „Wenn unser Kulturgut immer wieder hinsichtlich sprachlicher Trends verändert wird, ist die Frage: Wann fängt man an, wann hört man auf? In zwanzig Jahren ist wieder etwas anders korrekt.“

Eine Nationalhymne ist trotzdem irgendwie Präsentation nach außen. Deutschland sieht sich gerne als fortschrittlich. Man will mithalten, vorne mit dabei sein. In der österreichischen Bundeshymne wurde im Text bereits 2011 die Zeile „Heimat bist du großer Söhne“ zu „Heimat großer Töchter und Söhne“ abgeändert. Möchte Deutschland weiter vermitteln, dass die Frauen der Nation ignoriert werden? „Hoffmann von Fallersleben wollte in seinem Gedicht den Freiheitsgedanken vermitteln. Es ging überhaupt nicht darum, ausdrücklich die männliche Bevölkerung Deutschlands zu betonen und die weibliche außen vor zu lassen“, antwortet Kuhla darauf. Im Kulturerbe müsse nicht auf Gleichberechtigung geachtet werden. Es werde insgesamt sowieso schon mächtig übertrieben. Oder sollen Begriffe wie „Doktox“ oder Drucka“ der neue Standard sein?

 

Sprache Sprache sein lassen

 

Auch der Experte ist also dagegen. Nicht nur Frauen, nicht nur Männer, nein, wir alle müssen verstehen. Verstehen, worum es bei Gleichberechtigung wirklich geht und was dafür noch getan werden muss. Und das passiert eben nicht mal schnell durch zwei neue Worte in der Hymne und nicht durch eine neue Sprache. „Diese ganzen neuen Wortgebilde im zwanghaften Versuch, gendergerecht zu sprechen, turnen eher ab.“ Kuhlas Weg durch den Dschungel ist, uns zum Austauschen und Verstehen zu bringen.

Vielleicht geht es darum. Nationalhymne hin oder her. Vielleicht finden wir nur unseren Weg aus dem Genderchaos heraus und hinein in die Gleichberechtigung, wenn wir Sprache Sprache sein lassen. Vergesst mal Sternchen und „Innen“ und diskutiert mal lieber in der Bar heute Abend. Umso kontroverser die Meinungen, desto besser. Dann stellt sich ziemlich schnell heraus, wo wir wirklich anpacken müssen. Anpacken, so wie die starken Frauen von damals.

 

Auch spannend: Zeigt her eure Wut! Warum wir mehr aufgebrachte Frauen brauchen

Das könnte Dich auch interessieren