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H&M kassiert für ein Werbefoto mit einem schwarzen Jungen den nächsten Shitstorm

Ein neues Jahr ist angebrochen und H&M haut auch gleich mal wieder einen raus. Nicht zum ersten Mal.

„Coolest Monkey in the Jungle.“ – H&M, du musst noch viel lernen.

Für alle, die zu diesem Zeitpunkt keinen blassen Schimmer haben, wovon wir eigentlich sprechen: Die Modekette H&M hat mal wieder einen Shitstorm ausgelöst. Für die Kinderkollektion entwarf H&M einen Pullover mit der Aufschrift „Coolest Monkey in the Jungle“, den sie dann einem dunkelhäutigen Kind für ein Werbefoto überzogen. Kurz darauf blinkten in der H&M Social Media Zentrale wahrscheinlich alle roten Notlichter, denn das Internet fand dieses Bild alles andere als toll.

Es ist zwar eine traurige Tatsache, dass Klischees, wie dieses, das einen dunkelhäutigen Jungen mit einem Affen assoziiert, auch noch im Jahr 2018 solch einen immensen Nährboden haben, aber mal ehrlich – Welchen Teil von „Wir sollten rassistische Stereotypen nicht am Leben erhalten.“ habt ihr nicht verstanden? Und noch viel mehr stellen wir uns die Frage, wer von euch mit voller Wucht in so ein offensichtliches Fettnäpfchen reinlatscht? Wer lichtet einen dunkelhäutigen Jungen mit dieser Aufschrift auf dem Shirt ab und schüttelt dabei nicht den Kopf? Aber es kommt ja noch besser, denn neben dem „Coolest monkey in the Jungle“- Hoodie gibt es ja noch den „Survival Expert“ – natürlich, ein weißer junger Mann. Mission completed. Wer sich da noch wundert, dass der Aufschrei groß sein wird, der ist wohl nicht von dieser Welt.

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Nicht der erste Shitstorm gegen H&M

 

Und es ist ja nicht so, dass du als sehr bekannte, medienpräsente Modekette zum ersten Mal einen Shitstorm auslöst. Im letzten Jahr waren es die zu kurzen Shorts für Mädchen, für Kinder, die für Empörung sorgten. Im Gegensatz zu der Mode für’s gegenteilige Geschlecht, würden kleinen Mädels nämlich schon der halbe Hintern aus den Shorts schauen, die H&M in seinen Stores anbot. Da stellen wir uns natürlich dieselbe Frage: Wer zur Hölle denkt sich das aus? Wenn sich bereits junge Mädels über ihren Sex-Appeal sorgen sollen, wenn es schon soweit kommt, wo soll das bitte enden? Es ist ja nicht so, als hätten wir im letzten Jahr nicht genug Skandale rund um das Thema sexuelle Belästigung erfahren.

Achja, den Skandal rum um das Klamottenverbrennen unter dem Deckmantel der Nachhaltigkeit hätte ich fast vergessen. H&M, du schaffst es irgendwie immer wieder, uns zum Aufschrei zu bewegen. Wenn du schon mit auf der Nachhaltigkeitsschiene fahren willst, dann bitte tue das richtig!

 

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Kleidergrößen, die nicht von dieser Welt sind

 

Auch im Jahr 2016 ließen H&M-Kundinnen in den sozialen Medien ihren Dampf ab, nämlich darüber, dass die Größentabelle von H&M vor allem eines nötig hat: Eine Überarbeitung. Wenn ich ein Kleid plötzlich mehrere Größen größer kaufen muss, kann ich das natürlich auf die verkorkste Größenordnung schieben. Junge Frauen, die aber nicht täglich bei Instagram ein Foto ihres so druchtrainierten Körpers in stylischen Sportklamotten posten, kann dieser Umstand eine ganz andere Botschaft senden, nämlich: „Du bist zu fett.“ – Ja super. Da hätten wir einen weiteren Nährboden, der auch immer schön bewirtschaftet wird: die guten alten Schönheitsideale.

Eins ist klar: Auch wenn du dich immer wieder entschuldigst, H&M, was grundsätzlich eine normale Folgehandlung auf Shitstorms ist, wirst du vor allem zwei Dinge verlieren: Glaubwürdigkeit und, sofern wir nicht so inkonsequent sein werden auch deine zukünftigen Einnahmen. Im Netz, vor allem auf Twitter, drückten viele bekannte Persönlichkeiten bereits ihre Abneigung zur Modekette aus. Rassismus im großen, wie im kleinen Rahmen, darf im Jahr 2018 nicht mehr geduldet werden. Auch große Stars, wie The Weeknd äußerten sich zum Thema und kündigten an, in Zukunft nicht mehr mit der Modekette zusammen zu arbeiten. Auf Twitter entstand unlängst der Hashtag #BoycottHM. Ob es dieser Aufruf jedoch aus der Welt des Internets ins Reallife schafft, werden wir sehen.

 

Dank uns schadet der Shitstorm H&M kaum

 

Denn solange, wir, du, ich – einfach alle – uns weiterhin dazu verleiten lassen, H&M-Klamotten zu kaufen, wird sich weder was an den Kleidergrößen, noch was an vermeintlich rassistischem Marketing des Modekonzerns ändern. Warum? Weil er riesig ist, und es ja machen kann. Denn der Geiz siegt viel zu oft. Zusammen mit der Ignoranz und der Verdrängung. Wenn wir also beim nächsten Mal das 5-Euro-Basic-Top aus Bio-Baumwolle (Nachhaltigkeitsgewissen beruhigt!) sehen, das eine unterbezahlte arme Wurst in Bangladesch zusammengenäht hat, denken wir uns doch: „Ach, ist ja nur ein Basic-Top.“ Dabei vergessen wir leider viel zu oft, dass wir das eine Sandkörnchen sind, das mit allen zusammen einen Strand bildet. Und so ist das bei allem. Wir schreien laut, finden das alles wahnsinnig empörend und schlimm, was sich H&M da leistet, aber am Ende liegt es nur an uns. Denn wir sind der Grund, das H&M selbst auf Shitstorms scheißen kann. Die so wehleidigen Entschuldigungen des Unternehmens mögen den Schein verbreiten, aber fruchten nicht. Die lange Schlange an der H&M-Kasse an einem Samstagnachmittag zeigt aber leider das Gegenteil. Es liegt in unserer Hand.

 

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