Tabea und Marian von #notjustdown

„Menschen mit Behinderung werden diskriminiert“ – Interview mit Tabea von #notjustdown

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Etwas besorgter sind sie als Familie mit Blick auf Marians Down-Syndrom aber doch. „Weil man, wenn man erwachsen wird, zwangsläufig mehr und mehr in die Zukunft denkt und diese nicht so klar zu skizzieren ist, wie das vielleicht bei anderen Geschwistern in unserem Alter der Fall ist.“ Vor allem in Sachen Selbstständigkeit bemerkt sie das: „Marian wird mit großer Wahrscheinlichkeit nie alleine nach Berlin ziehen oder alleine durch Thailand reisen, ohne sich regelmäßig zu melden. Vielleicht wird er auch niemals heiraten und eine Familie gründen.“ Solche Gedanken schiebt Tabea aber lieber zur Seite: „Man lässt diese Vorstellungen los und macht Platz für viel wichtigere Vorstellungen und Wünsche.“ 

Herausforderungen 

In ihrem Leben werden Menschen wie Marian mit verschiedenen gesellschaftlichen Herausforderungen konfrontiert. „Wir leben in einer Gesellschaft, an der Menschen mit Behinderung leider nur bedingt teilhaben, da von Beginn an Behinderte und Nichtbehinderte selektiert werden. Menschen wie Mari gehen in andere Kindergärten, in andere Schulen, andere Freizeiteinrichtungen und arbeiten auf einem zweiten Arbeitsmarkt“, erklärt Tabea. „Menschen mit Behinderung sind in Deutschland von struktureller sowie institutioneller Diskriminierung betroffen, die sie daran hindern, selbstbestimmt zu leben. Mari und wir merken das zum Beispiel daran, dass er nicht in einer für ihn vorgesehenen Behindertenwerkstatt arbeiten möchte, der Weg auf den ersten Arbeitsmarkt für Menschen mit einer (vor allem kognitiven) Behinderung aber schier unmöglich zu sein scheint, weil einem immer wieder neue Steine in den Weg gelegt werden. Es wird einfach nicht gefördert, Menschen wie Mari auf den ersten Arbeitsmarkt zu bringen.“ 

Tabea (l.) und ihr kleiner Bruder Marian (r.) verkaufen auch Klamotten, dessen Druck Mari gestaltet hat; Bild: #notjustdown

Auseinandersetzen und begegnen

Mit #notjustdown wollen Marian und Tabea auf das Leben von und mit Menschen mit Down-Syndrom aufmerksam machen, informieren und mit Vorurteilen aufräumen. Wie kann ich meine eigenen Vorurteile gegenüber Menschen mit Down-Syndrom oder anderen Behinderungen bekämpfen? „Durch Auseinandersetzung und Begegnung“, sagt Tabea. „Das ‘Zu-Viel-Drüber-Nachdenken’ fördert ebenfalls Unsicherheit und Vorurteile. Menschen mit Down-Syndrom benötigen keine Sonderbehandlung, man kann mit ihnen genauso respektvoll und selbstverständlich umgehen, wie mit jeder anderen Person auch.“ Je mehr Sichtbarkeit und Alltagsrealität sich behinderte und nichtbehinderte Menschen teilten, desto selbstverständlicher werde das Miteinander und desto selbstverständlicher werde es auch, Menschen mit Behinderung in allen Bereichen unseres Lebens aktiv mitzudenken. Social Media ist eine schöne, unaufwendige Möglichkeit, Berührungspunkte und Auseinandersetzung zu schaffen. Tabeas Kanalempfehlungen: @raulkrauthausen @natalie.dedreux @fraugehlhaar @ninialagrande @wayofkatrin @luisalaudace