Online Petition: Wann verbieten wir Catcalling endlich?

Frau lehnt an einem Gebäude, hat ein Handy in der Handy. Schaut genervt in die Kamera.

Da wird gepfiffen, geschnalzt oder einfach mal ganz platt „ey Süße, willste ficken?“ über die ganze Straße geschrien. Für die eine Person sind es nur ein paar Wörter. Doch bei der anderen Person brennt sich die Situation tief ins Gedächtnis ein und hinterlässt ein flaues Gefühl im Magen. Catcalling nennt man diese verbale sexuelle Belästigung und beinahe jede als Frau gelesene Person hat es schon einmal erlebt.

Wer glaubt das sei als Kompliment gemeint, hat eine komische Vorstellung davon, wie man Menschen wertschätzt. Denn Catcalling ist genau das Gegenteil davon. Dabei geht es um das Herabsetzen der Frau und der ultimative Ausdruck von Überlegenheit. Denn die Person, die dich da gerade belästigt, weiß ganz genau, dass sie die Macht über dich hat. Sie darf dir jede sexistische Scheußlichkeit an den Kopf werfen, ohne Konsequenzen. Catcalling ist in Deutschland noch nicht verboten. Doch es ist höchste Zeit, das zu ändern.

Online-Petition gegen Catcalling

Das findet auch Antonia Quell. Sie hat eine Online-Petition gegen das Catcalling in Deutschland gestartet. Ihre Anliegen richtet sie an die deutsche Bundesregierung. Sie schlägt vor, dass Catcalling-Fälle als Ordnungswidrigkeiten mit einem Bußgeld bestraft werden. Der Gesetzgeber sollte schließlich mit einem guten Beispiel vorangehen und den Menschen die Grenzen aufzeigen.

Laut des Urban Dictionary geht es bei Catcalling vor allem darum, dass Frauen (=cats) von Männern sexuell belästigt werden. Antonia bezieht mit ihrer Petition alle Betroffenen mit ein: „Das Catcalling-Gesetz bezieht sich gleichermaßen auf jedes Geschlecht.“ Fakt ist aber auch, dass vor allem als Frauen gelesene Menschen Zielscheibe von Catcalling werden. Eine Studie der Cornell University von 2015 hat ergeben, dass etwa 70% der Frauen in Deutschland auf der Straße sexuell belästigt wurden.

Catcallig ist in anderen Ländern bereits verboten

In einigen anderen Ländern, wie zum Beispiel in Frankreich ist die verbale sexuelle Belästigung bereits verboten. Im September 2018 wurde dort das erste Bußgeld verhängt, 300€ musste ein Mann zahlen. Im ersten Jahr wurden 700 Männer zu Geldstrafen verurteilt. Auch in Belgien, Portugal und den Niederlanden sind diese Form der Belästigung bereits verboten. 

Auch in Großbritannien wurde vor kurzer Zeit eine Petition zum Verbot gestartet. Die beiden Schwestern Maya und Gemma Tutton kämpfen dort für ein Verbot von Catcalling. In einem Interview mit dem britischen Sender BBC erzählte die 15-jährige Gemma, wie sie bereits mit elf Jahren ihre ersten Erfahrungen mit Catcalling machte:

Gegen catcalling wehren? So geht’s:

Die perfekte Strategie gibt es natürlich nicht. Doch fest steht, dass man dem Täter keinen weiteren Anlass geben möchte sich gut oder mächtig zu fühlen. Deshalb gibt es ein paar Verhaltensweisen, die im Umgang mit Catcalling hilfreich sein können: 

  • Ignorieren: Meist ist man eh zu geschockt, um mit einem lockeren Spruch zu antworten. Der fällt einem dann erst zwei Stunden später ein. Das ist aber auch überhaupt nicht schlimm! Ignorieren nimmt der belästigenden Person auch den Wind aus den Segeln. Wen er*sie sieht, dass verbale Belästigungen keine Reaktion hervorrufen, zieht die Person vielleicht weiter.

  • Konfrontieren: Manchmal ist man in der Stimmung dazu und manchmal nicht. Aber wenn du dich stark und selbstsicher fühlst, dann lass raus, was dir gerade durch den Kopf geht. Mit einem Satz wie: „Lassen Sie das sein!“ schaffst du eine Distanz zwischen dir und der Person. Wichtig ist, dass du deine Gedanken laut, klar und selbstsicher vorträgst.

  • Pfeife ein Lied: Hört sich im ersten Moment etwas befremdlich an. Aber tatsächlich hilft es vielen belästigten Personen in solchen Situationen ihre eigene Stimme zu hören. 

  • Stelle keine Fragen: Auch wenn dir ein grimmiges: „Was ist mit dir eigentlich falsch?“ auf den Lippen liegt. Das könnte der Person suggerieren, dass du an einem Gespräch interessiert bist. Doch genau das möchtest du ja nicht erwirken.

  • Gebe dir niemals die Schuld: Der wohl wichtigste Punkt auf dieser Liste! Egal wie kurz der Rock, wie hoch die Schuhe, wie schön dein Hintern oder wie toll die Adern an deinen Armen sind: du hast das Catcalling niemals provoziert.

  • Finde ein kreatives Ventil: So wie zum Beispiel die Niederländerin Noa Jansma, die mit Catcallern ein Selfie gemacht und es auf Instagram hochgeladen hat. Sie wollte so auf das catcalling aufmerksam machen.

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Bildquellen: Unsplash

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