Das Projekt „Jugend Rettet“ hilft Menschen in Seenot

Jugend Rettet Teamfoto

Junge Leute, die coole Sachen machen: Nicht lange warten, einfach loslegen. Wir stellen euch in diesem Format junge Leute vor, die wir bewundern, weil sie sich einfach getraut haben, einen Traum in die Tat umzusetzen. Sie zeigen uns, warum sich das lohnt. Eins, zwei drei, los!

Zwischen Reden und Handeln ist ein großer, mutiger Schritt nötig. Während der größte Teil Europas immer noch über die dramatischen Geschehnisse auf dem Mittelmeer diskutiert und nach Lösungsansätzen sucht, nennt eine Gruppe junger Erwachsener das Problem beim Namen und beginnt, zu handeln. Dieses Handeln findet in großem Rahmen statt, an das nicht alle, aber viele Menschen glauben. Und dieses Handeln findet an dem Ort statt, der oft ganz vergessen wird: auf See. Der Plan ist der Einsatz eines Schiffs zur Seenotrettung im Mittelmeer. Wer diesen Plan umsetzt? Jugend Rettet. Das ist eine selbstverwaltete und unabhängige Organisation, die 2015 von jungen Menschen ins Leben gerufen wurde. ZEITjUNG hat mit dem Gründungsmitglied Jakob Schoen gesprochen. Die Idee für das Projekt entstand im April 2015 als Reaktion auf das Schiffsunglück mit über 800 toten Flüchtlingen vor Lampedusa. „Das Unglück war ein Punkt, der mich bewegt hat, weil da ein ganzer Kontinent mit einer Gleichgültigkeit auf das Meer schaut. Das ist schon manchmal erschreckend“, erzählt Jakob.

 

„Kann man da echt nichts machen?“

 

Mittlerweile besteht das Kernteam in Berlin aus acht Personen im Alter von 19 bis 28 Jahren mit vielen weiteren Helfern im Hintergrund. Gemeinsam klärten sie bei offenen Treffen über ihr Projekt der Seenotrettung auf und entwarfen ein konkretes Konzept: ein Schiff mit Crew, die auf dem Mittelmeer Menschen in Not rettet. Das Schiff steht auch schon fest. Es befindet sich noch in Holland und muss an einigen Stellen generalüberholt werden. Was dafür gebraucht wird? Natürlich Geld und zwar viel davon. Mindestens 80.000 Euro sind für die Reparatur, Ausstattung und anschließende Überführung nach Italien nötig. Und da sich die jungen Retter ehrenamtlich und ohne staatliche Unterstützung engagieren, sind sie auf Spenden angewiesen.

Ein Ehepaar war ganz besonders überzeugt von dem Projekt und versprach eine Finanzierungszusage. Sie spenden 150.000 Euro für das Schiff, wenn die Summe in Höhe von 80.000 Euro für Umbau, Überführung und ersten Laufmonat des Schiffes bis zum 31. März 2016 durch private Spenden erreicht wird. Eine überwältigende Unterstützung bekommt der Verein in Deutschland sowie vor Ort in Italien. Nicht nur finanzielle, rechtliche und maritime Tipps erhalten die jungen Erwachsenen von Profis – auch auf praktische Hilfe vor Ort können sie zählen. Gerade laufen die Bewerbungen für die elfköpfige Crew an Bord, bestehend aus Kapitän, Steuermann, Maschinisten, Ärzten, einem Pressevertreter und Deckhands. Ob Professionell oder Neuling auf dem Gebiet – mitmachen kann jeder auf ehrenamtlicher Basis. Die Organisation steht auch in engem Kontakt mit Sea Watch und Aktivisten vor Ort, die sie auf den Einsatz vorbereiten und ihnen hilfreiche Tipps für die nicht ganz ungefährliche Rettung auf dem Meer geben. Die Mitglieder von „Jugend Rettet“ bekamen immer mehr das Gefühl: „Wir können so ein Schiff tatsächlich stemmen.“

 

Wo die Politik versagt, beginnt die Arbeit der Jugendlichen

 

Parallel und unabhängig von dem konkreten Ziel haben die engagierten Akteure ein Netzwerk ins Leben gerufen, das junge Menschen die Chance gibt, sich in den asylpolitischen Diskurs einzubringen. Es heißt „Jugend Rettet europe“. Jakob betont: „Es war unser Wunsch, auch langfristig zu denken und junge Leute zu vernetzen, die sich für das Thema interessieren und auch in Zukunft zusammenarbeiten könnten. So ist dieses Netzwerk entstanden.“ Europaweit sind sich junge Menschen darüber klar, dass Seenotrettung selbstverständlich sein sollte und unabhängig von den politischen Rahmenbedingungen gehandelt werden muss. Genau das bietet Jugend Rettet: Ihr könnt in eurer Stadt Botschafter werden oder die rechte Hand eines Botschafters. Wer vor Ort an der Küste aktiv werden will, kann sich als Deckhand für das Schiff bewerben. Das Interesse ist groß, die Anfragen und Hilfsangebote nehmen rasant zu. Das Botschafternetzwerk besteht momentan in 25 deutschen und vier europäischen Städten.

 

„Wenn Seenotrettung weiter nötig ist, werden wir sie leisten“

 

Bei der Seenotrettung fehlt es Jakobs Meinung nach nahezu an allen Ecken und Enden. Was Europa braucht, ist eine staatliche Seenotrettung und eine europäische Lösung für dieses Problem, das den gesamten Kontinent betrifft. Unter dem Motto: „Jeder Mensch verdient die Rettung aus Seenot“ begeben sich die jungen Erwachsenen auf eine lange Reise, mit der sie ein Zeichen gegen die fehlende politische Handlungsbereitschaft setzen wollen. Bis November 2016 wollen die Retter auf See helfen und wenn das Schiff kältetauglich ist, auch noch bis in den Winter. In solch einer Krisensituation lässt sich schwer vorausplanen, was wo gebraucht wird, meint Jakob. „Es ist definitiv nicht die Aufgabe von Jugendlichen, Seenotrettung auf dem Mittelmeer zu leisten. Das ist ein Armutszeugnis für Europa.“

„Jugend Rettet“ freut sich über jede Spende, über neue Crewmitglieder oder Botschafter.

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