Maeckes im ZEITjUNG-Interview: „Die Fresse halten ist keine Option“

In der Schreinerei von ZEITjUNG trifft sich Maeckes von "Die Osrsons" zum Gespräch

Von Philipp Pander und Katharina Kunzmann

Langeweile ist in der fabelhaften Welt des Maeckes ein Fremdwort. Der Musiker will nie auf der Stelle treten, sondern immer weiter und Neues entdecken. Nicht nur rappen, sondern auch schauspielern, Musikvideos produzieren, malen, Beats produzieren… Diese Liste könnte ewig so weitergehen, denn für das Mitglied der Rap-Combo „Die Orsons“ scheint zu gelten: Machen ist die beste Medizin!

Aber selbst ein Tausendsassa wie er braucht, das hoffen wir zumindest, mal eine Pause. Wie gut, dass wir im Büro von ZEITjUNG ein großes, grünes Sofa haben, auf dem es sich ganz hervorragend fläzen und entspannen lässt. Und genau das hat Maeckes getan und mit uns dabei über Grenzerfahrungen, politische Statements und eine zarte Freundschaft mit Judith Holofernes geplaudert.

 

ZEITjUNG: Du kommst gerade aus Innsbruck, deiner österreichischen Heimat. Wie war es?

Maeckes: Es war wirklich sehr schön. In Innsbruck habe ich das kleinste Konzert der Tour gespielt. Es war ganz privat und hatte trotzdem eine riesen Magie. Das hat mich sehr gefreut.

 

Gestern Innsbruck, heute München, morgen Köln: Macht dir Reisen noch Spaß oder ist es ein Stressfaktor?

Autofahren ist nervig und das wird sich leider auch nie ändern. Wir haben den Luxus, dass wir Steckdosen im Auto haben und so ganz normal arbeiten können, während wir fahren. Außerdem ist es natürlich toll, dass man auf dem Weg viele Freunde und Verwandte besuchen kann. Deswegen reise ich eigentlich sehr gerne, aber das Autofahren an sich bräuchte ich nicht.

 

Du nutzt die Zeit auf Tour also immer sinnvoll?

Manchmal hat man überhaupt keine Energie mehr und will einfach nur das beste W-LAN und seine Ruhe. Man ist so zermürbt vom ganzen Saufen und dem Jeden-Abend-die-Energie-haben-müssen, dass nicht mehr viel übrig bleibt. An solchen Tagen rennt man rum wie ein Einzeller. Aber wenn ich es schaffe, dann versuche ich schon meine Freunde zu treffen.

 

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Deine Eltern sind aus Österreich. Verfolgst du die Politk des Landes?

Na aber klar! Ich finde es schrecklich, dass Rechtspopulismus dort so gut funktioniert. Österreich ist das Tor zum Ostblock und wenn dort die rechtspopulistische Angstmache Fuß fasst, schlägt das weiter Wellen. Manche sagen ja, dass Österreich immer eine Legislaturperiode vor Deutschland ist und der Trend des rechtspopulistischen Stumpfsinnredens und Angstmachens noch eine Weile bergauf gehen wird. Das macht mir Sorge, Angst und nervt mich.

 

Eigentlich brauchen wir gar nicht mit dem Finger nach Österreich zu zeigen, sondern sollten vor unserer eigenen Haustüre kehren: Auch in Deutschland gibt es einen Rechtsruck. Findest du, dass sich Künstler bei solchen Entwicklungen einschalten sollten oder überlässt man diese Aufgabe besser den Politikern?

Ich finde man sollte eine klare Haltung und Meinung haben. Aber der Versuch aufzuklären, hat einen ekeligen Beigeschmack.

 

Etwas Lehrerhaftes meinst du?

Genau. Die Fresse halten ist keine Option, aber man muss einen Weg finden, der mit dem Künstlerischen vereinbar ist.

 

 Wie ist dein Weg ?

Das muss ich mir noch überlegen. Aber Humor wäre wohl was für mich. Oder einfach nur brutal sein. Ich bekomme es bei vielen Künstlern mit, dass sie zur Zeit nach Lösungen für das Problem suchen und viel darüber diskutieren. Ein Patentrezept hat aber noch keiner und das gibt es auch nicht.

 

Letztes Jahr kam dein Album „Tilt“ raus, bei dem du unglaublich viel selbst gemacht hast. Du warst nicht nur Musiker, sondern der Manager des gesamten Projekts. Bist du dabei an deine Grenzen gestoßen?

Absolut. Die erste Hälfte der anschließenden Tour habe ich noch gut hinbekommen, aber dann war ich fertig und komplett leer. Ich habe dann zwar auch noch die zweite Hälfte zu Ende gespielt, aber danach habe ich drei Monate lang gar nichts gemacht. Die vielen Aufgaben haben mich komplett kaputt gemacht.

 

Wie hast du wieder Kraft geschöpft?

Ich bin gereist.

 

Wie bewertest du dieses Mammut-Projekt jetzt mit ein bisschen zeitlichem Abstand?

Ganz ehrlich, ich bewerte meine Arbeit gar nicht, sondern nur den persönlichen Zugewinn. Als „Tilt“ released wurde, war das befreiend. Es war, als ob man die letzte Stunde einer zehnjährigen Therapiesitzung hatte und dann befreit aus der Praxis marschiert. So ein Gefühl hatte ich davor noch nie. Es war toll! Bei der Arbeit für „Tilt“ habe ich so viele Sachen gelernt, vor allem musikalisch. Aber auch mein Können bei der Videoproduktion kam auf ein neues Level und jetzt, ein Jahr später, finde ich immer noch, dass „Tilt“ ein nachhaltig gutes Album ist.

 

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Du warst schon mit Größen wie Jan Delay auf der Bühne. Hast du eigentlich aus den Anfängen des deutschen Hip Hop jemanden, der Vorbild für dich ist?

Als ich jung war, habe ich die Sachen aus Amerika gefeiert. Eminem hat mich zum Beispiel sehr geprägt. Aber auch in Deutschland gab es immer mal wieder etwas, das mich fasziniert hat: Dendemann war richtig krass. Aber ich hatte nie einen Musiker als Vorbild. Dafür war ich zu sprunghaft oder wollte viel zu viele Stile und Ideen miteinader kombinieren und ausprobieren.

 

Bis heute probierst du ständig Neues aus: Du produzierst selbst, du zeichnest, hast schon geschauspielert. Wie wahrscheinlich ist es, dass dem Rap den Rücken kehrst und etwas komplett anderes machst?

Das kann schon sein. Mich selbst würde das zumindest nicht überraschen. Vor „Tilt“ hätte ich diese Frage anders beantwortet. Damals wollte ich alles selbst machen und es war auch gut so, aber inzwischen würde ich mich spezialisieren und nur noch eine Sache machen. Das heißt jetzt nicht, dass ich künftig nicht mehr rappen werde, aber es könnte schon sein.

 

Du hast nicht nur vieles ausprobiert, sondern auch mit vielen verschiedenen Künstlern gearbeitet, zum Beispiel mit Judith Holofernes. Wie kam das zustande?

Wir haben einander auf Twitter gefolgt und dann per Direktmessage geschrieben. Zu dieser Zeit habe interne Listening-Sessions ausgemacht und „Tilt“ erst meinen Freunden und dann Kollegen gezeicht. Dann wollte ich diese Kreise ein bisschen erweitern und habe Judith über Twitter angeschrieben und gefragt, ob sie mein Album anhören möchte. Sie wollte und ich bin bei ihr vorbei gefahren. Das war wie ein Listening-Session-Blind-Date. Wir kannten uns noch überhaupt nicht, hatten uns noch nie gesehen, aber an diesem Tag saßen wir eine Stunde lang da und haben zusammen meine Musik angehört.

 

Wie war ihre Reaktion?

Judith hat einen sehr guten Blick auf Sprache, was mich schon immer fasziniert hat. Deshalb hatte sie auch viele gute Ideen für die Songs, die noch nicht fertig waren. Seit unserem ersten Treffen ist eine kleine Freundschaft entstanden und wir haben einen Remix zu Analogpunk gemacht.

 

Das war ein mutiger Track, weil ihr beide Musikstile ausprobiert habt, die man von euch noch nicht kannte. Judith hatte sogar einen Sprechgesang-Part. 

Die Instrumentierung lag ganz bei Judith und deshalb klingt der Song so, wie ihre Songs klingen. Diese ersten Tonspuren habe dann ich bekommen und einen Beat daraus gemacht. Zwischendurch wäre es fast ein Rap-Track geworden, mit nur einem Part von Judith. Das haben wir aber dann doch wieder gelassen. Wieso erzähle ich das alles? Keine Ahnung! Jedenfalls: Grüße an Judith!

 

Die richten wir aus, wenn wir sie mal bei ZEITjUNG begrüßen dürfen. Jetzt haben wir aber noch eine letzte Frage: Wenn du dir einen Wunschkandidaten aussuchen könntest, um eine Kollaboration zu machen – egal, ob tot, lebendig, jung, alt, männlich, weiblich… – wer wär’s?

Ganz schön schwierig. Ist Roy Black schon tot?

 

Leider ja.

Dann Roy Black!

 

Und jetzt gibt’s was auf die Ohren: Maeckes mit „Partykirche“: