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Die modernen Raucher: Sind sie unsere rebellischen Außenseiter?

Die Schockbilder auf Zigaretten werden mehr, die Raucher wie erhofft weniger. Doch es gibt sie noch, die genussvollen jungen Qualmer unter uns. Aber ist die Liebe zur Zigarette noch zeitgemäß?

Früher wurde gequalmt, wo der Mensch sich aufhielt: In Bus und Bahn, in Kneipe und Café, in jedem Wohnzimmer und in jeder Küche. Rauchen war normal. Lang ist es nicht her – unsere Eltern erzählen gerne von einer damals rundum rauchenden Gesellschaft und machen uns große Augen. Rauchen sogar in der Arztpraxis? Für unsere Generation nicht mehr vorstellbar.

Aktuell reduziert sich die Anzahl der Raucher immens. Durch Fotos, die Zigarettenschachteln und Drehtabak mit schwarzen Lungen und offenem Zahnfleisch zieren ist der Tabakkonsum laut dem statistischen Bundesamt im Vergleich zu 2015 ganze 11,3 % zurückgegangen. Die Schockbilder zeigen also ihre Wirkung und schrecken die Quarzer ab.

 

Wer rauchen will, ist mittlerweile Außenseiter

 

Der moderne Tabak-Konsument ist nun ein Außenseiter der Gesellschaft – oder wird er zu diesem gemacht? Die Öffentlichkeit toleriert so gut wie keine Raucher mehr: Am Bahnsteig stehen ihm ganze 5 Quadratmeter zur Verfügung, um seine Sucht zu befriedigen und am Flughafen lediglich eine stickige Kabine. Wer die Zigarette will, muss außerdem ziemlich tief in die Tasche greifen. Schlappe 20 Cent kostet eine Filterzigarette, das ist über 100 Prozent mehr als noch vor 20 Jahren. Der starke Raucher, der eine Schachtel á 6 Euro am Tag verpafft, gibt im Jahr also ganze 1.190 Euro aus – das könnte auch einen Urlaub finanzieren.

Das Nichtraucherschutzgesetz ist zusätzlich ein Stolperstein, der den Rauchern in den Weg gelegt wird. Qualmen in Restaurants, Cafés und Kneipen ist, vom Bundesland abhängend und in variabler Form, verboten. Einerseits verständlich, denn Zigarettenrauch in der Nase während man genüsslich sein Schnitzel verputzen möchte, ist nicht sehr erstrebenswert. Andererseits bedauern die Raucher unter uns das Raucherverbot jedoch, denn so manch einer Boazn geht ihr ganz spezieller Charme dadurch verloren.

 

Und wer sind die Überbliebenen?

 

Übrig bleiben die eingefleischten Raucher, die auf ihre Zigaretten entweder nicht mehr verzichten wollen – oder aber es nicht können. Sie überkleben ihre Zigarettenschachteln mit hübschen Papierchen, stecken das Drehzeug in nette Stoffbeutel oder scheißen eben einfach auf das „Schockbild“. Neuigkeiten verbergen sich hinter dem Abschreckungsmanöver nämlich keine.

Und ergreifen wir einmal Partei für die Raucher: denn sind wir doch mal ehrlich, es kann auch einfach wundervoll sein, nach einem langen Arbeitstag zum kühlen Bier und zur Fluppe zu greifen. Und die besten Gespräche beim Feiern entstehen oft draußen – nicht selten auch beim Rauchen. Rauchen verbindet, schafft sogar Freundschaften. Denn mit welchen Menschen kommt man in der Uni oder Job am schnellsten in Kontakt? Den Rauchern. Eine ganze Folge von „How I Met Your Mother“ ist diesem Phänomen gewidmet. Klassische Anmachen wie „Hast du vielleicht ein Feuer?“ oder „Komm ich versteh dich kaum, lass uns eine rauchen gehen!“ funktionieren nach wie vor einfach hervorragend. Der kleine, giftige Vorwand namens Zigarette, hat uns schon so manch eine romantische oder lustige Nacht beschert – und die wollen wir nicht missen. Manchmal hat die Kippe uns schon als Freund in schwierigen Situationen beiseite gestanden, dem Beziehungs-Krisengespräch zum Beispiel. Oder uns in aufwühlenden Zeiten beruhigt und vor dem Schlafengehen runter gebracht.

 

Hin und her gerissen: der Gelegenheitsraucher, der eigentlich aufgehört hat

 

Amüsant bis unerträglich sind auch diejenigen, die nur hin und wieder zum Glimmstängel greifen. Die Gelegenheitsraucher, die mit einer halben Flasche Rotwein intus plötzlich nuscheln: „Du, darf ich vielleicht auch so eine…? Und die, die gestern noch feierlich das Gegenteil geschworen haben. „Ich höre jetzt auf zu rauchen. Jetzt und heute.“ Und auf der nächsten Party schnorren sie uns erst eine Zigarette aus der Tasche, dann die Zweite, um sich dann schließlich doch wieder eine eigene Schachtel zuzulegen. Diese Inkonsequenz ist anstrengend – steh zu deiner Lust!

Eigentlich weiß jeder Raucher, dass es Quatsch ist, sich Tag für Tag die Fluppe anzustecken. Aber nobody’s perfect. Es ist ok, wenn nicht alles was du tust, nur zu deinem Besten ist. Es geht beim Rauchen darum, wie bei so vielem im Leben – um das Maß.


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Titelbild: Pexels unter CC 0 Lizenz

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