Fütterer is(s)t anders: Seide – Tiere und Umwelt leiden für unsere Eleganz

Models warten vor einer Fashion Show. Bild. Unsplash

Elina Fütterer ist Ökotrophologin, Yoga-Lehrerin und Surfer Girl. In ihrer Kolumne schreibt sie über die wichtigste Hauptsache der Welt: Essen. Genuss ist ein Muss – ohne dabei Gesundheit, Nachhaltigkeit und Ethik außer Acht zu lassen. Elina nimmt euch mit auf ihre kulinarische Reise. 

Zwar hat Seide mittlerweile viel Konkurrenz von billigen Kunstfasern bekommen, dennoch hat sie ihren Ruf als luxuriöses Naturprodukt behalten. Den wenigsten ist allerdings bewusst, dass für die Produktion des edlen Rohstoffs tausende von Tieren auf qualvollste Weise sterben müssen.

Seide: Von der Raupe zum Rohstoff

Seide ist eine tierische Faser, die aus dem Kokon der Seidenraupe produziert wird. Die Faser gilt als sehr hautfreundlich und flexibel: Im Sommer kühlt Seide, im Winter wärmt sie. Aber wie entsteht der Rohstoff?

Seide entsteht bei der Metamorphose der Seidenraupe zum Schmetterling. Die Raupen ernähren sich einen Monat lang von den Blättern des Maulbeerbaums. Anschließend spinnen sie einen feinen, langen Kokon um sich herum und verpuppen sich. Zwei bis drei Wochen später beißen sich die Tiere durch den Kokon und schlüpfen dann als Nachtschmetterling. Für die Seidenproduktion wird der Kokon verwendet, der aus einem sehr feinen Filament besteht. Er eignet sich hervorragend für die Herstellung von glatten, feinen Textilien.

So viel zur Theorie. Allerdings ist der Seidenkokon für die Seidenherstellung nur interessant, wenn er nicht zerstört wurde. Wer eins und eins zusammenzählen kann, der ahnt, dass es für die Produktion von Seide also nicht erwünscht ist, dass sich die Raupen aus dem Kokon befreien können. Die Lösung ist brutal: Vor dem Schlüpfen werden die eingesponnenen Larven getötet. Bei lebendigem Leib werden sie in heißem Wasser oder Dampf totgekocht. Nach einem anschließenden Wasserbad kann der Faden von den toten Tieren abgewickelt und weiterverarbeitet werden.

In der Seidenproduktion werden die Tiere also noch in der Raupenphase getötet. Wer Seide trägt, der verhindert das Schlüpfen von Schmetterlingen.

Der Kokon einer Seidenraupe. Bild: LoggaWiggler auf Pixabay

Neben meinem Ökotrophologie-Studium und der Ausbildung zur Journalistin habe ich auch als Flugbegleiterin die Welt unsicher gemacht. Neugierig, abenteuerlustig und immer hungrig: Auf der Suche nach der perfekten Welle und der besten Açai-Bowl futterte ich mich schon durch mehr als 80 Länder.