Selbstversuch: Tarotkarten

Ein gutes und ein schlechtes Schicksal?

Als es am Abend so weit ist, stellen wir Kerzen auf, hören über eine Box leise Musik und dimmen das Licht. Das Ganze verbreitet mystische Stimmung und macht aus dem Kartenlegen eine richtige Zeremonie. Wir sind ziemlich aufgeregt. Hoffentlich wird das nächste Jahr gut. Auch ohne Esoterik-Freak zu sein, wenn du Karten legst, lässt du dich soweit darauf ein, dass du irgendwie daran glaubst. Zumindest geht es uns so. Erst ist Katharina dran. Wir nehmen uns Zeit und besprechen bei jeder der sechs gelegten Karten, was es bedeuten könnte für sie. Wir interpretieren: Katharinas Jahr wird mit Glück erfüllt und sie nimmt dabei den Ballast des vergangenen Jahres nicht mit. Ein Sechser im Lotto.  Und dann komme ich. Die ersten Karten zum Abschluss des letzten Jahres sind noch gut. 2020 musste ich mein Schicksal annehmen, ohne es beeinflussen zu können und mit dem Flow gehen. Ich tippe auf Corona, wie passend. Man konnte nichts an seiner Situation ändern und wie gerne ich auch mein Abitur gefeiert hätte, es ging nicht und am Ende war es dann auch anders schön. Auch der Rest passt. Ich hoffe auf Glück und Liebe im kommenden Jahr, sehr richtig. Wer nicht? Und dann kommt die Frage, mit welchem Schritt ich den Jahreswechsel vollziehe. Ich bin aufgeregt, was mag wohl kommen? Ich mache meine Augen zu und greife eine der ausgebreiteten Karten und drehe sie um: „Tod“. Einen kurzen Moment sagen wir gar nichts und gucken uns dann an. Wir lachen nervös und irgendwie haben wir auch Tränen in den Augen. Das kann doch nicht wahr sein. Ich mache mir ernsthaft Sorgen und mein Herz schlägt schnell. Was ist mit meinen Eltern, meinen Großeltern? Stimmt das echt?

Dann schlagen wir nach, was die Tarotkarte „Tod“ überhaupt bedeutet und unsere Anspannung fällt ab: „Tod „steht für das Sterben von bestimmten Dingen, nicht Menschen. Ich lasse etwas hinter mir. Und davon habe ich genug! Nochmal gut gegangen und dann geht es mit den restlichen Karten weiter. Ich habe zwar nicht den Sechster im Lotto wie meine Freundin Katharina, aber es wird sicherlich ein lehrreiches Jahr. Ich freue mich.

In der Nacht schaue ich mir tausend Videos an, wie ich Tarotkarten lesen kann, damit mir nicht wieder so etwas wie beim „Tod“ passiert. Diese spirituelle Welt ist so spannend. Und die Krux dabei für mich ist, nicht an irgendetwas Übermächtiges zu glauben, sondern mich inspirieren zu lassen und daran zu denken was war und was kommt. Dinge, die ich noch verbessern muss und solche, die ich getrost hinter mir lassen kann. Tarot kann die richtigen Akzente setzen, Selbstbewusstsein schenken und einen reflektieren lassen. Auch für Skeptiker kann die Erfahrung, mit den Liebsten das Vergangene Revue passieren zu lassen, toll sein. Außerdem kann es mit den richtigen Menschen wie eine warme bzw. je nach Anlass auch kalte Dusche sein. Wer bin ich? Wer will ich sein? Diese Fragen schwirren in meinem Kopf herum und die Tarotzeremonie gibt mir die Zeit darüber nachzudenken, anstatt sie im Alltagsstress zu begraben.

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Bildquelle: Pexels; CCO-Lizenz

Als Kölnerin liebe ich jedes bunte, tratschige oder politische Thema. Daneben findet man mich auf der Yogamatte oder in der nächsten Eckkneipe, immer im Gespräch mit anderen Menschen.