Toxische Freundschaften: Zwischen Liebe, Hass und unglaublich viel Schmerz

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Von Maxine Jung

Freunde kommen und gehen. Einige bleiben länger in deinem Leben und begleiten dich, andere sind nur kurze Gefährten und helfen dir über eine Krise hinweg. Und wieder andere hättest du überhaupt gar nicht in dein Leben lassen sollen. Dass meine ehemalige beste Freundin es nicht wirklich gut mit mir gemeint hat, kam mir erst, als sich unsere Freundschaft zerschlagen hatte. Nach langen Wortgefechten und schier endlosen Nächten im Tränenmeer wurde ich wuchtartig auf den Boden der Tatsachen zurück geschleudert und merkte nach zig Jahren Freundschaft: Das Biest hat mich kaputt gemacht, ausgenommen wie eine Weihnachtsgans und ausbrennen lassen wie ein Feuer ohne Holz. Diese Freundschaft war giftig.

Langsame, unbemerkte aber kontrollierte Zerstörung

Toxische Beziehung, giftige Freundschaft oder andersrum – Begriffe, die man schon mal irgendwo gehört, aber sich nie näher damit beschäftigt hat. Man ist ja auch der Meinung, sowieso nicht in eine solche, missliche Lage zu geraten. Denn „man merkt ja, wenn Leute einem nicht gut tun, man ist ja auch charakterstark und lässt sich von niemandem klein kriegen“. Ja, und genau das habe ich auch gedacht. Genau das wurde mir zum Verhängnis. Dieses Vergiften durch eine eigentlich geliebte Person passiert zwar langsam und unbemerkt, aber kontrolliert. Und es kommt häufiger vor, als man es sich eingestehen möchte.

Und was passiert da genau?

Als ich meine beste Freundin kennen lernte, waren wir von Sekunde eins an ein Herz und eine Seele. Wir teilten unsere Sorgen miteinander, während wir auf ihrem roten Bett saßen und wie wild in Teenie-Zeitschriften herumblätterten. Wir übernachteten jedes Wochenende beieinander, blieben bis in die Nacht auf und zählten die Sterne von ihrem Balkon aus. Wir verbrachten wahnsinnige Urlaube in den schönsten Ecken Europas, es war einfach toll. Friede, Freude, Eierkuchen, eine perfekte Teenie-Freundschaft, die für immer halten sollte. Doch schleichend gingen kleine Veränderungen mit der Zeit einher.

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Einmal ging es mir zum Beispiel sehr schlecht, ich musste Medikamente nehmen und verbrachte einige Tage im Krankenhaus. Ihre Reaktion: Nicht etwa Mitleid oder aufmunternde Worte – nein es hieß „Ach du Arme, aber mir geht es auch so schlecht. Mein Kopf, der tut schon seit Tagen so weh, ich kann kaum schlafen“. Vielleicht war das auch ihre Art der Solidarität, die ich einfach nicht verstand, dachte ich mir damals. Aber es war purer Egoismus.

Ich bin keine Freundin, nur ein Accessoire

Diese ekelhafte Charaktereigenschaft zog sich wie ein roter Faden durch unsere Beziehung. Immer wieder gab es Situationen, in denen ich quasi blind vor Liebe war und es einfach so hinnahm: Ich lernte einen traumhaft tollen Typen kennen, der genau mein Geschmack war – aber genauso ihrer. Also fing sie an, ihn mir schlecht zu reden, nach Fehlern zu suchen. Denn was sie nicht haben kann, soll ich auch nicht bekommen. Am Ende wollte ich ihn tatsächlich nicht mehr treffen, was der Grund dafür war, weiß ich heute auch nicht mehr.

Nächstes Beispiel: Sie fragte mich nach meiner Meinung zu einem Outfit. Doch was ich auch sagte, es war eh nicht relevant. Auch wenn ich es, auf gut deutsch gesagt, scheiße fand, und ihr das eben so sagte, blieb sie resistent und drehte sich weg. Es müsse ja nicht mehr gefallen, meinte sie. Schon vergessen, dass du mich nach meiner Meinung gefragt hast? Ich fühlte mich wie ein Schoßhund, der nichts zu sagen hatte und nur als nettes Accessoire diente.

Die Jahre vergingen, doch nicht ihre Biestigkeit: Mir wurde ein Job angeboten, auf den ich schon lang hinfieberte. Plötzlich war es bei ihr auf der Arbeit so unglaublich angenehm wie ein Urlaub in der Karibik. Zuvor aber heulte sie sich stundenlang über ihre „ach so freche“ Chefin aus, die so gemein war. Mit Autoritäten hätte sie es ja eh nicht so gehabt, sagte sie. Ist ja auch völlig unnötig, sich in der Ausbildung was sagen zu lassen.

Miss Universum

Sie manipulierte mich am laufenden Band, redete mir Dinge ein, die gar nicht so waren. Ihre Streitereien mit gemeinsamen Freunden drehte sie so hin, als sei ich der Grund für alles. Dabei führte sie sich auf, als würde sich das Universum nur um sie drehen. Ich hatte immer das Gefühl, ich sei das naive Dummchen und müsste ihr, als einer Art Vorbild, huldigen.

Ein gegenseitiges Geben und Nehmen, das war bei uns nicht der Fall. Es war ihr Leben, ihre Probleme und – guess what – ihre Freundschaft. Wenn sie etwas entschied, hatte ich das in keinster Weise anzuzweifeln. Ich lebte quasi unter ihrer Fuchtel, durfte sie bespaßen und musste für sie da sein. Und was bekam ich zurück? Abgelaufenes, stinkendes und haut-reizendes Duschgel zum Geburtstag.

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Viele unserer gemeinsamem Freunde wendeten sich tatsächlich von ihr (und damit auch meistens von mir) ab, weil sie erkannten, was für eine hinterlistige Schlange meine beste Freundin war. Doch ich, irgendwie schon ein naives Dummchen, hielt ihr den Rücken frei.

Die Erleuchtung lies lange auf sich warten

Und dann kam der Tag, an dem ich mal eine folgenschwere Entscheidung allein fällte und sie nicht in mein Leben einbezog. Und ich erfuhr puren, blanken und eiskalten Hass. Es fühlte sich an, als würde ich eine geballte Ladung Crushed Ice in die Fresse bekommen, so sehr zitterte ich, als wir telefonierten. Wüste Beschimpfungen wurden mir an den Kopf geworfen, was für eine Freundin ich doch wäre, dass sie mir egal wäre und ich immer nur zu meinem Besten handeln würde. Genau, das durfte ich mir, die die ihr die letzten Jahre brav den Arsch abgewischt hatte, von ihr anhören. Jahrelang ließ ich mich unterdrücken, emotional quälen, musste zurück stecken, mich ihr anpassen und konnte mich nicht frei entfalten. Ich lies sie so drastisch in mein Leben eingreifen, dass ich nicht mal mehr weiß, welches meines und welches ihres war. Bei ihren Worten platze auch mir der Kragen und ich beschloss, diese Freundschaft vorerst auf Eis zu legen. Der beste Schritt meines Lebens.

Auf Abstand – bis zum heutigen Tage

Bis zu unserem nächsten Treffen merkte meine beste Freundin wohl, dass sie ohne mich nicht so ganz klar kam. Und dann kam sie angekrochen wie eine Nacktschnecke, die Schutz vor der Trockenzeit sucht, und entschuldigte sich bei mir. Hätte mir unser Streit nicht die Augen geöffnet und wäre ich immer noch das naive Dummchen von früher, hätte ich es akzeptiert und alles wäre wie damals gewesen. Tatsächlich nahm ich ihr die lange und emotionale Rede kein Stück ab und entschied, diese Mädchen aus meinem Leben zu verbannen. Da mir aber klar war, dass ich ihr das nicht so ins Gesicht sagen konnte, ging ich die Sache subtil an. Sagte, ich bräuchte erstmal Abstand. Das verstand sie. Und diesen Abstand, den halten wir bis heute.

Nach all dem negativen Gerede über dieses Mädchen, möchte ich noch anmerken, dass ich auch viele tolle Erinnerungen mit ihr habe. Sonst würde ich sie nicht heute noch als meine damalige beste Freundin bezeichnen. Doch der Schatten, der sich mit der Zeit über unsere Freundschaft legte, wich nie wieder dem Sonnenschein. Und so habe ich sie, auch wenn es leichter scheint als es tatsächlich war, aus meinem Leben gestrichen. Auch heute denke ich noch oft an meine beste Freundin, denn sie war einfach ein jahrelanger Teil meiner Jugend. Ein Wunder, dass ich heute – für meinen Geschmack – ziemlich normal bin, mittlerweile einen großen Freundeskreis habe und von niemandem mehr abhängig bin. Doch das habe ich mir auch hart erkämpft. Aber ich wäre durch sie nicht die Person, die ich heute bin. Durch ihre Spielchen habe ich mir ein ziemlich dickes Fell wachsen lassen und kann nun behaupten, dass ich eine starke Person bin. Also, unliebe, beste Freundin – Danke dafür!