Sex und Soda: Bodyshaming – was muss man sich gefallen lassen?

Frau liegt auf dem Bett und verbirgt ihr Gesicht

In dieser Kolumne schreibt Mila Bach über die prickelnden und weniger prickelnden Momente im Leben. Diesmal geht es um Bodyshaming.

In den letzten Jahren hat sich viel getan in Sachen Bodyshaming. In den sozialen Netzwerken sind Shitstorms ausgebrochen, wenn jemand für seine Figur kritisiert wurde, Curvy Models werden immer mehr in Werbungen eingesetzt und Fotos von Cellulite oder Dehnungsstreifen sind keine Seltenheit mehr. Trotzdem gibt es Momente, in denen man sich damit auseinandersetzen muss.

Ich war seit Kindesalter nie richtig schlank. Aber auch nicht dick. Schönes deutsches Mittelmaß. Kleidergröße 40/42 – große Brüste, großer Po. Ich selbst mag mich und meine Sanduhr-Proportionen. Es gibt aber Momente, in denen Menschen mir mein Selbstbewusstsein rauben und mir das Gegenteil einreden wollen.

Bodyshaming in der Familie

Ich wünschte, es wäre nicht so, aber das meiste Bodyshaming erlebe ich innerhalb meiner Familie. Als ich zu Weihnachten wieder länger Zuhause war, bemerkte ich, wie meine Eltern ihre eigenen und fremde Körper beurteilen. Als ich ein Ballett im Fernsehen anschaute, meinte meine Mutter: „Die Ballerina hat aber keine schöne Figur. Ihre Beine sind ja total kurz.“ Bei einem Nachrichtenbericht sprach eine ältere, korpulentere Frau über den Pflegenotstand und mein Vater sagte: „Na, die hat ja eine schöne Figur.“ Und auch ich kriegte mein Fett weg (diesmal nicht im wörtlichen Sinne): „Naja, du bist halt eher eine Festere“, hörte ich meinen Vater in die große Runde sagen. Auch schön war seine subtil kritisierende Frage über Online-Dating: „Und was wollen die Männer heute so? Frauen mit Modelkörpern oder ist ihnen das egal?“ Getoppt wurde das nur durch das ständige Wiederholen meiner Mutter, wie fett sie denn schon wieder sei und dass sie jetzt wirklich weniger essen muss.

Und wieder einmal fragte ich mich: Wie kann ich als Teenager nicht in eine Essstörung gerutscht sein? Der Umgang mit Gewicht und Schönheitsidealen ist in meiner Familie schon seit meiner Pubertät toxisch und ich fühl mich nie unwohler in meinem Körper als Zuhause. Und das sollte nicht so sein. Immerhin wird man nicht gerne mit prüfenden Blicken und einem Kommentar á la: „An den Oberschenkel hast du aber ordentlich zugenommen“ begrüßt.